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LVZ, Delitzsch-Eilenburg, N. Huber

Nordsachsen ist „wunder Punkt“ im Netz der Verbraucherzentralen

Im Landkreis gibt es nur eine Filiale / Langfristig Ausbau der Angebote im ländlichen Raum geplant / In Corona-Zeiten viele Anfragen zu Reisen

Nordsachsen. Die Verbraucherzentrale Sachsen hat ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Und wieder einmal zeigt sich, wie so oft in diesem Jahr: Egal, mit welchem Unternehmen, welchem Verein oder welcher Institution man im Moment spricht: Die Corona-Krise geht an niemandem spurlos vorbei. Da stellt auch die Verbraucherzentrale Sachsen keine Ausnahme dar. Im Gegenteil: Seit Beginn der Pandemie können sich die Mitarbeiter vor Anfragen, die direkt oder zumindest teilweise mit diesem Thema in Zusammenhang stehen, kaum retten. Kein Wunder also, dass die Problematik auch in einer der aufgrund der aktuellen Einschränkungen online durchgeführten Pressekonferenz anlässlich des runden Jubiläums zu einem guten Teil den Grundtenor der besprochenen Themen bestimmte.

Häufig angesprochene Themen, welche die Verbraucher im Freistaat in diesem Jahr besonders beschäftigt haben, waren beispielsweise das Reisen in Zeiten von Corona sowie Kredite, aber auch die Teilhabe an der zunehmenden Digitalisierung, um nur einige zu nennen. Denn die Bandbreite an Sorgen unter den Verbrauchern sowie der damit verbundenen Forderungen durch die Verbraucherzentrale reicht noch viel weiter, getreu dem Jubiläums-Motto: „30 Jahre, 30 Forderungen“.

Forderungen der Verbraucherzentrale Sachsen mit Bezug auf das Thema „Reisen“ seien hierbei vor allem, Passagierrechte und Insolvenzschutz zu stärken sowie das Vorauskasse-Prinzip abzuschaffen: Bedingt durch die weltweite Corona-Pandemie sei es beispielsweise zu einer hohen Anzahl von Annullierungen geplanter Reisen gekommen. Weitere Problemstellungen seien Flugausfälle, Verlust von Gepäck sowie Verspätungen, weiterhin lange Wartezeiten auf zurückzuerstattende geleistete Zahlungen. „Das Voraus-Kasse-Prinzip kann so nicht weitergeführt werden“, so Vorstand Andreas Eichhorst. Darüber hinaus kritisiert die Verbraucherzentrale die mangelnde Absicherung von Reisenden im Fall einer Insolvenz und fordert einen wirksamen Insolvenzschutz.

Geschäfts- und Restaurantschließungen, Absage von Veranstaltungen, Schließung von Kulturbetrieben – die einschneidenden Folgen der Pandemie kennt man leider auch in Nordsachsen nur allzu gut. Das Corona-Jahr brachte und bringt für viele Verbraucher schwere wirtschaftliche Einbußen und finanzielle Herausforderungen mit sich. Nicht wenige sind auf Kredite angewiesen, um sich über Wasser halten zu können. Bei diesem Thema steht für die Verbraucherzentrale in erster Linie die Forderung nach einer verantwortungsvollen, bedarfsgerechten und transparenten Kreditvergabe vor allem bezüglich der letztlich abzuzahlenden Zinsen im Vordergrund. Voraussetzungen, die bei den momentan florierenden schnellen Online-Krediten oftmals nicht gegeben sind – im Gegenteil führen diese oftmals sogar zu einer Verschlechterung der finanziellen Situation der Kunden, vor allem angesichts von Restschuldversicherungen, hohen Dispozinsen oder teuren Kreditkarten. „Wir arbeiten deswegen an einem neuen Beratungsangebot für Betroffene“, so Eichhorst.

Digitalisierung bedeutet Fortschritt. Sie bedeutet, am Puls der Zeit zu bleiben. Doch sie bringt ebenso Datenschutzverstöße, gehackte Passwörter oder auch gestohlene Identitäten mit sich. Zudem fühlen sich Menschen, die sich mit digitaler Technik nicht gut auskennen, schnell ausgeschlossen: „Hier sind niedrigschwellige Bildungsangebote und Selbstschutz relevante Hebel. Niemand darf aufgrund seines Kenntnisstandes oder Wohnortes digital abgehängt werden“, betonte Eichhorst. „Das gilt besonders auch für sensible Zielgruppen wie Senioren. Natürlich geht das aber nur mit einer zügigen Verbesserung der Internetversorgung in den ländlichen Räumen einher“, womit er ein Thema anspricht, welches gerade in jüngster Zeit auch immer wieder in Nordsachsen für Gesprächsstoff sorgte, vor allem bezüglich des 5-G-Netzausbaus. Apropos Stichwort „ländlicher Raum“: Eine weitere zentrale Forderung ist jene nach dem Ausbau der Filialen der Verbraucherschutzzentrale in ganz Sachsen, vor allem aber auch im ländlichen Raum – so auch in Nordsachsen. Denn das Problem einer möglichen Unterversorgung an Beratungsstellen für Verbraucher im Landkreis Nordsachsen wurde erkannt und auf Nachfrage räumt Eichhorst ein, Nordsachsen wäre bislang noch ein „wunder Punkt“, da es im ganzen Landkreis nur eine einzige Filiale gibt – und zwar in Torgau.

Konkrete Pläne für neue Filialen in Nordsachsen gebe es bislang aber nicht, wie die Pressestelle der Verbraucherzentrale Sachsen verlauten lässt. Vielmehr sei es eine allgemeine Forderung, sachsenweit alle Filialen auszubauen, in denen es notwendig sei, sprich: Lücken in Beratungsstrukturen zu schließen und die Beratungseinrichtungen zu stärken, die bereits vorhanden sind. Auch neue Filialen sollen langfristig entstehen, doch dies gehe fördermittelbedingt nur nach und nach. Grundsätzlich sollen vor allem ländliche Gebiete gestärkt werden. Ziele seien hier die zunehmende Entstehung von Kompetenz- und Kooperationszentren als soziale Orte mit mehreren Ansprechpartnern für verschiedene Verbraucherbelange – nicht wie bisher mit zum Teil Ein-Mann-Beratungsstellen an manchen Orten, zum Beispiel in Torgau. „Viele Anbieter kehren dem ländlichen Raum den Rücken, obwohl genau hier die Mehrheit der Sachsen lebt. Wir wollen diese Regionen stärken und kommen, um zu bleiben“, unterstreicht der Vorstand.


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