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Torgauer Zeitung

Hilfe gegen häusliche Gewalt – zwei Schutzeinrichtungen im Kreis geplant

Opfer sollen hier Obdach und Sicherheit finden / Kreistag will über entsprechenden Antrag abstimmen

Nordsachsen. Im Landkreis soll es künftig zwei Frauen- beziehungsweise Familienschutzeinrichtungen geben, in denen Frauen, Kinder, aber auch Männer Obdach und Schutz vor häuslicher Gewalt finden. Der Kreistag will in der kommenden Woche über einen entsprechenden Antrag – offizieller Titel: „Hilfesystem zum Schutz vor häuslicher Gewalt im Landkreis Nordsachsen“ – entscheiden. Kernstück des neuen Systems wären die beiden professionell geführten und geförderten Einrichtungen, die in Delitzsch sowie in Torgau entstehen sollen. Die Initiative zu diesem Projekt ging von den Linken aus, die bereits im Februar einen entsprechenden Antrag an die Kreisverwaltung gestellt hatten.

Weichen sind gestellt

„Wir sind sehr erfreut, dass Landrat Emanuel und die Sozialverwaltung unser Anliegen zügig und initiativreich aufgegriffen haben. Mit einer aussagefähigen Bedarfsanalyse, detaillierten Kostenkalkulationen und Recherchen von Fördermöglichkeiten sind nun alle Weichen gestellt, damit dieses wichtige Hilfesystem im Jahr 2020 starten kann“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreistag, Michael Friedrich. Natürlich wäre „es uns viel lieber gewesen, wenn der Schutz vor häuslicher Gewalt kein so hartes Thema in unserer Gesellschaft wäre und es unserer Initiative gar nicht erst bedurft hätte“. Allerdings zeige die polizeiliche Kriminalstatistik das Gegenteil. So habe der Landkreis Nordsachsen mit statistisch gesehen 25 Fällen häuslicher Gewalt pro 10.000 Einwohnern im Jahr 2017 – neuere Zahlen liegen nicht vor – eine deutlich höhere Opferbelastung als beispielsweise der benachbarte Landkreis Leipzig, wo bereits entsprechende geförderte Schutzmöglichkeiten existieren.

In den Polizeidienststellen Delitzsch wurden im Jahr 2017 insgesamt 101 diesbezügliche Straftaten registriert, in Eilenburg 70, in Oschatz 114 und in Torgau 106. Weitere 113 Fälle wurden in Schkeuditz und Taucha gezählt. Das macht insgesamt 504 registrierte Straftaten im Bereich häusliche Gewalt und Nachstellung/Stalking im Landkreis; ein Jahr zuvor waren es 485. Hinzu dürfte noch eine hohe Dunkelziffer kommen. „Diese Zahlen sind ein erschreckender Alarmruf in unsere Gesellschaft“, so Friedrich. „Wie so oft bei sozialen Problemlagen und Verwerfungen muss also auch hier der Landkreis eingreifen.“

Im Landkreis Nordsachsen gibt es derzeit keine geförderten Schutzeinrichtungen – das heißt unter Leitung einer Fachkraft – als Maßnahme gegen häusliche Gewalt. In der Stadt Torgau wird durch den Verein Fraueninitiative Torgau eine nicht geförderte Schutzwohnung mit drei Erwachsenen- und einem Kinderschlafplatz ehrenamtlich vorgehalten. Betroffene aus dem Raum Oschatz werden vorrangig in der Frauen- und Kinderschutzeinrichtung des Vereins Wegweiser aus Borna untergebracht, Betroffene aus dem Raum Delitzsch/Eilenburg überwiegend in Leipzig oder anderen Städten.

Fest angestellte Fachkraft

Konkret soll nun die bereits bestehende, bislang aber ungeförderte Schutzeinrichtung in Torgau um ein zweites Familienzimmer auf insgesamt acht Plätze erweitert und zudem mit einer fest angestellten Fachkraft aufgewertet werden. Gleichzeitig sollen die Schutzstrukturen in der Fläche des Landkreises erweitert werden, wobei an den Standort Delitzsch gedacht ist. Bei Bedarf soll diese zweite Einrichtung – vier Plätze in einer Wohnung – auch von männlichen Schutzbedürftigen genutzt werden können.
Schließlich ist der Aufbau und Betrieb einer kreiseigenen Interventions- und Koordinierungsstelle vorgesehen, die den Betroffenen Schutz, Unterstützung und Beratung zukommen lässt und für die Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist. Die genannten Aufgaben wurden bisher durch die Fachkräfte der Frauen- und Kinderschutzeinrichtung des Vereins Wegweiser, der selbst seinen Sitz in Grimma hat, wahrgenommen, der gegen eine jährliche Pauschalzahlung dem Landkreis Nordsachsen Hilfe geleistet hat.

„Da unser Landkreis nun eigene Strukturen aufbauen will und muss, erlaube ich mir ein herzliches Danke für die langjährige professionelle Unterstützung zu sagen, die uns der Verein Wegweiser über all die vielen Jahre geleistet hat“, so Friedrich.

Nachdem die Linksfraktion im Februar dieses Jahres einen entsprechenden Antrag eingereicht hatte, prüfte die Landkreisverwaltung das Anliegen. In der Beschlussvorlage, die jetzt den Kreistagsabgeordneten vorliegt, heißt es: „Als Ergebnis der nun vorliegenden Bedarfsanalyse wird der Aus- und Aufbau von landkreiseigenen Strukturen zum Schutz vor häuslicher Gewalt im Landkreis Nordsachsen aufgrund des identifizierten Bedarfes an Schutzbedürftigkeit festgestellt.“ Bei einer maximalen Förderung über die Richtlinie zur Förderung der Chancengleichheit und einer Eigenanteilsleistung des zukünftigen Trägers fallen demnach Kosten in Höhe ab 4000 Euro für den Aufbau im Jahr 2020 und etwa 49.000 Euro für den Betrieb des Hilfesystems ab dem Jahr 2020 jährlich an. Stimmen die Kreisräte zu, würde nun der Landkreis die Kosten übernehmen.


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