Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

LVZ, Delitzsch-Eilenburg, H. Gerwig

„Die zusätzliche Arbeit geht zu Lasten anderer Menschen“

Eilenburgs Flüchtlingssozialarbeiter wünscht sich Sozialberatungsstelle für Eilenburg

Eilenburg. Als Flüchtlingssozialarbeiter der Diakonie in Eilenburg ist Stefan Krippendorf für Geflüchtete zuständig, die dezentral, also in eigenen Wohnungen, untergebracht sind. Zu den 69 Menschen, die er bisher betreut hat, sind nach dem Ende des Wohnprojekts am Nordring und in der Windmühlenstraße noch einmal knapp 100 dazu gekommen. Was das für seine Arbeit bedeutet, erzählt Krippendorf im Interview. Wir treffen ihn in seinem Büro in der Dr.-Belian-Straße. Mit dabei: Krippendorfs Kollege Torsten Pötzsch, der für die Jugendarbeit zuständig ist.

Krippendorf: Theoretisch sollte das Jobcenter helfen, Anträge auszufüllen. Hab ich aber noch nie erlebt. Die Leute werden oft weggeschickt. Und dann gibt es ja noch die Alltagsprobleme. Die Leute haben Vertrauen zu uns, können auch über Privates sprechen. Einige leiden noch unter unter unverarbeiteten Traumata – einen kontinuierlichen Ansprechpartner zu haben ist da unheimlich wichtig.

Pötzsch: Der gesamte Betreuungsbedarf, den Stefan schon für geflüchtete Menschen beschrieben hat, der löst sich ja nicht mit der Erlangung eines Aufenthaltsstatus auf. Deshalb sind komplizierte Anträge immer noch genau so unverständlich wie vorher – ob ich nun Asylbewerberleistungen beziehe, oder Arbeitslosengeld, ist da völlig unerheblich. Und gerade im Leistungsbezug gibt es einige Kniffe – das kenne ich ja aus der Jugendberatung. Bei mir kommen da andere Irrläufer an, die ich dann wegschicken muss. Erwachsene darf ich streng genommen nicht betreuen.

Krippendorf: Wir wünschen uns schon seit geraumer Zeit eine Sozialberatung in Eilenburg. Eine Stelle, die in ihrer Beratungsleistung nicht auf eine bestimmte Gruppe festgelegt ist, sondern die für alle zugänglich ist und bei Bedarf an Fachstellen weiterverweist. Denn wenn wir nur noch die betreuen, für die wir nach den Förderrichtlinien auch zuständig sind, fallen viele Menschen hinten runter. Das gilt auch für andere Stellen. Ein Beispiel: Leute mit Geldproblemen können erst zu Schuldnerberatung, wenn es fast zu spät ist. Wir sind im Gespräch mit dem Landratsamt. Generell besteht da ein intensiver Austausch – aber bisher hat sich in Richtung Realisierung einer Sozialberatungsstelle nicht viel getan.

Herr Krippendorf, können Sie kurz beschreiben, welche Aufgaben hinter ihrer Tätigkeit als „Flüchtlingssozialarbeiter“ stecken?

Krippendorf: Die umfassen eigentlich die ganze Bandbreite der Arbeit mit Flüchtlingen, also, alle Lebensbereiche. Zum Beispiel Beratungen zum Aufenthaltsrecht, zur Unterbringung und auch zu sozialen Leistungen. Aber auch, wenn die Leute im Alltag Probleme haben, können sie zu mir kommen. Außerdem gehört es dazu, für Nachbarn und Anwohner ansprechbar zu sein und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Welche Auswirkungen hat es auf Ihre Arbeit, dass Sie nun noch die ehemaligen Bewohner des Eilenburger Wohnprojekts beraten?

Krippendorf: Na ja, man muss auch sehen, dass wir vor fünf Jahren noch 600 Leute betreut haben. Auch bei uns sind die Zahlen gesunken. Stand jetzt kümmern wir uns um knapp 60 Asylbewerber plus einige, die bereits den Asylstatus haben. Da wäre es von unserer Seite her Quatsch gewesen zu sagen, wir sind hier völlig überlastet und wir können die Leute nicht mehr mit aufnehmen. Aber die zusätzliche Arbeit mit Geflüchteten aus dem Wohnprojekt wird zu Lasten anderer Menschen gehen – das sind die, die vom Jobcenter betreut werden. Für die wird es schwierig. Wohin sie gehen? Keine Ahnung.


Schön, dass Sie hier sind! Wenn Sie Fragen haben oder uns  besser kennenlernen möchten: Sprechen Sie uns an: per Email unter kontakt@linksfraktion-nordsachsen.de oder persönlich jeden Dienstag im LINKS.Punkt, Breite Straße 9 in Eilenburg. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und laden Sie herzlich ein, bei uns mitzuwirken.

Unsere überarbeitete Datenschutzerklärung finden Sie hier.