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LVZ Delitzsch-Eilenburg

Drei Euro pro Fahrt – für viele ist das ein falsches Signal. Geteiltes Echo auf angekündigte Tarifänderungen beim MDV

Sie steht am Ticket-Automat am Leuschnerplatz und löst eine Fahrkarte für die Straßenbahn. Die Einzelfahrt soll ab 1. August 3 Euro kosten (bisher 2,70). „Das ist ja Wahnsinn“, sagt Eva Kühnert (70), die derzeit nicht so oft in die Straßenbahn steigt. „Wenn es wärmer wird, nutzen wir lieber das Fahrrad“, erzählt sie. Sie gehört zu jenen „Gelegenheitsfahrern“, die künftig mehr zur Kasse gebeten werden sollen. „Die Erhöhung ist kontraproduktiv. Schließlich sollen ja die Leute mehr mit öffentlichen Verkehrsmittel fahren.“

Auch Peter Brill (79) hat für die Erhöhung wenig Verständnis, obwohl er als Abo-Kunde keine Erhöhung befürchten muss. „Ich find es nicht gut“, sagt der Rentner, der Vielfahrer ist.

„Noch bin ich Studentin und nutze das Semesterticket. Da sind die Fahrpreise erschwinglich“, erzählt Corina Vierkorn (30), die mit ihrem Kind unterwegs ist. Doch bald sei sie mit dem Studium fertig. Daher werde sie sich überlegen, ob sie sich eine Abo-Karte holt oder lieber aufs Fahrrad umsteigt.

Etliche Politiker haben für die Erhöhung mehr Verständnis. „Mit drei Euro wird eine Schwelle überschritten, die nicht mehr gesund ist. Zufrieden bin ich damit nicht“, betont Franziska Riekewald (Linke). „Zumindest werden die Stammkunden, die Abos und die Abo-Flex-Karte nutzen, geschont.“ Eine Entlastung gebe es auch durch die Einführung des 365-Euro-Tickets für Leipziger unter 27 Jahren ab 2022. Allerdings: Das funktioniert nur, wenn es Bundesmittel dafür gibt.

„Ich freu mich, dass es so ein ausgewogener Vorschlag ist und die Stammkunden, die auch in der Corona-Pandemie der LVB die Treue gehalten haben, nicht stärker belastet werden“, sagt Kristina Weyh (Grüne). Sogar Preissenkungen für bestimmte Gruppen seien möglich. Gelegenheitsfahrer könnten das günstige Abo-Flex nutzen. Anja Feichtinger (SPD) ergänzt: „Es ist eine vertretbare Erhöhung.“ Die Politik müsse sich aber einsetzen, über Bund und Land den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu forcieren. „Die Kostensteigerungen müssen an die Kunden weitergegeben werden“, findet hingegen Sven Morlok (FDP): „Es kann nicht sein, dass höhere Kosten immer der Steuerzahler trägt.“ Schließlich gebe es Gehaltssteigerungen bei vielen Menschen.

 

Die CDU habe zwar damals für das Tarifmoratorium gestimmt, allerdings war klar, dass dies zeitlich befristet sei. „Wir wollen den Leipziger Verkehrsbetrieben keineswegs die Möglichkeit verwehren, Einnahmen zu generieren. Die Frage ist aber, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Erhöhung ist“, so CDU-Fraktionschef Frank Tornau. Es gebe andere Stellschrauben, an denen gedreht werden könnte.

„In Pandemie-Zeiten ist das ein völlig falsches Signal“, sagt Christian Kriegel (AfD). Durch die Änderungen werden ältere Menschen belastet, die gelegentlich Bus und Bahn nutzen. Wenn „die Oma künftig für sechs Euro zum Friedhof hin und zurück fahren“ muss, sei dies Abzocke. Zugleich lehne die AfD eine Einführung eines 365-Euro-Ticktes „durch die Hintertür ab“.

Kritik kommt von Tino Supplies vom Umweltbund Ökolöwe: „Die Erhöhung der Tickets auf satte drei Euro pro Fahrt ist ein fatales Signal für die Mobilitätswende. Es gibt nun noch weniger Gründe, in Bus und Bahn einzusteigen. Hier offenbart sich die versammelte Visionslosigkeit der Verantwortlichen in Stadt, Land und Bund.“


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