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Simone Prenzel (Leipziger Volkszeitung)

Orchester weisen Kritik aus Nordsachsen zurück

Musiker aus Landkreis Leipzig würden gern häufiger in der Region präsent sein – aber die Partner vor Ort fehlen

Nordsachsen/Landkreis Leipzig. Die Orchester im Landkreis Leipzig wehren sich gegen Kritik aus Nordsachsen. Landrat Kai Emanuel (parteilos) hatte moniert, dass das in Böhlen beheimatete Leipziger Symphonieorchester (LSO) sowie die Sächsische Bläserphilharmonie in Bad Lausick nicht ausreichend Präsenz in der Region zeigen. So seien im Spielplan beider Orchester im ersten Halbjahr 2017 nur zehn Konzerte, davon vier Schülerkonzerte, zu finden, die im Landkreis Nordsachsen stattfinden. In die Finanzierung der Orchester fließen jedoch im Gegenzug auch hohe Summen aus Nordsachsen – und es sollen noch mehr werden, so die Forderungen aus dem Nachbarkreis.

Die Orchester sollten mehr Termine organisieren, so Emanuel. „Das würden wir sehr gern tun, aber wir sind auf die Unterstützung nordsächsischer Akteure angewiesen“, wies nun Hans-Ulrich Zschoch, Geschäftsführer des Leipziger Symphonieorchesters, die Kritik zurück. Sicher sei der Eindruck richtig, dass im Landkreis Leipzig mehr LSO-Konzerte stattfinden als in Nordsachsen. „Aber dieses Missverhältnis besteht schon länger, ohne dass ein Landrat jemals auf die Idee gekommen wäre, die Konzertzahlen nachzuzählen.“ Die Verantwortlichen des LSO würden sich bemühen, mehr Auftritte in Nordsachsen anzubieten, versicherte Zschoch. Doch dieses Unterfangen gestalte sich mitunter schwierig.

So suchte der LSO-Mann das Gespräch mit der Torgauer Oberbürgermeisterin Romina Barth, um die Chancen für Aktivitäten auszuloten. Die Stadtchefin habe ihn vertröstet und an einen Eigenbetrieb Kultur verwiesen, dessen Gründungsprozess seit über einem Jahr andauere und für den es noch gar keinen Geschäftsführer gebe. „Insofern fehlt uns schlicht und ergreifend ein Verhandlungspartner.“ Ein anderes Beispiel sei das Bürgerhaus Eilenburg. „Hier haben wir 2015 vor fast ausverkauftem Haus gespielt. Unser Angebot, 2017 wiederzukommen, wurde abgelehnt. An uns liegt es nicht unbedingt, dass wir in Nordsachsen nicht so wahrnehmbar sind.“ Dennoch gebe es sehr viele Ansätze und man sei ständig auf der Suche nach Auftrittsorten und Kontakten. „So nehmen uns sehr viele Kirchgemeinden freundlich auf und wir dürfen uns auf gemeinsame Projekte mit leistungsstarken Chören in Delitzsch, Oschatz oder Altmügeln freuen.“ Im Vorjahr ließ man ebenfalls von sich hören: „2016 haben wir 20 Konzerte in Nordsachsen gegeben, fast zwei pro Monat.“

Für die Sächsische Bläserphilharmonie bestätigte Geschäftsführer Heiko Schulze ebenfalls intensive Kontakte nach Nordsachsen, deren Ziel es sei, die Konzerttätigkeit auszubauen. „Dafür sind wir aber auf Partnerschaften und verlässliche Allianzen angewiesen.“ Sehr gut funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Bürgerhaus Oschatz, hob Schulze ein positives Beispiel hervor. Gemeinsame Projekte gebe es auch mit dem Behindertenzentrum Delitzsch oder der Theaterakademie Delitzsch. „Und für ein neues Musical-Projekt am Biedermeier-Strand Hayna werden gerade die Noten geschrieben“, verrät Schulze.

Der Geschäftsführer der Bläserphilharmonie plädiert allerdings dafür, die Kulturraum-Debatte stärker unter dem Solidargedanken zu führen. „Man sollte nicht versuchen, Zuschüsse und Besucherzahlen in den beiden Landkreisen gegeneinander aufzurechnen. Es fragt doch auch niemand, wie viele Bornaer die Ausstellungen im Schloss Torgau oder die Angebote im Agrokulturellen Zentrum Reibitz nutzen.“ Auch dies seien Einrichtungen, die der gesamte Kulturraum fördert und für die demzufolge auch der Landkreis Leipzig finanziell einsteht. „Im Übrigen“, verteidigt Heiko Schulze die von Emanuel kritisierten Auftritte zum Beispiel in Innsbruck oder Bayreuth, „finanzieren wir defizitäre Konzerte in der Region mit Engagements anderenorts.“

Für Henry Graichen (CDU), Landrat des Landkreises Leipzig, ist der Anspruch seines Amtskollegen durchaus nachvollziehbar. „Die Präsenz der Orchester muss auch in Nordsachsen zu spüren sein.“ Aber, so gibt Graichen zu bedenken, „passende Auftrittsorte braucht es dafür eben auch“.

Beide Orchester werden über den Kulturraum Leipziger Raum finanziert. Hier sind die Landkreise Leipzig und Nordsachen gleichberechtigte Partner. Entscheidungen – wie die zur Neuordnung der Kulturraumfinanzierung – können deshalb nur im Konsens erfolgen. Bisher erhalten die Orchester jährlich Zuschüsse in Höhe von jeweils etwa 1,6 Millionen Euro vom Kulturraum. Ob es künftig noch mehr werden, darüber muss – voraussichtlich im März – der Kreistag in Nordsachsen entscheiden.


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