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Torgauer Zeitung vom 26.9.2017

Gemischte Gefühle - Spangenberg, Waitz, Kleinke und Bornack nach der Wahl in Nordsachsen

Noch direkt am Abend, nachdem die Stimmen aller nordsächsischen Wahllokale ausgezählt waren, hat die Torgauer Zeitung bei den Direktkandidaten für den Landkreis nachgehorcht und teils zufriedene, teils unzufriedene Statements eingeholt.

Obwohl Detlev Spangenberg und die AfD ohne Frage die größten Gewinner dieser Wahl waren, zeigte sich der 73-Jährige nicht ausnahmslos wohlgelaunt. „Ich habe es mit der Erststimme leider nicht gepackt, Herrn Wendt von der CDU zu schlagen. Denn das war mein eigentliches Ziel. Ich bedauere es, das nicht geschafft zu haben.“ Trotzdem wird Spangenberg sein Büro aus dem Dresdner Landtag nach Berlin verlegen können. Die knapp 13 Prozent, die seine Partei bundesweit geholt hat, seien ein gutes Ergebnis und werden dafür reichen, „neun bis zehn Leute aus Sachsen in den Bundestag schicken zu können.“ Mit Listenplatz 4 ist Spangenberg damit sicher dabei.

Auch wenn es für Christoph Waitz nicht für ein Bundestagsmandat gereicht hat, gab sich der FDP-Kandidat gut gelaunt. „Ich bin nach langen Wahlkampfmonaten mit dem Ergebnis der Bundestagswahl sehr zufrieden und ich danke allen Wählern, die in Nordsachsen der FDP und mir ihr Vertrauen geschenkt haben.“ Der Wahlkampf habe der Partei in Nordsachsen neuen Schwung gegeben, der sich sogar schon in der Mitgliederzahl widerspiegele. Wahlkampftaktisch habe sich die FDP auf eine Verstärkung der Präsenz in den sozialen Netzwerken konzentriert – offenbar mit Erfolg. „Wir werden diesen Weg sicher weiter gehen.“ Was sich zumindest für Waitz persönlich nicht von einer Jamaika-Koalition im Bundestag sagen lässt. „Sollte sie zustande kommen, wäre damit eine Phase der politischen Instabilität in Berlin verbunden. Unser Blick richtet sich auf die Landtagswahl in Sachsen in zwei Jahren. Das gute Ergebnis in meinem Wahlkreis in Nordsachsen ermutigt mich hier weiter zu arbeiten und politisch präsent zu sein.“

Zu den geschlagenen im Wahlkampf zählt Rüdiger Kleinke. Der SPD-Politiker ist „enttäuscht, ganz klar. Ich hätte ein deutlich besseres Ergebnis erwartet.“ Trotzdem zeigte er sich als fairer Verlierer und gratulierte Marian Wendt zur Bestätigung seines Direktmandates. Für Kleinke selbst gehe nun der Alltag weiter. Seine Kandidatur „war ein Angebot meinerseits. Das Ergebnis ist zu respektieren.“ Trotzdem weckt das starke Abschneiden der AfD bei ihm Besorgnis. „Die Leute haben ihrem Frust Ausdruck verliehen. Viele haben mit Wut gewählt, aber Wut ist nie ein guter Ratgeber. Gerade jetzt in der schwierigen Situation. Die AfD wird nicht konstruktiv mitregieren in der Opposition. Denen geht es um Krawall. Man hört es an den Worten von AfD-Spitzenkandidat Gauland‚ ,Wir werden sie jagen!‘ Das sind Töne, die mir Angst machen. Aber wir werden damit umgehen müssen.“

Auch Grünen-Kandidat Jörg Bornack war überhaupt nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Sein persönliches Ziel von drei Prozent verfehlte er mit einem Wert von 2,6 für seine Partei in Nordsachsen. „Am Ende ist es ein sehr schlechtes Wahlergebnis für die Grünen. Aber es war auch ein schwieriger Wahlkampf. Normalerweise bin ich eher selbst aktiv, aber das habe ich dieses Mal nicht geschafft.“ Selbstkritisch nehme er die Niederlage auf seine Kappe. „Aber es ist nicht gerade förderlich für den Direktkandidaten und die Wähler, wenn die Partei von vornherein sagt, dass wir keine Chance haben.“ Auch der Wettbewerbsnachteil hinsichtlich der Ressourcen – in seiner Heimatstadt Delitzsch hingegen gerade mal 16 Plakate der Grünen – sei entscheidend gewesen. Ob seine politische Karriere damit beendet sei, konnte Bornack noch nicht sagen. Möglicherweise könnten die Kommunalwahlen 2019 noch einmal interessant für ihn werden, auch wegen des Plus‘ an Erststimmen in Delitzsch. Und schließlich habe auch die U18-Wahl am Sonntag zuvor für Hoffnung gesorgt. „11,44 Prozent haben da in Delitzsch Grün gewählt. Das lässt hoffen und tröstet über den Rest hinweg.“ Wie Waitz kann sich auch Bornack aber nicht voll- ständig mit einer Jamaika-Koalition im Bund arrangieren. „Ich sehe dem mit gemischten Gefühlen entgegen. Für uns als Partei wäre es sicher schlecht, denn die Junior-Partner sind noch immer beschädigt aus den Koalitionen gekommen. Für die Menschen könnte es aber ein Vorteil sein, wenn die Grünen es schaffen, ihre wichtigen Punkte durchzubringen. Denn neben Umweltthemen zählt auch die soziale Gerechtigkeit zu unseren Kompetenzen.“