10. Dezember 2011 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

Nordsachsen bis 2018 wasserdicht

Hochwasserschutz - Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung informiert Kreisräte


Kreisgebiet. Die Fraktion der Partei Die Linke bereitete dem Thema Hochwasser eine Bühne im letzten Kreistag des Jahres. So hatte der Chef der Landestalsperrenverwaltung (LTV), Axel Bobbe, Gelegenheit, Zahlen zu präsentieren, zurück und voraus zu schauen. Die Botschaft seines beeindruckenden Vortrags: Bis 2018 sollen alle Schäden an den Deichen entlang von Elbe und Mulde beseitigt sein. Heißt: Nordsachsen ist dann wasserdicht. Präventive Projekte, wie Neubauten, die nicht als Schadensbeseitigung gelten, sollen bis 2020 realisiert sein. Dafür fehle momentan jedoch die finanzielle Kraft.
Axel Bobbe klärte mit einem Zahlen-Feuerwerk auf. Die Bilanz nach der Flut 2002 war verheerend: 97 Deichbrüche entlang der Mulde, drei an den Elbedeichen. 97 Prozent aller Deiche an Mulde und Elbe waren nicht mehr standsicher. Die Schäden wurden auf 780 Millionen Euro geschätzt. Sieben Millionen Euro kostete es, die 100 Deichbrüche noch im August und September 2002 zu schließen. 700 Bauarbeiter, 40 Ingenieure, 300 Lkw sowie 210000 Kubikmeter Material kamen zum Einsatz. Bis 2006 wurden 541 Schäden mit 14,5 Millionen Euro Gesamtvolumen beseitigt. Schwerpunkte waren im Landkreis Nordsachsen unter anderem Eilenburg, Laußig und Zschepplin. Bis zum Ende dieses Jahres sind dann insgesamt 1126 Schäden beseitigt und 230 Millionen Euro in Nordsachsen investiert. Im Flussgebiet Mulde sind bereits große Hochwasserschutzprojekte, wie in Eilenburg, abgeschlossen. Eilenburg ist für sogenannte 100-jährige Hochwasser sicher.
In einem Ausblick auf künftige Vorhaben stellte Bobbe unter anderem die Polder-Pläne der LTV entlang der Elbe und Mulde vor. Polder sind abgegrenzte Landflächen, die im Hochwasserfall die Wassermassen großflächig aufnehmen können, um die Pegel zu senken. Derzeit läuft für das größte Projekt in Nordsachsen an der Mulde, den Polder Bad Düben-Löbnitz, das Planfeststellungsverfahren, dass im ersten Halbjahr 2012 genehmigt sein soll. Der Polder schützt zukünftig den Bereich der Siedlungen und der gewerblichen Infrastruktur linksseitig der Mulde zwischen Bad Düben und der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Bereits in diesem Jahr wurde zum Schutz des Gewerbegebietes im Bereich Profiroll ein vorgezogener Bauabschnitt begonnen (wir berichteten).
Ein Mega-Polder ist bei Dautzschen (bei Torgau) für 50 Millionen Euro geplant. Bobbe sprach vom größten Mitteldeutschlands, dessen Realisierung jedoch erst nach 2020 möglich sei.
Eilenburgs Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) regte an, dass der Freistaat die 30000 Hektar Fläche, die momentan die Bodenverwertungs- und Verwaltungs GmbH verwaltet, für den Hochwasserschutz als Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden. Das würde auch der Regionalbauernverband Delitzsch begrüßen, der diese Flächen dann als Pächter für den Freistaat bewirtschaften könnte. "Das ist zwar gut gedacht und sicherlich auch vorstellbar, aber es ist vor allem kompliziert umzusetzen", sagte dazu Verbands-Geschäftsführer Reinhard Eggert am Freitag auf Anfrage.
Die Linke wollte zudem wissen, welche Wohngebäude in Nordsachsens nicht gegen Hochwasserschäden versicherbar sind und wie den betreffenden Eigentümern im Schadensfall geholfen werden kann. Diese Anfrage von Fraktionschef Michael Friedrich wurde eher kritisch gesehen, weil diese Angaben für Grundstücksbesitzer Nachteile bringen könnten.