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LVZ, Delitzsch-Eilenburg, N. Wendt

„Aus blumigen Versprechungen wurde ein Akt der Bürokratie“

Nach dem Dürre-Sommer: Bauernverbandschef Ehrhard Neubauer über Nothilfen, Staubfelder und ratlose Landwirte

Nordsachsen. Über die aktuelle Situation in der Landwirtschaft nach dem Dürre-Sommer sprachen wir mit Ehrhard Neubauer, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Torgau.

Nachdem die Dürre-Nothilfe vom Bund beschlossen wurde, hört man jetzt kaum noch etwas über die Probleme in der Landwirtschaft. Haben die Bauern Geld bekommen?

Tatsächlich ist noch kein einziger Cent geflossen. Die Formalitäten zur Antragstellung sollen erst am 20. September in der Bund-Länder-Beratung beschlossen werden. Anschließend sind die Durchführungs-Bestimmungen noch einmal in Sachsen zu beschließen, so dass mit einer Antragstellung nicht vor dem 15. Oktober zu rechnen ist. Wir können froh sein, wenn überhaupt noch in diesem Jahr Geld kommt. Alle anderen Erwartungen sind Illusion. Denn die Prüfung braucht ebenfalls ihre Zeit.

Halten die Betriebe so lange durch?

Das Problem wird für viele Unternehmen sehr kritisch. Die Anfragen und Telefonate bei uns im Verband häufen sich. Entgegen der blumigen Versprechungen, es gibt schnelle Hilfe, ist nun doch ein großer Akt der Bürokratie entstanden, der die Bauern in riesige Bedrängnis bringt. In dem Moment, als die Bundesregierung 350 Millionen Euro zusagte, mussten alle Förderprogramme neu koordiniert werden. Auch die sächsischen Kriterien waren nicht mehr relevant. Daher die Verzögerung.

Wie viele Betriebe in unserer Region sind auf die Nothilfe angewiesen?

Ein großes Problem besteht in der Festlegung der Kriterien. Den relevanten Ausfall von 30 Prozent haben viele Betriebe. Schwer wird es aber in den tierhaltenden Unternehmen, die 30 Prozent nachzuweisen. Denn dort kommt der Hauptteil der Erlöse von Milch und Schweinen. Diese Betriebe brauchen dringend Unterstützung beim Futterzukauf oder bei Mehrkosten, sonst wäre das für sie sehr schlimm.

Aber diese Betriebe bauen doch sicher auch Getreide und Futter an, oder?

Ja, aber wenn zum Beispiel 50 Prozent der Erlöse aus der Milch kommen und 50 Prozent aus dem Ackerbau reichen die Ausfälle in der Gesamtsumme nicht, um die nötige Schwelle von 30 Prozent zu erreichen.

Der Chef der Elbeland AG Neiden meinte, dass sein Betrieb gar nicht so extrem von der Dürre betroffen sei, was die Erträge anbetrifft. Wie kommt das?

Die Lage ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Wer im Mai die 40 Liter Regen pro Quadratmeter abbekommen hat, steht bei guten Böden etwas besser da. Dann hat sich für viele Bauern die Situation noch verschärft durch die Extremausfälle bei Mais und Zuckerrüben. Bei Zuckerrüben sind bis zu 70 Prozent Ausfälle möglich, einige Flächen sind gar nicht zu ernten. Neiden hat zum Beispiel keine Zuckerrüben.

Gibt es keinen regionalen Hilfefonds, auf den die Bauern zurückgreifen könnten?

Nein. Wir haben zwar im Internet eine Art Futtermittelbörse eingerichtet. Aber hier hat niemand etwas abzugeben. Alle sind betroffen. Man muss schon bis in das Erzgebirge oder bis nach Bayern schauen, wo es mehr Niederschläge gab.

Also ist die Lage schlimmer als im Dürre-Jahr 2003?

Ja, wesentlich schlimmer. Wir haben eigentlich seit April eine anhaltende Trockenheit. 2003 entspannte sich dagegen die Situation im August und im September wieder etwas. Und das größte Problem kommt noch mit dem nächsten Jahr.

Wieso?

Die Felder sind wie Staub. Da geht keine Saat auf. Die Herbstbestellung läuft mit angezogener Handbremse. Wenn hier keine grundlegende Wetteränderung kommt, droht eine richtige Katastrophe. Zwei Drittel bis drei Viertel der Felder werden im Herbst bestellt. Viele Landwirte wissen gar nicht, ob es derzeit überhaupt Sinn macht. Die Rapsbestellung lief nur zu 50 Prozent. Jetzt wäre eigentlich die Gerste dran. Es herrscht Ratlosigkeit. Die Berufskollegen fragen sich untereinander: Was machst du? Niemand hat eine Antwort. Das ist wesentlich schlimmer als 2003. Jetzt wäre der Grundstein für die Ernte 2019 zu legen. Aber bei dieser Dürre wächst nichts.

Interview: Nico Wendt


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