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Sebastian Stöber (Torgauer Zeitung)

Kreisräte hatten viel Zeit zum Essen

Während bei vorhergehenden Sitzungen nicht mal Zeit gewesen wäre, die Würstchen auf den Grill zu legen, bevor Landrat Czupalla die Schlussformel in den Plenarsaal schmetterte, bekam die Standbesatzung im Schlosshof diesmal rätlichen Besuch im Halbstunden-Takt.

Torgau (TZ). Die Kreistagssitzung am vergangenen Mittwoch hatte einen großen Gewinner: Herrn Käthe. Das unter diesem Namen im Zentrum der Kreisstadt kredenzende Gastronomie-Unternehmen war für die Versorgung der Kreis-Politiker mit Ess- und Trinkbarem zuständig.

Während bei vorhergehenden Sitzungen nicht mal Zeit gewesen wäre, die Würstchen auf den Grill zu legen, bevor Landrat Czupalla die Schlussformel in den Plenarsaal schmetterte, bekam die Standbesatzung im Schlosshof diesmal rätlichen Besuch im Halbstunden-Takt. Dafür gab es genau eine Handvoll Gründe. Weil zuletzt zwei Räte ausgeschieden waren, mussten die fünf Ausschüsse, denen sie angehörten, neu befüllt werden. In den turbulenten Anfangszeiten des Kreistags Nordsachsen war für die Ausschusswahl allerdings ein Verfahren zum Einsatz gekommen, das die Nachnominierung einzelner Mitglieder nicht zulässt, sondern eine komplette Neuwahl der Ausschüsse erfordert.

Die NPD, die durch diesen Verfahrensweg null Chance auf Wahl in die Ausschüsse hat und deswegen auch weiter Anwälte bemüht, fand hier jedoch einen Weg, sich nachhaltig in die Tagesplanung der übrigen Räte einzumischen. In Hoffnung auf skandalträchtige Stimmen aus anderen Fraktionen beantragten die Rechtsextremen Mal für Mal geheime Abstimmung und setzten damit das aufwendige und zeitraubende Prozedere in Gang: Stimmzettel anfertigen und ausdrucken, Wahlkommission einsetzen, Räte wählen lassen, Wahlzettel auszählen. Die aus allen Teilen des Bananenkreises herbeigeeilten Räte nahmen das Ganze weitgehend mit Humor und machten das Beste daraus. Da der illustre Kreis in Gänze höchstens bei Landrats-Geburtstagen oder Neujahrsempfängen zusammenkommt, nutzten viele die Zeit zum Gedanken- und Meinungsaustausch.

Da wirkten die gelegentlichen Unterbrechungen zur Bekanntgabe der Wahlergebnisse beinahe schon als störende Unterbrechungen. Unter dem Strich wurden freilich alle Kandidaten gewählt, die die Kreisverwaltung vorgeschlagen hatte.
Einen kleinen Wahl-Skandal gab es schließlich dennoch. Zumindest aus Sicht der NPD. Deren Kandidat für den Kreisausschuss bekam nur drei Stimmen von vier Räten der Partei.


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