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LVZ, Delitzsch-Eilenburg

Endlager für Atommüll? Region Delitzsch sagt Nein

Einwohner sind sich einig: Ein Endlager für Atommüll gehört nicht in die Region Leipzig / Beteiligung an der Suche sehen die meisten skeptisch

Delitzsch/Leipzig. Für Manfred Wilde und Uwe Bernhardt ist die Sache klar. Der parteilose Delitzscher Oberbürgermeister und der Chef der Freien Wähler in Delitzsch sprechen sich deutlich gegen ein mögliches Endlager für Atommüll in der Region Leipzig aus. Der Amtsinhaber und sein Herausforderer für die Oberbürgermeisterwahl 2022 wollen ein breites Bündnis formieren und den Plänen früh entgegentreten. Doch wie sehen es die Bürger und Bürgerinnen, dass hochradioaktiver Abfall vor ihrer Haustür gelagert werden könnte?

Renate Holzapfel hält nichts von den Plänen. Nach der Meinung der Delitzscherin gibt es in der Region keine Kapazitäten für ein Endlager. Für ausgeschlossen, dass es am Ende dennoch hier angesiedelt wird, halte es die 90-Jährige aber nicht. Auch John Luca Juecks ist gegen ein Endlager in der Region. „Es macht die Umwelt kaputt und ist nicht abbaubar, sagt der 17-Jährige.

Die Suche nach einem möglichen Standort ist zweigeteilt. Während die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) aktuell Daten auswertet und in den kommenden Monaten geologische Erkundungen durchführen wird, will das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) die Öffentlichkeit beteiligen. Dafür gebe es die „Fachkonferenz Teilgebiete“, an der sich Bürger und Bürgerinnen, Vertreter von Kommunen, gesellschaftlicher Organisationen und der Wissenschaft beteiligen können, sagt Base-Sprecherin Lisa Ahlers. Der zweite Beratungstermin der Konferenz findet vom 10. bis 12. Juni online statt. Der dritte vom 5. bis 8. August. Nach den Beratungsterminen sollen alle Teilnehmenden eine Stellungnahme erarbeiten, die die BGE berücksichtigen muss, sagt Ahlers.

Bei den Menschen in der Region Leipzig-Delitzsch stößt die Möglichkeit der Beteiligung auf Skepsis. Für Renate Holzapfel kommt sie beispielsweise gar nicht infrage. „Wie soll ich mich mit meinem Alter beteiligen?“, fragt die Delitzscherin. Auch für John Luca Juecks wirft der Vorschlag vor allen Fragen auf: „Wo soll ich ein Endlager finden und welche Entscheidungskraft habe ich?“, fragt der 17-Jährige. „Ich werde mich nicht beteiligen“, erklärt Zafer Altunay klar. „Ich kann nicht sagen, bei mir soll es nicht gelagert werden, aber bei meinem Nachbarn. Diese Verantwortung möchte ich nicht haben.“

Etwas Fahrt nimmt Michael Friedrich aus der Angelegenheit. Der Vorsitzende der Linken im nordsächsischen Kreistag rät dazu, den Ball bei der Suche erst einmal flach zu halten. Bei den Untersuchungen der BGE gehe es vorerst allein um die prinzipielle geologische Geeignetheit von Flächen für ein solches Endlager, erklärt Friedrich. Die Betrachtung der bundesweit benannten 90 Teilgebiete auf gesellschaftliche und politische Akzeptanz, wirtschaftliche, ökologische und touristische Auswirkungen haben noch nicht einmal begonnen, sagt der Linken-Politiker. „Deshalb wurde bislang bei keinem dieser Teilgebiete irgendetwas ausgeschlossen.“

Klar sei, dass vernünftig gehandelt werden muss, sagt Friedrich. „Weder können die Atomabfälle in den Weltraum geschossen noch im Meer versenkt werden. Auch Sibirien scheidet aus.“ Es bleibe zu hoffen, dass der jetzt eingeleitete wissenschaftlich begleitete strukturierte Diskussions- und Entscheidungsprozess konsequent durchgehalten und der regionale Lobbyismus bundesweit begrenzt wird, sagt Friedrich. Kommentar

Bis 2031 soll ein sicherer Standort für atomare Abfälle gefunden werden, die sich in rund 1900 Behältern befinden. Bestandteil der Suche ist die Öffentlichkeitsbeteiligung. Die nächste Möglichkeit für die Bevölkerung ist im Juni: Von Donnerstag, 10. Juni, 16 Uhr, bis Samstag, 12. Juni, 18 Uhr, läuft die „Fachkonferenz Teilgebiete“. Anmeldung unter www.fachkonferenz-anmeldung.de und Infos unter www.endlagersuche-infoplattform.de


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