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LVZ, Delitzsch-Eilenburg, K. Kabelitz

Familie Schäfer und die häusliche Gewalt – Hilfe holen ist richtig! Vorbeuge-Aktion könnte Dauerangebot werden / Netzwerk informiert über Zahlen und Ansprechpartner

Kennen Sie Familie Schäfer? Eigentlich ist sie die freundliche Familie von nebenan, die schöne Tage am Strand verbringt. Doch zu Hause gibt es oft Streit. Der Vater brüllt, schlägt die Mutter, seine Wut richtet sich auch gegen die Haustiere. Die Kinder leiden, fühlen sich hilflos. Bunte Bilder und einfache Worte setzen das Dilemma in einer Wander-Ausstellung des Rostocker Vereins „Frauen helfen Frauen“ um, die im Herbst vom Verein Wegweiser in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten sowie der Fachstelle Familiennetzwerk auch in Kitas und Horten in Nordsachsen gezeigt wurde, unter anderem in Zschepplin, Eilenburg und Bad Düben. 360 Kindern konnte so die Botschaft vermittelt werden: Jedes Kind hat ein Recht auf ein Leben ohne Gewalt und Hilfe holen ist richtig.

Die Bildergeschichten, aus Kinderperspektive erzählt, machen auf eine Problematik aufmerksam, die tabu ist, aber kein Tabu-Thema sein sollte. Häusliche Gewalt ist auch im Landkreis Nordsachsen allgegenwärtig, wie aktuelle Zahlen belegen, die Kerstin Kupfer vom Wegweiser-Verein beim Arbeitstreffen des Netzwerkes gegen häusliche Gewalt in Eilenburg vorlegte. 306 Straftaten wurden 2018 für die Landkreise Nordsachsen (122) und Leipzig (184) registriert, betroffen waren 245 Frauen, 25 Männer, 16 Mädchen und 20 Jungen. Gegenüber 2017 ein leichter Anstieg. Angesichts der höheren Fallzahlen in Sachsen hat die Polizei reagiert. Pro Polizeidirektion gibt es einen Opferschutzbeauftragten. In Leipzig ist das seit 1. Januar Cathleen Martin. „Mittlerweile steht fest, dass eine zweite Stelle bewilligt wurde.“ Immer öfter informiert die Polizei die Interventionsstelle, wenn Betroffene Hilfe brauchen. 930 Beratungen, davon 450 persönlich und 314 aufsuchend, gab es. Der Großteil kommt aus dem Landkreis Leipzig. „Unser Handicap ist, dass wir zwar in Grimma, aber in Nordsachsen keinen festen Sitz haben“, sagt Kerstin Kupfer. Ebenso ein aktuelles Thema: Stalking. Es habe zwar 2018 zehn Fälle weniger gegeben, aber die Erfahrungen bestätigten, dass die neuen rechtlichen Maßnahmen nicht ausreichten, Strafverfolgung nicht das einzige Mittel sein könne.

Nach wie vor ein Manko in Nordsachsen – und das bei einer laut Lagebild der Polizei hohen Zahl an Opfern häuslicher Gewalt: Es gibt nur eine Schutzwohnung in Nordsachsen, die von ehrenamtlichen Helferinnen betreut wird. Es gibt keine durch den Freistaat geförderte Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen.

Zurück zu Familie Schäfer: Weil die Präventionsofferte gut angenommen wurde, gibt es Überlegungen, sie zu einem Dauerangebot zu machen. „Das sind transportable Roll-ups, mit denen wir flexibel sind“, sagt Susann Lindner von der Grimmaer Beratungsstelle. 2019 haben die Netzwerk-Partner noch mehr im Blick: Am 26. September ist der Selbsthilfegruppentag in Oschatz geplant, für den 1. November der Fachtag „Schlag-Lichter 2019“ in Torgau avisiert. Am 14. Mai machen Beratungsstellen, Vereine, Polizei und Gleichstellungsbeauftragte in Kooperation mit Wegweiser, Landratsamt und Lebenshilfe auf dem Oschatzer Altmarkt unter dem Motto „Mut schöpfen“ auf das Thema Häusliche Gewalt aufmerksam. Mut schöpfen ist wörtlich gemeint. Tassen, Kannen, Schüsseln, Töpfe oder Vasen in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben werden mit Wasser aus dem Brunnen gefüllt. Die Gefäße stehen für die Fälle häuslicher Gewalt und Stalking. Die Unterschiedlichkeit soll deutlich machen, dass Betroffene verschieden sind und ihren ganz eigenen Mut benötigen, um den Gewaltkreislauf zu durchbrechen. An diesem Tag ist auch die LAG Queeres Netzwerk Sachsen vor Ort, die, wie Vera Ohlendorf informierte, anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Trans- und Interfeindlichkeit auf einer Sachsen-Tour auf das Engagement gegen Ungleichbehandlung und für Sichtbarkeit von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Interpersonen, asexuellen und queeren Menschen aufmerksam macht.

 


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