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LVZ, Delitzsch-Eilenburg

Alarmstufe Rot bei Feuerwehr-Ausbildung

Offener Brief an Ministerpräsidenten: Freiwilligen Feuerwehren in Nordsachsen fehlen die Führungslehrgänge / Wartezeiten für Kurse werden immer länger

Nordsachsen/Delitzsch. Der Kreisfeuerwehrverband Delitzsch schlägt Alarm: Den Freiwilligen Feuerwehren fehlen die Führungskräfte-Ausbildungen. Teilweise warten Kameraden seit mehreren Jahren auf einen entsprechenden Lehrgang – ob zum Gruppen-, Zug-, Verbandsführer oder Wehrleiter. Die Lehrgänge sind für die Feuerwehren jedoch essenziell. „Ohne Führungskräfte kein Einsatz“, spitzt Ralf Osthoff, stellvertretender Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes Delitzsch, zu. „Sie beurteilen die Gefahrensituation, verteilen am Einsatzort die Aufgaben und kommunizieren mit Polizei und Rettungsleitstelle.“ Glücklicherweise habe man noch einige ältere Jahrgänge, die diese Qualifikationen vorweisen könnten. Im Hinblick auf den Generationenwechsel fehle es aber definitiv an Führungskräftenachwuchs.

Das große Problem: Mannschaftsgradausbildungen können die Freiwilligen Feuerwehren in ihrem Kreis auch selbst durchführen, Führungsausbildungen dagegen sind an der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen in Nardt bei Hoyerswerda zu absolvieren. Doch zum einen sind die räumlichen und personellen Kapazitäten dort begrenzt und zum anderen müssen sich die Freiwilligen Feuerwehren die vorhandenen Plätze mit den Berufsfeuerwehren teilen, die in Nardt ihre mehrmonatige Grundausbildung zum Brandmeister durchführen. Die Folge: Bei den Freiwilligen Feuerwehren stauen sich die Führungsausbildungen, die Wartezeiten werden immer länger – und das, obwohl laut Feuerwehrdienstvorschrift die entsprechende Qualifikation bereits beim Antritt des Amtes vorhanden sein muss.

Mit einem Offenen Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) hat der Kreisfeuerwehrverband der angespannten Lage Nachdruck verliehen. Als zentraler Punkt wird in dem Schreiben gefordert, dass die Grundausbildung der Berufsfeuerwehren für mindestens ein Jahr an die Berufsfeuerwehrstandorte Leipzig, Dresden und Chemnitz verlagert und in Eigenregie durchgeführt werden soll. Dadurch würden für die Führungslehrgänge der Freiwilligen Feuerwehren Kapazitäten geschaffen, um den Ausbildungsstau zumindest abbauen zu können.

„Das ist schwierig, aber machbar“, bekräftigt Osthoff die Forderung. Es sei vor allem eine Kostenfrage, da die Ausbildung am eigenen Standort von der Kommune selbst bezahlt werden müsse. Doch die Berufsfeuerwehren in Leipzig und Dresden hätten ihre generelle Bereitschaft erklärt. „Wir drängen uns nicht danach, sehen aber die Notwendigkeit und wollen etwas für unsere Freiwilligen Feuerwehren tun“, erklärte beispielsweise der Leiter der Dresdner Berufsfeuerwehr, Andreas Rümpel. Das Angebot sei aber nur als Übergangslösung gedacht. Da die Ausbildung an der Landesfeuerwehrschule in Nardt kostenfrei ist, fordern die Berufsfeuerwehren beziehungsweise Kommunen zudem einen finanziellen Ausgleich, wenn sie ihre Leute am eigenen Standort ausbilden. Ein entsprechender Vorschlag Rümpels liegt dem sächsischen Innenministerium vor.

Und es gibt weitere Hoffnungsschimmer: Um dem Problem der geringen Lehrgangskapazitäten in Nardt Abhilfe zu schaffen, wird die Landesfeuerwehrschule ausgebaut. Da der Ausbau ein langfristiges Projekt ist, können die Früchte allerdings erst in den kommenden Jahren geerntet werden. Für die Freiwilligen Feuerwehren ist Nardt also weiterhin ein „Riesenproblem“. Und Corona hat die Situation durch den Wegfall von Lehrgängen weiter verschärft.

Vom Antwortschreiben aus dem Innenministerium zeigte sich der Kreisfeuerwehrverband daher enttäuscht. „Wir wurden mit lapidaren Antworten abgespeist. Es wurden weder Lösungen aufgezeigt, noch wurde gesagt: Wir kümmern uns um das Problem“, resümiert Osthoff. Der Ausbau der Landesfeuerwehrschule sei zwar ein Anfang, die zusätzlichen Lehrgangsplätze würden aber längst nicht ausreichen.

Bezüglich der Forderung, die Grundausbildung der Berufsfeuerwehren auszulagern, teilte das Ministerium mit, dass diese Möglichkeit bereits seit neun Jahren bestehe. Aufgrund der Kostenfrage und dem nötigen Fachpersonal habe es bis auf zwei Pilotprojekte bislang aber keine größeren Schritte gegeben. Um übergangsweise dennoch Ausbildungen durchführen zu können, bietet die Landesfeuerwehrschule mittlerweile den vierten Gruppenführer-Lehrgang in Online-Form an. Für Osthoff ist dies jedoch Augenwischerei. „Die Lehrgänge sind noch nicht beendet, weil der Praxisteil fehlt. Und der muss in Nardt durchgeführt werden, weil dort Ortslagen nachgestellt werden können.“


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