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Sebastian Lindner (Torgauer Zeitung)

"Größere Verteilung erhöht Chance auf Integration"

„Die Bedenken ebben nicht ab“, sagte Angelika Stoye, Ordnungsdezerntin im Landratsamt Nordsachsen, im Kreise weiterer Landkreismitarbeiter und den Leuten von Campanet, welche die neue Asylbewerberunterkunft im Torgauer Süptitzer Weg betreiben.

Und genau um der Bevölkerung diese Sorgen nehmen oder zumindest lindern zu können, sei es auch so wichtig, den Menschen ganz genau zu zeigen, wie das Leben im künftigen Flüchtlingsheim aussehen wird.


In kleinen Gruppen waren in den angesetzten zwei Stunden am späten Nachmittag mehr als 150 Anwohner, Gewerbetreibende und sonstige Interessierte in den Räumlichkeiten unterwegs, die maximal für 60 Personen Platz bieten. „Wir wollen zunächst mit 10 bis 20 Bewohnern anfangen, die Belegung dann sukzessive steigern“, erklärte Roman Becker, Sachgebietsleiter Unterbringung und Organisation Asyl im Landratsamt. Alleinstehende Männer würden einziehen. Deren Nationalität hänge davon ab, welche Menschen dem Landkreis in den kommenden Wochen und Monaten zugewiesen würden, das sei erst zwei, drei Tage vorher bekannt. „Wir rechnen für 2017 mit Größenordnungen wie im vergangenen Jahr und damit noch mal mit 800 neuen Flüchtlingen, die der Landkreis unterbringen muss“, so Angelika Stoye. Die Asylbewerber, die im Süptizer Weg einziehen werden, seien allesamt Neuankömmlinge und würden nicht aus bestehenden Einrichtungen umverteilt werden. Aktuell leben noch 2200 Flüchtlinge in den Unterkünften des Landkreises, 1600 davon stehen noch im laufenden Asylverfahren. „Die anderen 600 sind bereits anerkannt, haben aber noch keine eigene Wohnung gefunden.“

Auf zwei Etagen werden die Asylbewerber in der Gemeinschaftsunterkunft im Süptitzer Weg untergebracht. 30 Zimmer stehen zur Verfügung, die jeweils mit zwei Leuten belegt werden können. Die Zimmer sind dabei eher spartanisch ausgerüstet. Zwei Betten, zwei Sessel, ein kleiner Tisch und ein Spind, in dem jeweils Geschirr vom Löffel bis zum Teller für jeden in einfacher Stückzahl vorhanden ist. „Es geht hier nur um die Grundausstattung, die jeder nach seiner Ankunft in Deutschland benötigt“, schilderte Landrat Kai Emanuel, der ebenfalls einen Rundgang durch die Einrichtung machte. Alles weitere könnten sich die Bewohner von ihrem persönlichen Budget besorgen. „Das liegt mit etwa 325 Euro etwas unter dem HartzIV-Satz, weil zum Beispiel keine Heizkosten anfallen“, sagte Roman Becker.
Um die Internetnutzung zu regeln, solle in der Unterkunft – wie in den anderen Einrichtungen des Landkreises auch – ein Ticketsystem eingeführt werden. Becker: „Für 15 Euro können sie dann einen Monat lang ins Internet und darüber dann auch ihren TV-Konsum befriedigen. Das hat sich so andernorts bewährt.“
Neben den Wohnräumen gibt es auch zwei Gemeinschaftsräume im Objekt. Einer davon solle für Sprachkurse genutzt werden. Zusätzlich gibt es Küchen, die von den Bewohnern genutzt werden können, sowie einen Waschraum mit mehreren Waschmaschinen. „Die Asylbewerber können ihre Wäsche bei den Betreuern abgeben und kriegen sie am nächsten Tag sauber zurück.“ Während sie ihre Wäsche gewaschen bekommen, steht Putzen aber im Tagesablauf der Bewohner. Für sportliche Betätigung ist auf dem Gelände kein Platz. Dafür müssten andere Angebote gefunden werden. Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth, die ebenfalls mit von der Partie war, verwies an dieser Stelle beispielsweise auf die gute Zusammenarbeit mit dem SC Hartenfels, der auch die bis jetzt in der Stadt lebenden Flüchtlinge bei Interesse aufgenommen habe.

Mit Campanet holt sich der Landkreis einen Betreiber ins Boot, der bundesweit in der Flüchtlingsunterbringung aktiv ist und auch in Sachsen, beispielsweise in Leipzig, Unterkünfte betreut. In Nordsachsen war das Unternehmen bisher noch nicht vertreten. Beim Tag der offenen Tür erwiesen sich die Campanet-Mitarbeiter hinsichtlich der Kommunikation mit den Pressevertretern eher als verschlossen und verwiesen auf die hauseigene Presseabteilung, von der TZ jedoch bis gestern keine Auskünfte bekam. Durch das Landratsamt wurde zumindest mitgeteilt, dass mindestens ein Mitarbeiter ständig vor Ort sei, Wachschutz zur Verfügung steht und Einlasskontrollen durchgeführt werden sollen. Es soll jedoch nicht jedes Ein- und Ausgehen der Bewohner erfasst werden. Heimleiterin wird die seit vielen Jahren in Torgau lebende Claudia Kurzweg. Campanet hat das Objekt gekauft und renoviert. Die Arbeiten wurden erst im Dezember 2016 fertiggestellt.


„Der Landkreis hat mit dem Betreiber einen Vertrag über fünf Jahre für diese Unterkunft abgeschlossen“, sagte Angelika Stoye auf Nachfrage. Eine Option auf Verlängerung bestünde. Mit der Inbetriebnahme einer weiteren Gemeinschaftsunterkunft wolle man sich dem Motto der dezentralen Unterbringung treu bleiben. „Eine größere Verteilung erhöht die Chance auf Integration“, verteidigte Landrat Emanuel diesen Weg, „auch wenn es rein wirtschaftlich sicher nicht die bestmögliche Lösung ist.“ Doch so könne man nicht denken. Auch wenn keine der derzeit noch 18 im Landkreis genutzten Gemeinschaftsunterkünfte an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen würde, sei es notwendig, ein weiteres Objekt in Betrieb zu nehmen. „Um vorbereitet zu sein“, so Stoye. Zumal die Ausschreibung für die zweite Torgauer Einrichtung neben der Gemeinschaftsunterkunft am Stadtpark bereits im Jahr 2014  aufgegeben wurde; zwei Bewerber hatte es für den Süptizer Weg gegeben. Nachdem die Situation in der Folgzeit immer kritischer wurde, durfte man für weitere Unterkünfte – statt Projekte auszuschreiben – auf die wesentlich zeitsparerenden Vergabeverfahren umschwenken.


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