Delitzsch. Seit kurz nach der Wende hat die Verkehrswacht in Delitzsch Mädchen und Jungen im Kindergarten- und Grundschulalter verkehrserzieherisch begleitet, in vielen Veranstaltungen Erwachsene über Neuigkeiten in der Straßenverkehrsordnung informiert oder Senioren Tipps zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr gegeben. Doch das ist nun Geschichte, denn per 31. Dezember 2011 hat der Verein Gebietsverkehrswacht Delitzsch mit Beschluss der Mitgliederversammlung seine Auflösung bekanntgeben.
Vereinsvorsitzender Karl Heinz Eschner bedauert diese Entwicklung sehr. "Wir haben im Vorstand lange diskutiert und überlegt, wie es weiter gehen könnte, aber letztlich keine Zukunft mehr für den Verein gesehen. Die Auflösung ist uns allen schwer gefallen, denn viele von uns sind schon sehr lange dabei und haben bereits zu DDR-Zeiten im Verkehrssicherheitsaktiv mitgewirkt. Aber wir wollten nicht in die Schuldenfalle geraten und bei einer drohenden Insolvenz andere noch mit hineinziehen", so Eschner, der in Krostitz eine Fahrschule betreibt.
Zur Erinnerung: die Verkehrswacht Delitzsch gestaltete in der Vergangenheit unter anderem den Tag der Vereine mit, baute für Kinder die Fahrrad-Geschicklichkeitsstrecke auf, trainierte mit ihnen das Verhalten an Bushaltestellen einschließlich des Ein- und Aussteigens oder verteilte an die Abc-Schützen zum Schulanfang gelbe Mützen des ADAC, damit sie von Kraftfahrern auf dem Weg von und zur Schule gut zusehen sind. "Letztere Aktion schlief ein, weil sich der ADAC zurückzog", bedauert Eschner.
Zwölf Mitglieder zählte der Verein, der sich im Altkreis Delitzsch von Eilenburg und Bad Düben bis Taucha und Schkeuditz um die Verkehrserziehung kümmerte, zuletzt. Unter ihnen ehemalige Polizisten, Soldaten oder Vertreter der Dekra. "Uns sind sämtlichen Sponsoren weggebrochen", berichtet Eschner der Kreiszeitung. Und seit die Landesverkehrswacht selbst in Insolvenzgefahr geraten war, sei die Unterstützung von dort immer geringer geworden. "Wir haben noch versucht mit dem Verkauf unseres Nissans und des Gurtschlittens sowie anderer nicht unbedingt benötigter Dinge, uns zu retten", so Eschner weiter. Letztlich hätte der Verein aber selbst die Betriebskosten, die in der ehemaligen Westschule in der Straße der Freundschaft anfallen nicht mehr decken können.
Wer sich nun um die Verkehrserziehung in der Region kümmert, sei noch nicht ganz klar. "Der Bedarf in Kindereinrichtungen und Schulen ist aber ungebrochen", erklärt Eschner. Die Verkehrswacht Torgau will den Bereich Eilenburg und Bad Düben abdecken. Delitzsch und der Westteil des Altkreises hänge derzeit aber noch in der Luft. Nicht gefährdet ist die Fahrradausbildung für Kinder, die weiter in Regie der Polizei für die Grundschulen durchgeführt wird.