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Leipziger Volkszeitung, F. Döring

Feuerwehr-Gewerkschaft schlägt Alarm: Personalnot in der Leitstelle

Viele Disponenten dürfen keine Notrufe annehmen, weil sie nicht dafür ausgebildet sind.

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) schlägt Alarm: In einem Brandbrief an Staatsregierung und Landtagsfraktionen kritisiert sie einen akuten Personalmangel in den fünf Integrierten Regionalleitstellen (IRLS) des Freistaates.

So sind in dem 11,5 Millionen Euro teuren Neubau in Großzschocher pro Schicht gerade mal zehn Disponenten und ein Schichtführer für Notrufe im Einsatz, so die Gewerkschaft auf LVZ-Anfrage, zu wenig für die Stadt Leipzig sowie die Landkreise Leipzig und Nordsachsen. Auch deshalb sei die Notrufzentrale beim Sturmtief Friederike im Januar an ihre Grenzen gestoßen. Etwa 1000 Anrufer hingen damals nach DFeuG-Angaben in der Warteschleife, weil alle Disponentenplätze besetzt waren.

Per Gesetz und gegen manche Widerstände waren die Integrierten Regionalleitstellen 2016 aus den ehemals 21 regionalen Leitstellen gebildet worden – in Leipzig sowie in Chemnitz, Hoyerswerda, Dresden und Zwickau. Zur Inbetriebnahme an der Gerhard-Ellrodt-Straße vor zwei Jahren klangen die Zahlen noch beeindruckend. Maximal 21 Disponenten könnten gleichzeitig hier arbeiten, hieß es. Zusätzlich stehen sechs Arbeitsplätze für die Annahme von Notrufen bei Unwettern oder Großschadensereignissen zur Verfügung. Laut der Stadt sei mit 750 000 Anrufen pro Jahr zu rechnen, aus denen 250 000 Einsätze resultieren. Jährlich wären Einsatzkräfte für 25 000 Feuerwehreinsätze und 225 000 Notfall- und Krankentransporte zu alarmieren.

Doch viele Plätze für Notrufdisponenten bleiben unbesetzt, weil ein erheblicher Ausbildungsstau entstanden sei, moniert die DFeuG. Die Folge: Zwar stehen engagierte und erfahrene Disponenten zur Verfügung, doch könnten diese laut Gewerkschaft aufgrund begrenzter oder fehlender Qualifikationen per Gesetz nicht rechtssicher und umfänglich eingesetzt werden. So seien viele Disponenten der aufgelösten Leitstellen lediglich Rettungssanitäter. Nötig für den Dienst in der Großleitstelle wären jedoch laut Gesetz die Laufbahnausbildung bei der Feuerwehr zum Brandmeister und ein Disponentenlehrgang. Deshalb dürften diese Mitarbeiter der ehemals kleinen Leitstellen nur Krankentransporte managen. In Leipzig haben pro Schicht zwölf dieser KTW-Disponenten Dienst. Selbst in Ausnahmesituationen dürften sie nicht im Bereich der Gefahrenabwehr eingesetzt werden und keine Notrufe annehmen. „Es wurde in den vergangenen Jahren versäumt, die notwendige Ausbildung zu gewährleisten“, sagt Gewerkschafter Helge Schönlebe. Unter den gegenwärtigen Bedingungen seien Entwicklungsmöglichkeiten für die unzureichend qualifizierten Kollegen oder gar für Quereinsteiger kaum möglich.

Die KTW-Disponenten müssten zudem teils erhebliche Gehaltseinbußen hinnehmen, während ihre umfassend ausgebildeten Kollegen unter einer noch größeren Arbeitsbelastung leiden.

Ausreichend qualifizierte Disponenten kommen nach Angaben der Gewerkschaft fast ausschließlich aus der Berufsfeuerwehr, die ohnedies mit Personalnot zu kämpfen habe. „Es wird immer schwieriger, Personal aus den Reihen der Berufsfeuerwehren mit der gesetzlich festgeschriebenen Laufbahnausbildung zum Disponenten fortzubilden“, heißt es in dem Brandbrief. „Fünfeinhalb Jahre Ausbildungszeit nach geltender Qualifikationsanforderung für den Leitstellendisponenten sind durch die Berufsfeuerwehren nur noch sehr eingeschränkt umzusetzen.“ So fehlten an der Landesfeuerwehrschule entsprechende Kapazitäten. Auch die körperlichen Anforderungen für den Einstieg in die Ausbildung zur Laufbahngruppe der Fachrichtung Feuerwehr seien sehr hoch.

Als Ausweg schlägt die DFeuG verschiedene Modulausbildungen vor, etwa eine feuerwehrtechnische für Leitstellendisponenten ohne Laufbahnausbildung Feuerwehr und eine medizinische für Disponenten ohne Abschluss als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter. Als Anreiz müssten zudem die Dienstzeiten der Disponenten als Einsatzdienstjahre anerkannt werden, wie bei ihren Kollegen des feuerwehrtechnischen Einsatzdienstes. Auch das Besoldungs- und Laufbahngesetz sollten angepasst werden, so die Gewerkschaft, um dem hohen Qualifikationsstand und der hohen Verantwortung des Leitstellendisponenten gerecht zu werden.

Eine LVZ-Anfrage dazu an die Stadt blieb gestern unbeantwortet.


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