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Christine Jacob (Leipziger Volkszeitung)

Marketingkonzept soll erste Änderungen in der Delitzscher Kreuzgasse 10 bringen

DELITZSCH. So zeitgemäß und ausgezeichnet die Genossenschaftsidee ist, so in die Jahre gekommen ist – zumindest stellenweise – ihr Museum in der Loberstadt.

DELITZSCH. So zeitgemäß und ausgezeichnet die Genossenschaftsidee ist, so in die Jahre gekommen ist – zumindest stellenweise – ihr Museum in der Loberstadt. Die Umstrukturierung läuft, diverse Umgestaltungen sind geplant und das Konzept wird überdacht, erklärt Philipp Bludovsky, leitender Kurator des Hauses. Besseres Marketing soll das Museum viel bekannter machen. Dabei geht es am Ende auch um die Frage, unter welchem konkreten Titel sich die Einrichtung präsentiert. Die Bezeichnung „Schulze-Delitzsch-Haus“ ist nicht so konkret wie ein offizielles „Museum“ im Titel.

So oder so genannt: Im Oktober vor 25 Jahren wurde in dem Haus in der Kreuzgasse 10, in dem mit der Schuhmacherassoziation die erste deutsche Genossenschaft gegründet wurde, das Schulze-Delitzsch-Haus eröffnet. Im November 2010 wurde die Personalausstellung nach ihrer Überarbeitung wiedereröffnet: Hörstationen, Textwürfel und Wandklappen sowie zahlreiche interessante und seltene Exponate veranschaulichen derzeit das Wirken des Pioniers. Etwa zehn Jahre gibt man einer Ausstellung, dann gestaltet man sie neu. Auch darauf ist man in der Kreuzgasse 10 gefasst. Schon in diesem Jahr wird das Erdgeschoss des Hauses umgestaltet, dort soll ein Veranstaltungsraum entstehen. Auch der Außenbereich, also der schmucke kleine Hof, soll ein neues Konzept bekommen – ob dies bis zum Jubiläum im Herbst umzusetzen ist, ist allerdings noch nicht geklärt. Perspektivisch kann ein Begegnungsort entstehen, der Raum für Lesungen oder noch intensivere Arbeit mit Schülern bietet. Insgesamt gilt es für das Haus, die internationale Bedeutung der Genossenschaften stärker darzustellen. Für das Jubiläum ist eine Ausstellung zu Hausgeschichte geplant. Sie wird zeigen, wie verfallen das Gebäude einmal war und wie emotional es von all denen betrachtet wird, die darin gewirkt haben. „Das soll nicht hochwissenschaftlich werden“, sagt Philipp Bludovsky, „wir wollen das Klima des Hauses zeigen.“

An anderer Stelle wird am steten Wandel gearbeitet. Das Haus soll in Zusammenarbeit mit einer Agentur ein völlig neues Marketingkonzept und eine neue und besser aufbereitete Homepage bekommen, dem Unesco-Titel als immaterielles Kulturerbe soll auch damit deutlicher Rechnung getragen werden. „Wir wollen ein zeitgemäßeres Bild liefern“, erklärt der Kurator.

Gerade junge Menschen sollen für den Themenkomplex Genossenschaften begeistert werden. Kleinteiligere Vermittlung etwa ist das Ziel. Zudem soll die historische Bedeutung deutlicher herausgearbeitet werden. Ziel sei es, vor allem Individualtouristen mit der Kreuzgasse 10 anzusprechen – Leute, die zum Beispiel per Bahn den Tagesausflug antreten. Rund 2000 Gäste jährlich zählt das Genossenschaftsmuseum, die Tendenz ist steigend – von einem deutlich spürbaren Unesco-Effekt kann allerdings noch keine Rede sein. Der Prozess hin zu mehr Bekanntheit werde über Jahre laufen. Zudem braucht es eine bessere Ausschilderung für Touristen, damit sie das kleine Museum besser und leichter finden können. Unter anderem seien Werbeplakate eine Überlegung wert, so Philipp Bludovsky.

Ein Wandel der Kreuzgasse 10 wird nicht sofort passieren, die Umsetzung ist Stück für Stück in den nächsten Jahren geplant. Auch an den Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag jeweils 14 bis 17 Uhr wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Zwar arbeiten drei Leute im Haus, haben aber nur 1,5 Stellen – das reicht nicht für deutlich erweiterte Öffnungszeiten.