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Thüringische Landeszeitung; G. Sommer

"Das ist außerordentlich überraschend gekommen"

13 : 18 Querformat

Michael Friedrich wechselte vom Lehrstuhl in die Politik. Vor 30 Jahren zog er für die PDS in die Volkskammer ein und blieb später bis 2009 sächsischer Landtagsabgeordneter.

Michael Friedrich ist gebürtiger Weimarer: 1951 kommt er dort zur Welt. Sein Vater stammt aus Rudolstadt und ist Dozent an der Fachschule für Landwirtschaft, die Mutter stammt aus dem Sächsischen. Friedrich bleibt bis zum Einser-Abitur an der EOS Friedrich Schiller in Weimar.

Zum Mathematik-Studium bricht der junge Friedrich nicht etwa nach Jena auf. Er will weit weg und ist von 1969 bis 1974 an der Universität in Rostow am Don. Deshalb kommt er auch nicht gleich zur NVA und muss später nur kurz bei der Armee dienen. Bis 1979 ist Friedrich noch an der damaligen Karl-Marx-Universität in Leipzig und gehört sowohl im Bereich Naturwissenschaften wie Politik als promovierter Doppel-Doktor der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften in Potsdam-Babelsberg an. An deren Institutsableger in Leipzig macht er als Staatsrechtler weitere berufliche Schritte und ist zuletzt Lehrstuhlleiter.

In die SED tritt er während seiner Leipziger Zeit 1977 ein. "Ich war schlichtes einfaches Mitglied", sagt er. 1989/90 aber ändert sich alles für ihn und seine Genossen: Die SED mit ihrem Führungsanspruch hat ausgedient. Viele verlassen enttäuscht die Partei. Friedrich kehrt der SED auf dem Weg zur PDS dagegen nicht den Rücken, sondern wechselt vom Lehrstuhl ins Parlament: Als "Unbelasteter" sein er gefragt worden, ob er kandidieren will. "Das ist außerordentlich überraschend gekommen. Ich habe mich nie im Leben gedrängt, in die große Politik zu gehen." Als Motivation nennt er den "sozialen Ansatz". Er will mitwirken, damit die Demokratie eine Chance hat. "Erst dachte ich, das ist ehrenamtlich. De facto aber wurde es schnell ein Fulltime-Job", hebt Friedrich hervor.

Er wird Volkskammerabgeordneter der PDS, aufgestellt im Bezirk Leipzig. Das Wahlergebnis - immerhin 16,4 Prozent der Stimmen bei 93,4 Prozent Wahlbeteiligung - habe ihn damals positiv überrascht. "Wir waren also durchaus nicht die schwächste Fraktion", hebt er hervor. "Das große Projekt war die Verfassung, die der Runde Tisch ausgearbeitet hatte." Den schnellen Anschluss nach Artikel 23 will Friedrich nicht. "Mein Ideal war immer das Zusammengehen nach Artikel 146", sagt er. Und so sieht das damals auch seine Partei. "Das haben wir so eingebracht und verteidigt", sagt Friedrich und verweist auf Reden, die er dazu gehalten hat. Die Mehrheit aber will den anderen Weg gehen - den schnellereren und den sichereren in der sich rasch ändernden Weltlage damals.

Im Herbst 1990 wird Friedrich in den Bundestag delegiert; doch er wechselt in die Landespolitik: Bis 2009 gehört der Mann, der in Löbnitz lebt, dem dortigen Landtag an. Innenpolitik und Kommunalpolitik werden zu seinen Fachthemen. "Nach vier Wahlperioden dachte ich: Jetzt reicht´s auch mal", verweist er darauf, dass sein Abgang selbstbestimmt war. "Ich bin aber immer noch Fraktionschef im Kreistag Nordsachsen", betont Friedrich. "Wir hatten eine Gebietsreform. Thüringen hat das ja nicht hingekriegt. Wir schon." Torgau ist jetzt Kreisstadt, früher war es Delitzsch. Auch im Gemeinderat und als Schöffe am Landgericht ist Friedrich, der nächstes Jahr 70 wird, noch aktiv. "Ich habe genug zu tun, sagt der sechsfache Großvater. Und wenn es nach Corona wieder möglich ist, kommt er gerne nach Thüringen. "Die Bekannten und engeren Verwandten sind alle da - in Erfurt, Gotha, Weimar, Eisenach, Jena ..." Friedrich fügt lachend an: "Thüringen ist ja kein Ausland. Vielleicht werden wir mal ein einheitliches Bundesland. Das wäre gar nicht so absonderlich."


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