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LVZ, Delitzsch-Eilenburg, K. Stolle

Naturschutzstation am Werbeliner See und Schutz für Opfer häuslicher Gewalt

Kreistag gibt grünes Licht für mehrere Projekte / Nordsachsen-Parlament ab Oktober in neuer Besetzung.

 

Nordsachsen. Es war ein unverhofftes Wiedersehen bei der ersten Kreistagssitzung nach der Sommerpause. Schon im April hatte sich Landrat Kai Emanuel von den Abgeordneten des Nordsachsen-Parlaments verabschiedet und ihnen für die jahrelange gute Zusammenarbeit gedankt. Gehen wollte allerdings nicht er, sondern für so manchen Kreisrat wäre dies damals eigentlich die letzte Sitzung als Abgeordneter gewesen. Denn im Mai folgten die Kommunalwahlen und der Kreistag hätte sich längst in neuer Besetzung zusammenfinden sollen.

Da die Landesdirektion jedoch eine Neufeststellung der Wahlergebnisse verlangt hatte – durch die Korrektur von Übertragungsfehlern hatte sich die Stimmenzahl für einige Kandidaten geändert –, zögerte sich die Konstituierung des neuen Kreistages hinaus. Und so folgte nun am späten Mittwochnachmittag im Großen Mehrzwecksaal von Schloss Hartenfels auf die letzte doch noch die allerletzte Kreistagssitzung der Legislaturperiode 2014-2019.

Die Kreisräte zeigten sich bei den zur Abstimmung gebrachten Beschlussvorlagen entsprechend milde gestimmt. Kontrovers wurde die Debatte eigentlich nur einmal – und zwar als es um die geplante Naturschutzstation am Werbeliner See bei Delitzsch ging. Eckhard Rexroth, 1. Beigeordneter des Landrats, unterstrich noch einmal die Bedeutung des ehemaligen Braunkohletagebaus als Naturschutzgebiet. Während sich der benachbarte Schladitzer See zum Tourismuszentrum entwickeln konnte, wurde der Werbeliner See zum Naturparadies mit einer Tierwelt, die, so Rexroth, „einmalig in Mitteldeutschland ist“. Sie reiche von der Vogelwelt „bis hin zum Thema Wolf“. Nun soll die Naturschutzstation dort ein Anlauf- und Rastpunkt für interessierte Besucher werden, auch für Schulklassen auf Naturexkursion oder für Ornithologen und andere Fachleute. Es gehe um die „Besucherlenkung“, erläuterte Rexroth, der auch betonte, dass die Station nicht der weiteren touristischen Erschließung dienen soll. Zudem könnten von der Station aus die Naturschutz-Ranger Präsenz zeigen und die Einhaltung der Regeln im Naturschutzgebiet überwachen.

Der Landrat sprang seinem Beigeordneten zur Seite. Die Station soll im Bereich der Umweltbildung aktiv sein und so nicht zuletzt die Akzeptanz der Bevölkerung für das Naturschutzgebiet erhöhen, warb Kai Emanuel bei den Abgeordneten für die Beschlussvorlage. Umweltschutz habe ja heute gerade auch bei der Jugend einen hohen Stellenwert.

Kritische Stimmen gab es erwartungsgemäß trotzdem – und die Bedenken waren augenscheinlich fraktionsübergreifend. Tenor: Der Enthusiasmus des Landratsamtes für das Naturparadies werde nicht von allen geteilt, viele Delitzscher hätten lieber direkt vor der Haustür ein Erholungsrefugium mit Badegelegenheit gehabt statt rigorosem Naturschutz, und die Naturschutzstation dürfte wohl eher letzteren Status noch weiter zementieren. Das Projekt „kommt bei der breiten Masse der Delitzscher nicht so positiv an“, so drückte es der CDU-Abgeordnete Thilo Wolff aus. Am Ende stimmte die Mehrheit für die Errichtung der Station und den Erwerb eines Grundstücks dafür. Bei knapp 70 anwesenden Parlamentariern gab es 7 Gegenstimmen und 6 Enthaltungen.

Standort der Station soll übrigens am Parkplatz Werbelin sein, etwa ein Kilometer westlich von Brodenaundorf, auf dem Territorium der Gemeinde Rackwitz. Der Bürgermeister und die Gemeinderäte hätten sich bereits für das Projekt positioniert, so heißt es in der Beschlussvorlage, die den Kreisräten vorlag. Als weiterer möglicher Standort sei das Nordufer infrage gekommen, auf Delitzscher Gebiet. Die Stadt Delitzsch habe allerdings „keine Interessenerklärung zur Errichtung der Naturschutzstation auf ihrem Territorium abgegeben“.

Nordsachsen bekommt zudem ein Hilfesystem zum Schutz vor häuslicher Gewalt. Kernstück sind zwei Schutzeinrichtungen mit insgesamt zwölf Plätzen, wo Frauen, Kinder und bei Bedarf auch Männer Obdach und Sicherheit finden. Vier der Schlafplätze sollen in einer Schutzwohnung in Delitzsch zur Verfügung stehen, acht in Torgau. Dazu soll eine Interventions- und Koordinierungsstelle eingerichtet werden. Eine Analyse habe ergeben, dass in Nordsachsen ein Bedarf für landkreiseigene Strukturen zum Schutz vor häuslicher Gewalt bestehe, so Sozialdezernentin Heike Schmidt. Bisher gibt es nur in Torgau eine Schutzwohnung mit vier Plätzen, die aber ehrenamtlich vom Verein Fraueninitiative betrieben wird. In den neuen, nun geförderten Einrichtungen sollen dagegen Fachkräfte zum Einsatz kommen. Betroffene aus den Regionen Delitzsch/Eilenburg beziehungsweise Oschatz werden bisher meist in Schutzeinrichtungen in Leipzig oder Borna untergebracht.

Grünes Licht gab es im Kreistag auch für ein Lieblingsprojekt des Landratsamtes – für den Glas-Campus in Torgau, der Teil des Eigenbetriebs Bildungsstätten sein soll. Ausgangspunkt der Initiative sei gewesen, dass Nordsachsen über keinen Hochschulstandort verfügt, blickte Kai Emanuel zurück. „Wir wollten aber auch eine Hochschulausbildung im Landkreis.“ Da es in der Region eine starke Glas-, Keramik- und Baustoffindustrie gebe und die Betriebe bei einer Befragung einen hohen Bedarf für Nachwuchsgewinnung und Fachkräftequalifizierung signalisierten, wurde schließlich in Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg das Projekt Glas-Campus Torgau entwickelt. Ein „interessantes Projekt“, wie Emanuel betonte.

Im ersten Schritt gehe es um ein berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot für diejenigen, die schon in den entsprechenden Betrieben arbeiten. Bei Bedarf könnte dies dann aber später in die Etablierung eines Studiengangs mit Hochschulabschluss in Torgau münden. Losgehen soll es schon bald: Am 2. Oktober ist offiziell Eröffnung, am 28. November startet der erste Weiterbildungskurs, so Kai Emanuel. Einen eigenen Campus hat der Glas-Campus allerdings nicht. Die Weiterbildungseinrichtung kann die Räume der Torgauer Berufsschule mit nutzen.

Der neue Kreistag soll sich nun am 9. Oktober konstituieren. Die offizielle Feststellung des Endergebnisses stehe unmittelbar bevor, erklärte Kai Emanuel. Die Mehrheitsverhältnisse im nordsächsischen Parlament werden sich dann ändern. CDU, Linke und SPD sind mit teils erheblich weniger Abgeordneten präsent. Neu drin im Kreistag ist dagegen die AfD, die künftig hinter der CDU und SPD/Grüne die drittstärkste Fraktion stellen wird.


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