30. Januar 2012 Denise Kraut (Torgauer Zeitung)

Nur in Torgau und Beilrode geht es weiter

Torgau (TZ). Vor mehr als einem Jahr, als der sogenannte Lokale Aktionsplan Nordsachsen gerade Einzug in die Region hielt, gab es noch die Idee, in fünf Kommunen der Region eine Art Jugendparlament zu gründen. Dieses Vorhaben wird vorerst jedoch nur in Torgau und Beilrode weitergeführt. Ursprünglich gehörten Belgern, Dommitzsch und Schildau noch dazu.
Einer der örtlichen Träger des Landesaktionsplanes ist das Evangelische Jugendbildungsprojekt wintergründe in Torgau. Leiterin Beate Senftleben erklärt, warum nur Beilrode und Torgau momentan noch auf der Agenda stehen: „Zu unserer Idee gehören pro Kommune immer drei Parteien – ein Betreuer, der die Arbeit leitet, die jeweilige Verwaltung und die Jugend selbst natürlich. Leider hat das jedoch nicht in jeder Kommune so geklappt, wie geplant.“

Anfangs engagierten sich die Dommitzscher Jugendlichen gemeinsam mit der Hauptamtsleiterin noch sehr für dieses Vorhaben. Nach und nach rückten dort jedoch andere Pläne in den Vordergrund. Derzeit versuchen die jungen Menschen und die Kommune gemeinsam, eine neue Skaterbahn in der Stadt zu errichten (TZ berichtete). In Schildau verlief das Projekt ganz schlecht. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates des Kirchspiels Schildau, Matthias Schulze, habe sich zwar sehr engagiert und versucht, viele Veranstaltungen und Treffen auf die Beine zu stellen, jedoch blieb das Interesse der Jugendlichen meistens aus. „Es kam fast nie jemand zu einem dieser Treffen“, sagt Beate Senftleben bedauernd.

In Belgern wiederum gab es ein ganz anderes Problem, obwohl man das so gar nicht nennen könnte. Dort wurde ebenfalls versucht, die Jugend für den lokalen Aktionsplan zu begeistern. Die meisten waren und sind jedoch so sehr in das Vereinsleben der Gemeinde involviert, dass sie für mehr weder Zeit noch Interesse hatten. Daniela Voigt aus Belgern habe es dort immer wieder versucht, Jugendliche direkt angesprochen und auch Treffen organisiert, aber so richtig ins Laufen kam dort nichts. „Wir haben vor, in Belgern vielleicht mehr mit den Vereinen zusammenzuarbeiten, um so die Jugendlichen, die bisher wenig integriert sind, zu erreichen“, plant die Leiterin der wintergrüne.
In Torgau sei es anfangs auch ein wenig zäh gelaufen. Das pendelte sich jedoch und nicht zuletzt durch das Engagement von Doreen Palau, einer ehemaligen Mitarbeiterin der wintergrüne, ein. Im September des vergangenen Jahres haben in der Kreisstadt viele Jugendliche angefangen, sich zu engagieren. Derzeit arbeitet man hier unter dem Titel „Zukunft für Torgau“ an dem Konzept für ein Jugend-Parlament.

„In der Stadt Torgau fehlt eine allgemeine Kommunikation zwischen Stadt und Jugend, sodass die Gefahr besteht, dass Projekte für die Jugend kaum oder gar nicht auf die vor Ort lebenden Jugendlichen abgestimmt sind. Regelmäßige Treffen engagierter Jugendlicher sollen die Bildung eines Jugendparlamentes im Jahr 2012 vorbereiten und realisieren. Ein Beschluss des Stadtrates aus vergangenen Jahren dazu ist noch gültig, momentan fehlen gewählte Jugendliche.  Für Projekte, die sie selbst betreffen, sollen so auch eigene Vorschläge mit eingebracht werden können. Ziel ist die Stärkung des demokratischen Engagements vor Ort, begleitend sollen zum Beispiel Workshops zum Thema Kinderrechte veranstaltet werden. Zielgruppe sind Jugendliche im Alter ab 12 Jahre, derzeit sind in der Gruppe 15 Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren engagiert.“ So wird das Konzept für den lokalen Aktionsplan beschrieben und wurde so am vergangenen Donnerstag der Koordinierungsstelle und dem Begleitausschuss vorgelegt. Um diese Ziele zu erreichen wurde außerdem ein Zeitplan erstellt, der im Februar die Vorstellung in öffentlichen Einrichtungen gemeinsam mit aktiven Jugendlichen vorsieht, sehr viel Arbeit umfasst, bis dann hoffentlich im Oktober die Wahlen zum Jugendparlament unter möglichst hoher Beteiligung der jugendlichen Öffentlichkeit stattfinden. Der Lokale Aktionsplan soll nachhaltige Wege eröffnen, deshalb wird auch schon an die Zeit ab 2013 gedacht. In Beilrode ist die Jugend zwar noch nicht ganz so weit, aber schon auf dem besten Weg. „Dort wird das Konzept derzeit noch ausgearbeitet, hier spielt vor allem auch die Arbeit mit Ehrenamtlichen eine große Rolle“, so Beate Senftleben.

Das Projekt des lokalen Aktionsplanes wird in der wintergrüne und somit in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Kirchenkreis Torgau – Delitzsch unter folgendem Titel zusammengefasst: „Welt der Werte – Demokratie leben“. Das Projekt soll Jugendliche motivieren, sich in der Gesellschaft, konkret in ihrer Heimat-Kommune, aktiv einzubringen, persönliche Standpunkte zu hinterfragen und eigene Sichtweisen zu überdenken. Während in der Dauerausstellung „Wurzeln und Flügel“ Standpunkte aufgezeigt und diskutiert werden, soll im geplanten Projekt der Schritt zur praktischen Arbeit vor Ort vollzogen werden. Ziel im Projekt   ist die Unterstützung des Aufbaus demokratischer Jugendstrukturen in Kommunen und Gemeinden des Landkreises Nordsachsen. Jugendlichen soll Lust gemacht werden, sich aktiv zu beteiligen, die oft von der Elterngeneration vorgelebte Politikverdrossenheit zu hinterfragen und lernen, sich selbst kritisch zu beobachten lernen.