Was lange währt, wird endlich gut. Unter diesem Motto betrachtet Kees Woltering den umstrittenen Bau des Factory Outlet Centers in Wiedemar. "Wir haben zwar durch den Widerstand der Stadt Leipzig zwei Jahre verloren", sagte gestern der Vorstandsvorsitzende des holländischen Investors Stable International. Dennoch "haben wir die Nase vorn", spielte der Niederländer darauf an, dass im 15 Kilometer entfernten Brehna (Sachsen-Anhalt) ebenfalls ein solches Center entstehen soll, in dem Modefirmen nicht mehr aktuelle Markentextilien, Schuhe, Lederwaren und Accessoires verkaufen.
Doch in Brehna muss ein bestehendes Einkaufscenter umfangreich umgebaut werden. In Wiedemar dagegen hat Stable International nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Leipzig vom Dezember nun grünes Licht für den Neubau im dortigen Gewerbegebiet. Und das geht, darauf setzt zumindest Woltering, eben schneller als ein Umbau.
Im Frühjahr sollen die Arbeiten starten, ein Jahr später ist die Eröffnung geplant. Es werden auf einer Fläche von 13000 Quadratmetern Platz für die Läden von 60 Modeherstellern geschaffen werden. Für 60 Prozent der Fläche gibt es nach Wolterings Angaben bereits Mietverträge, einer davon wurde mit Bruno Banani abgeschlossen. Weitere Namen nannte der Manager nicht. Mittelfristig sollen in dem Center 500 Menschen beschäftigt werden.
Widerstand gegen das Center kam vor allem aus Leipzig. Die Stadt zog viele juristische Register, was letztlich zur Zeitverzögerung führte. Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD) hatte den Widerstand damit begründet, dass Kaufkraft aus der Leipziger Innenstadt abgezogen würde. Zudem bekenne sich der Landesentwicklungsplan Sachsen eindeutig zur Konzentration des Einzelhandels in integrierten Lagen, also in großen Städten und nicht auf der grünen Wiese.
Vor dem Verwaltungsgericht zog die Stadt nun den Kürzeren. Ob Leipzig vor das Oberwaltungsgericht Bautzen ziehen wird, steht noch nicht fest, ist aber eher unwahrscheinlich. "Wir schauen uns genau die schriftliche Urteilsbegründung an. Wenn das Urteil klar formuliert ist, werden wir wohl nicht in Revision gehen", hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) im LVZ-Interview angekündigt. Das veranlasste Woltering, auf die Stadt zuzugehen: "Wir sind zur Zusammenarbeit mit Leipzig bereit." Ein erster Schritt dürfte sein, dass die Stadtfirma Puul bei der Personalsuche helfen soll.
Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) betonte bei dieser friedlichen Stimmung, wie gut die Zusammenarbeit zwischen ihm und Jung sei. Der Streit um das Center hätte dem "nicht geschadet". Wohl aber die beabsichtigte gemeinsame Wirtschaftsförderungsgesellschaft zwischen der Stadt und den Kreisen Nordsachsen und Leipzig gefährdet. Was noch nicht ganz vom Tisch ist. "Wenn Leipzig weiter klagt", drohte Czupalla unverhohlen, "dann würde bei mir ein großes Nachdenken einsetzen, was das für die gemeinsame Wirtschaftsförderung bedeutet."
Wiedemars Bürgermeisterin Karin Bödemann (CDU) sprach von einem "ganz großen Schritt für die Region", der von dem Gewerbegebiet an der Autobahn 9 ausgehe. Es ist übrigens das erste nach der Wiedervereinigung ausgewiesene Gewerbegebiet in Sachsen.