Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

LVZ, Delitzsch-Eilenburg

Aus für Wohnprojekt in Eilenburg – Diakonie betreut künftig Geflüchtete

Foto: K. Rieck

Brief informierte Betroffene über Ende des Projekts / Sie haben sich teils nicht ausreichend begleitet gefühlt

Eilenburg. Die Asylbewerber in den Wohneinheiten am Nordring 52 und 54 sowie in der Windmühlenstraße 6 bis 12 in Eilenburg werden künftig nicht mehr durch die Riesaer Wohnheimbetriebsgesellschaft Eilenburg GmbH betreut. Zum 30. Juni stellte der Betreiber seine Tätigkeit ein und übergab die Wohneinheiten zurück ans Landratsamt. Für die Bewohner kam die Entscheidung plötzlich: Über einen Brief wurden sie über das Ende des Wohnprojekts unterrichtet. Der LVZ liegt das Schreiben vor, es ist auf den 28. Juni datiert. Mit der Übergabe endete die soziale Betreuung vor Ort, auch der Sicherheitsdienst stellte seine Tätigkeit zum ersten Juli ein.

Das Ende des Wohnprojekts begründet das Landratsamt Nordsachsen mit der gesunkenen Auslastung. Der Landkreis reagiere auf die seit 2016 sinkenden Zuwanderungszahlen, heißt es in einer Stellungnahme von Christian Nieling, dem kommissarischen Leiter des Amtes für Migration. Ursprünglich sei man von einer Planbelegung von 250 Menschen ausgegangen, die bereits auf eine Maximalbelegung von 175 reduziert worden sei.

Dass zuletzt nur noch etwa 100 Bewohner an den Standorten Nordring und Windmühlenstraße lebten, habe zur einvernehmlichen Auflösung des Betreibervertrags geführt. Von den 48 Wohneinheiten seien vom Landkreis 33 über ortsübliche Mietverträge übernommen worden. Von diesen würden momentan 29 bewohnt. Den für das Wohnprojekt zuständigen Sozialarbeitern kündigte der ehemalige Betreiber, die Bewohner wurden aufgefordert, sich bei Problemen ans Landratsamt oder „hilfsweise“ an die Diakonie in Eilenburg zu wenden.

Tun sie das, landen sie bei Stefan Krippendorf. Er ist der Flüchtlingssozialarbeiter der Diakonie in Eilenburg und kümmert sich um die Belange Geflüchteter die dezentral, sprich, in eigenen Wohnungen untergebracht sind. Momentan betreut er so 69 Menschen. Ob er dazu noch die restlichen Bewohner des Nordrings übernehmen würde, habe ihn ein Mitarbeiter des Landratsamts erst nach Beendigung des Projekts Anfang Juli gefragt. Eine Fallübergabe fand dabei nicht statt, auch ein detaillierter Überblick über alle Personen, die Betreuung benötigen, fehlt Krippendorf noch. „Bei vielen Leuten fange ich bei null an – ich kenne ihre Hintergrundgeschichte nicht“, sagt er. Mit anderen Bewohnern stehe er dagegen schon seit Monaten in Kontakt.

„Es ist öfter vorgekommen, dass sich Menschen im Wohnprojekt nicht ausreichend betreut gefühlt haben und dann zu mir kamen“, sagt der Flüchtlingssozialarbeiter. Einige Geflüchtete hätten ihm erzählt, ihnen sei mit Aussagen wie „Lern erst mal Respekt“ oder „Hier wird Deutsch gesprochen“ Hilfe verweigert worden. „Natürlich gab es auch Kollegen, die sich sehr eingesetzt haben. Da darf man bei weitem nicht alle über einen Kamm scheren“, relativiert Krippendorf. Generell kritisiert er aber die Einstellungspraxis des Betreibers während des Bestehens des Wohnprojekts. So seien zu oft unerfahrene Mitarbeiter eingestellt worden, statt ausgebildeter Sozialarbeiter. Zudem habe es durch häufigen Wechsel keinen beständigen Ansprechpartner gegeben. Die Riesaer Wohnheimbetriebsgesellschaft antwortet „aus vertragsrechtlichen Gründen“ nicht auf Anfragen.

Für die Menschen am Nordring könnte die neue Regelung eine Verbesserung bedeuten. Krippendorf selbst geht davon aus, die zusätzlichen Fälle bewältigen zu können. „Es ist aber auch klar, dass ich an anderer Stelle dann nicht mehr so viel leisten kann“, sagt er und bezieht sich dabei auf jene Menschen, deren Asylstatus bereits anerkannt wurde. Diese würden zwar offiziell in den Aufgabenbereich des Jobcenters fallen, dieses leiste aber in der Realität – etwa bei Übersetzungsfragen und dem Ausfüllen schwieriger Formulare – nur wenig Hilfestellung.


Schön, dass Sie hier sind! Wenn Sie Fragen haben oder uns  besser kennenlernen möchten: Sprechen Sie uns an: per Email unter kontakt@linksfraktion-nordsachsen.de oder persönlich jeden Dienstag im LINKS.Punkt, Breite Straße 9 in Eilenburg. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und laden Sie herzlich ein, bei uns mitzuwirken.

Unsere überarbeitete Datenschutzerklärung finden Sie hier.