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Muldentalzeitung, S. Prenzel

Muss der Kulturraum zum Streichkonzert aufspielen? Im Topf fehlen fast 300 000 Euro / Gelder waren längst verplant

Landkreis Leipzig. Die Botschaft ereilte den Kulturraum vor wenigen Tagen. „Wir bekommen fast 300 000 Euro weniger Landeszuschuss, als wir eigentlich erhofft hatten“, so die Zweite Beigeordnete des Landkreises, Ines Lüpfert, in deren Ressort das Kultursekretariat fällt. Dabei wird das Geld für Bibliotheken, Museen und andere Kulturträger in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen dringend gebraucht.

4,8 statt 5,1 Millionen aus Dresden

Sämtliche Planungen waren an einer Summe ausgerichtet, die der Kulturraum Leipziger Raum im Vorjahr erhalten hatte. „Im Jahr 2017 konnten wir auf 5,1 Millionen Euro Zuschuss bauen“, erklärte Lüpfert. „Das war eine stattliche Summe, die die Grundlage der diesjährigen Überlegungen bildete.“ Um so verwunderter rieben sich die Entscheidungsträger in den Landkreisen die Augen, als sie vor wenigen Tagen die tatsächliche Zuwendungssumme erfuhren: Statt der 5,1 Millionen Euro sollen nun lediglich rund 4,8 Millionen fließen.

Der Zweckverband steht damit vor einem riesigen Problem: „Denn der Haushalt, der bereits vor etlichen Wochen vom Kulturkonvent verabschiedet wurde, basiert auf unseren ursprünglichen Annahmen“, verdeutlichte Lüpfert. Und teilweise seien Bescheide an die Kulturträger auch schon verschickt worden.

Dass die Kulturförderung eine Rechnung mit mehreren Unbekannten ist, bekam der Kulturraum schon mehrfach zu spüren. „Es ist normal, dass wir es bei den Landeszuschüssen mit jährlichen Schwankungen zu tun haben“, erläuterte die Beigeordnete, die bis Mitte 2016 selbst Kultursekretärin war. Dennoch sei die aktuelle Kürzung ein erheblicher Schlag ins Kontor, der nicht so einfach zu verkraften ist. Unter anderem deshalb, weil im Kulturraum offenbar ein genauer Überblick über die Rücklagen fehlt. „Wir wissen derzeit nicht genau, ob wir das nun entstandene Defizit aus der Rücklage stopfen können.“

Für alle Vereine, Projekte und Initiativen, die auf Kulturgelder angewiesen sind, hat die aktuelle Situation unangenehme Folgen. Landrat Henry Graichen (CDU) und sein nordsächsischer Amtskollege Kai Emanuel (parteilos) haben bereits erwogen, schlimmstenfalls bereits erteilte Förderbescheide an Kulturträger wieder zurückzunehmen.

Bewilligung zunächst gestoppt

Um nicht noch mehr Blankoschecks auszustellen, trat der Zweckverband zudem auf die Bremse: Die Mittelbewilligung im gesamten Kulturaum wurde vorerst gestoppt. Das Kultursekretariat bereite aktuell einen Lösungsvorschlag vor, hieß es dazu am Dienstag. Am Mittwoch (21. März) tagt außerdem der Beirat des Kulturraums, um nach Auswegen zu suchen. Eine Kürzung nach Rasemähermethode hatte zuletzt wenig Befürworter gefunden. „Das wäre zwar die einfachste Lösung“, schätzte der Torgauer Landrat Kai Emanuel ein. Aber das werde den Interessen in den betroffenen fünf Sparten sicher nicht gerecht.


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