17. Januar 2012 Kathrin Kabelitz (Leipziger Volkszeitung)

Torgau will den Titel Weltkulturerbe - Unesco verleiht den Titel seit 1972

Kreisstadt bewirbt sich mit Schloss Hartenfels zunächst auf Landesebene / Entscheidung im Herbst

Torgau. Die Stadt Torgau und der Landkreis Nordsachsen bewerben sich mit ihrem historischen Schloss Hartenfels samt Schlosskapelle gemeinsam um den Titel Unesco-Weltkulturerbe. Bis zum 31. Januar sollen die entsprechenden Unterlagen an das Innenministerium in Dresden geschickt werden, heißt es aus dem Landratsamt. Die Geschichte des Renaissance-Bauwerks, das als Luther-Wirkungsstätte als Zentrum der Reformation in Sachsen gilt, spricht laut Initiatoren für eine Bewerbung. Stadt und Kreis erhoffen sich vom Titel mehr überregionale Aufmerksamkeit und Touristenströme, auch mit Blick auf die Feiern zum 500-jährigen Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Auf der Unesco-Liste des Welterbes sind derzeit weltweit mehr als 900 Natur- und Kulturstätten verzeichnet, 36 davon in Deutschland.

Die nun geplante Bewerbung beim Innenministerium in Dresden ist der Schlusspunkt unter das seit einigen Jahren bestehende Bestreben, das zunächst von der Stadt und später gemeinsam mit dem Landkreis, der im Schloss seinen Amtssitz hat, verfolgt wurde. Bis Torgau sich mit diesem Titel schmücken könnte, werden allerdings noch Jahre vergehen. Die Bewerbung in Dresden ist zunächst der erste Schritt eines mehrstufigen Verfahrens. Und das beginnt im Freistaat, der im Herbst seine zwei Bewerber benennen wird. Bereits auf Landesebene gibt es ernsthafte Mitbewerber, wie zum Beispiel die Gartenstadt Hellerau und die Görlitzer Altstadt. Mit diesen sehe man sich im "fairen Konkurrenzkampf", so Dezernent Horst Winkler.
In der Kreisstadt schätzt man die Chance aufs Weiterkommen als realistisch ein. "Es ist unser fester Wille, sachsenweit zu punkten und die Bundesebene zu erreichen", gibt sich Rayk Bergner, Sprecher der Kreisbehörde, kämpferisch. Folglich ist das Unternehmen Titelkampf auch längst Chefsache. Torgaus Oberbürgermeisterin Andrea Staude (SPD) und Landrat Michael Czupalla (CDU) stehen an der Spitze einer Arbeitsgruppe, die seit kurz vor Weihnachten emsig an den Bewerbungsunterlagen feilt. Auf zehn DIN-A-4-Seiten arbeitet das aus Vertretern der Bereiche Kultur- und Denkmalschutz und Wirtschaftsförderung bestehende Gremium einen vorgegebenen Fünf-Punkte-Katalog ab. Die Bewerbung soll unter anderem eine vergleichende Analyse der Stätte in Bezug auf ähnliche Orte auf nationaler und internationaler Ebene enthalten ebenso wie Nachweise über die Unversehrtheit und Echtheit der Stätte. Und auch die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist ein abzuarbeitendes Kriterium.
"Für uns ist Hartenfels, was die Kulturhistorie betrifft, das Zentrum der Reformation in Sachsen", nennt Bergner ein Pfund, mit dem die Elbestadt wuchern will. Die Geschichte des Schlosses reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Es gilt als eines des prächtigsten und ersten Bauwerke der Frührenaissance in Deutschland. Die Kapelle ist die erste von Martin Luther geweihte Kirche. Mit Blick auf Torgaus Bedeutung als politisches Zentrum der Reformation sollen, so Bergner, Schloss und Kapelle eine Erweiterung zu den Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt bilden.