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Christian Wendt (Torgauer Zeitung)

"Erinnerung ist eine Si­sy­phusarbeit"

Torgau gedachte am Freitag der Millionen Opfer der Nazi-Herrschaft

Torgau. Der Name der Großen Kreisstadt an der Elbe ist nicht nur mit dem Wirken Martin Luthers verbunden, das Torgau vor 500 Jahren zum glanzvollen, politischen Zentrum der Reformation hat werden lassen. „Hier, vor dem Fort Zinna stehen wir an einem Ort, mit dem der Name Torgaus ebenso verbunden ist“, mahnte Wolfgang Oleschinski, Leiter des Dokumentations- und Informationszentrums, am Freitag während der etwa einstündigen Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Stadt habe in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur eine herausgehobene Rolle im System der Wehrmachtsjustiz gespielt.

Nachdem schon am Vormittag am Denkmal der Begegnung der Millionen Opfer der Schreckensherrschaft gedacht wurde, ging es zum Mittag hinaus zur Erinnerungsstätte an der jetzigen Justizvollzugsanstalt. Vertreter von JVA, Stadtratsfraktionen, Schulen und Bürger waren der Einladung zahlreich gefolgt.
„Die Nazis hatten für die Soldaten der Wehrmacht ein eigenes Strafsystem mit eigenen Gerichten und eigenen Gefängnissen geschaffen. Das größte Wehrmachtsgefängnis, Fort Zinna, wurde damals neu errichtet“, erinnerte Oleschinski und verwies gleichzeitig auf wichtige Orte jenes besonderen Unterdrückungssystems, das drakonische Strafen bereithielt. Und genau zu diesem System habe das Reichskriegsgericht in der früheren Zietenkaserne (heute befindet sich dort das Wohngebiet Nordwest), die Erschießungsorte im nordöstlichen Wallgraben von Fort Zinna sowie in der früheren Süptitzer Kiesgrube vor dem Parkplatz des PEP Einkaufzentrums und das Wehrmachtsgefängnis Brückenkopf gezählt.

„Wer sich auf die Lebenszeugnisse sogenannter Wehrkraftzersetzer, Deserteure und Selbstverstümmler einlässt, wird schnell erkennen, dass in Krisenzeiten wie Diktatur oder Krieg, für stabil gehaltene Werteordnungen schnell zerfallen können und grundlegende Menschenrechte nicht mehr gelten“, warnte Oleschinski. Gerade in diesen Tagen müsse man mit Bestürzung vernehmen, dass Gedanken lautwerden, neue Mauern zu errichten und Folter zuzulassen – eine klare Anspielung auf Äußerungen des neuen US-Präsidenten.

Erinnerung ist nach Meinung des DIZ-Leiters eine Sisyphusarbeit, die immer wieder neu beginne. Olischinskis Rede endete mit einem erschreckenden Fakt: „Bis zum Kriegsende durchliefen etwa 70000 verurteilte Soldaten die beiden Torgauer Wehrmachtsgefängnisse. Diese unfreiwilligen Torgauer gehören auch zur Geschichte der Stadt.“

 

Der Leipziger Schauspieler Detlef Vitzthum las im Anschluss daran aus Erinnerungen zweier ehemaliger Torgauer Wehrmachthäftlinge. Dabei handelte es sich um Ludwig Baumann und Walter Holländer. Jene beklemmenden Erinnerungen können Sie, liebe Leser, können Sie im nebenstehenden Infokasten nachlesen.

Auch am Denkmal der Begegnung an der Elbe wurde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Dort hielt die Torgauer Ortsgruppe der Linken eine Gedenkveranstaltung ab. In seiner Rede bezog sich Mirko Schultze, Mitglied des sächsischen Landtags, nicht nur auf die Schrecken der Vergangenheit, sondern ließ auch seinen Blick in die Gegenwart streifen, in der der Bürger medial und tagtäglich mit dem Schrecken durch Krieg und Terror konfrontiert werde. Und auch das erneute Aufkommen des Rechtsextremismus in Deutschland sprach er an und rief dazu auf, diesem die Stirn zu bieten und diesem entgegenzutreten. „Wir sind nicht mehr das Land, vor dem man flieht. Wir sind, 72 Jahre nach Auschwitz, das Land, in das man flieht. Welch ein historischer Wandel, welch ein Vertrauensbeweis.“ Im Anschluss wurden Kränze und Blumen abgelegt.


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