17. Januar 2012 Karin Rieck (Leipziger Volkszeitung)

Viel Wind um große Propeller-Türme

Nach Kampf gegen Schweinemast formiert sich in Zschepplin auch Widerstand gegen neuerliche Windkraft-Projekte


Krippehna. Der Widerstand vieler Bürger und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen Schadstoffe, Gestank, überflüssige Gülle und Tierquälerei in einer geplanten Schweinemastanlage nahe Krippehna ist noch nicht ausgestanden. Da interessieren sich Windkraft-Investoren für Standorte im Umfeld des Dorfes der Gemeinde Zschepplin. Der BUND: "Um mit ähnlich profitgierigem Projekt die Menschen in ihrer Lebensqualität massiv zu beeinträchtigen". Auch dagegen formiert sich Widerstand.
Dem BUND liegen Unterlagen vor, nach denen ein Unternehmen aus Freiberg im Bereich Krippehna, Steubeln, Rödgen und Naundorf einen Windpark mit Anlagen der 3-Megawatt-Klasse - die Umweltschützer als "landschaftsbildzerstörende Monster mit einer Gesamthöhe von 150 bis 200 Metern" bezeichnen, errichten möchte. Die Propeller-Türme seien zudem viel zu dicht an Wohnbauten geplant. Die Folge: Blendeffekte, Geräuschbelästigungen vor allem in der Nacht und krank machender Infraschall, ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die Tierwelt in einer sensiblen Region, in der nach europäischem Recht streng geschützte Arten leben.
Erst vor kurzem, so der sächsische BUND-Vorsitzende Hans-Udo Weiland, hätte die Staatsregierung verkündet, dass in Sachsen keine neuen Windparks ausgewiesen werden sollen, dass lediglich bei bestehenden Anlagen ein sogenanntes Repowering, eine Aufrüstung auf höhere Leistungen, möglich wäre. Der Freiberger Investor wolle aber nach eigener Darstellung offensichtlich Einfluss auf den Regionalen Planungsverband Westsachsen nehmen, bei dem zurzeit eine Teilfortschreibung "Erneuerbare Energien und Energieversorgung" des Regionalplanes Westsachsen von 2008 in Arbeit ist. Deshalb wurden zunächst einmal Eigentümer von infrage kommenden Flächen angeschrieben und ihnen ein auf den ersten Blick lukratives Pachtangebot gemacht. Der BUND habe sogar Hinweise darauf, dass Eigentümern, die keinen Vertrag eingehen möchten, gar mit einer Enteignung der benötigten Flächen gedroht werde.
Deshalb bietet Weiland Betroffenen, die sich gegen solche Angebote zu Wehr setzen wollen, Unterstützung an. Der BUND-Chef: "Die Bevölkerung in der Region ist außerdem bereits jetzt dazu aufgerufen, sich an einer in Kürze geplanten Unterschriftenaktion gegen den Windpark zu beteiligen und auch diesen, wie vor Jahren bereits den in Rödgen an der Gemeindegrenze zu Eilenburg, zu verhindern."
Der Gemeinderat Zschepplin hat das Thema Windpark Krippehna in seiner nächsten Beratung am 31. Januar auf der Tagesordnung, war von Bürgermeisterin Roswitha Berkes (parteilos) zu erfahren. Zu diesem Termin wolle sich ein Investor aus Machern, der zuerst eine Anfrage startete, mit seinem Projekt vorstellen. Im Flächennutzungsplan der Gemeinde seien Standorte für einen Windpark im beschriebenen Raum bisher nicht vorgesehen. "Aber die Räte sollten über die Pläne von Investoren informiert sein und dazu ihre Meinung sagen können", so das Gemeindeoberhaupt.
Im Zuge der Fortschreibung des Regionalplanes sei es durchaus üblich, dass Investoren mit eigenem unternehmerischen Risiko eine Vielzahl von Aktivitäten entwickeln, um sich perspektivisch Standorte zu sichern, so Manfred Friedrich vom Regionalplanungsverband Leipzig-Westsachsen. Auf der Homepage des Verbandes wird im Internet die Teilfortschreibung des Planteils Erneuerbare Energien ausführlich beschrieben, weil es inzwischen eine Fülle von Nachfragen gibt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei aber noch völlig offen, wo weitere anteilige Flächen für die Windenergienutzung ausgewiesen werden. Mit der öffentlichen Beteiligung am Verfahren sei erst im nächsten Jahr zu rechnen.
iNähere Informationen erhalten betroffene Bürger unter weiland@bund-sachsen.de.