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Dr. Michael Friedrich

Enormes regionales Gefälle bei Bildungsgerechtigkeit ist bedenklich

Die Antwort von Landrat Emanuel auf meine Anfragen zum Stand und zur Umsetzung der Bildungsempfehlungen für weiterführende Schulen in unserem Landkreis wirft viele Fragen auf. Während in Sachsen für das Schuljahr 2019/2020 immerhin 48,5% der Schülerinnen und Schüler eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium und 51,5% eine für die Oberschule erhielten, lauten die entsprechenden Zahlen für unseren Landkreis nur 46,9% zu 52,4%.

Wie erklärt sich dieser deutliche Abstand zum sächsischen Durchschnitt?  Gar zur Stadt Leipzig, wo 51,5% eine Empfehlung fürs Gymnasium erhielten? Es kann ja wohl nicht sein, dass in Nordsachsen die Lehrerinnen und Lehrer so viel schlechter arbeiten als in Leipzig. Oder dass bei uns der durchschnittliche IQ so deutlich geringer ist.


Hier finden Sie die Anfrage und die Antwort.

 

Schaut man sich die gemeindekonkreten Zahlen genauer an, so wird die Differenzierung noch krasser. Während an der Grundschule Rackwitz mit 83,3% an Bildungsempfehlungen fürs Gymnasium der Spitzenwert des Landkreises erreicht wird, gefolgt von Löbnitz mit 72,2% und Delitzsch-Ost mit 65,4%, schmieren Delitzsch-Rosenweg mit 26,9%, Torgau-Nordwest mit 29,8% und Eilenburg-Belian mit 35,4% regelrecht ab. Die Zahlen der tatsächlichen Übergänge ans Gymnasium bzw. an die Oberschule, die erwartungsgemäß von den Empfehlungen etwas abweichen, bestätigen diesen Eindruck.

Diese enorme sozial-räumliche Ungleichheit bei Bildungschancen hat ganz offensichtlich auch soziale Ursachen. Die Chance, das Abitur abzulegen, ist für Schülerinnen und Schüler aus den relativ armen Stadtteilen der Mittelzentren und erst recht auf dem flachen Land ohne attraktive Verkehrsanbindung an gymnasiale Schulstandorte deutlich geringer als in den „besseren“ Wohngebieten der Städte und an den S-Bahn-Trassen. Wohl auch deshalb wird in diesen abgehängten Gebieten überproportional häufig die Oberschule gewählt, selbst bei vorliegender Bildungsempfehlung fürs Gymnasium.

Entsprechend dem erfolgreichen Volksantrag zur Gemeinschaftsschule sollten wir den Menschen vor Ort die Freiheit geben, aus ihren Schulen Gemeinschaftsschulen zu machen, so die Schulkonferenz dies beschließt. Dann könnten alle Kinder und Jugendlichen vor Ort so lange zusammenbleiben und zusammen lernen, wie sie es wünschen. Den immer lauter werdenden Klagen der mittelständischen Wirtschaft, dass ihr die Fachkräfte abhandenkommen, weil der Nachwuchs fehlt, würde Rechnung getragen. Die soziale Spaltung nach Klasse 4 muss aufhören!
 

Dr. Michael Friedrich

Fraktionsvorsitzender

 


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