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LVZ Delitzsch-Eilenburg; S. Brost

Probleme mit Notarzteinsätzen in Nordsachsen. Drei Notarztwagen waren über Ostern nicht durchgängig besetzt / Landratsamt drängt auf Verbesserungen

Nordsachsen. Ein lebensbedrohlicher Gesundheitszustand oder ein schwerer Verkehrsunfall, wo es um Sekunden geht – und dann ist weit und breit kein Notarzt zur Stelle. Eine Situation, die man sich nicht näher ausmalen will. Wie jetzt bekannt wurde, waren über die Osterfeiertage die drei Notarztwagen Delitzsch, Eilenburg und Oschatz nicht durchgängig besetzt.

Am Schlimmsten traf es Eilenburg und Oschatz. Deren Fahrzeuge war vom 1. April, 6 Uhr, bis 3. April, 7 Uhr, nicht mit einem Notarzt besetzt. In Delitzsch war das Fahrzeug vom 2. April, 19 Uhr, bis 3.April, 7.30 Uhr, nicht besetzt und damit der Altlandkreis Delitzsch notärztlich nicht abgedeckt. Auf diesen Missstand machte ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes, der namentlich nicht genannt werden will, aufmerksam.

„Fakt ist, dass die aktuelle Situation nicht schön geredet werden kann“, sagt Ordnungsdezernentin Angelika Stoye vom Landratsamt Nordsachsen. „Wir sind sehr bemüht, die Ausfallzeiten so gering wie möglich zu halten. Im vergangenen Jahr hatten wir jedoch noch deutlich mehr Probleme mit unbesetzten Notarztwagen. Langsam wird es besser.“

Verantwortlich für die notärztliche Versorgung ist die Arbeitsgemeinschaft Notärzte (Arge NÄV) mit Sitz in Dresden. Von dort aus werden die Einteilungen gemacht.

„Die Statistik sagt, dass es aktuell genügend Notärzte gibt. In Nordsachsen sind es zur Zeit 60. Entscheidend ist jedoch, ob diese Notärzte Zeit haben und bereit sind, entsprechende Einsätze zu fahren. Das alles beruht auf Freiwilligkeit“, so Stoye weiter.

Viele der Notärzte haben ein Anstellungsverhältnis im Krankenhaus. Arbeitszeitregelungen, Änderungen in der Personalorganisation, Stellenpläne, Kündigungen haben somit direkte Auswirkungen auf die Besetzung von Notarztdiensten. Alle Kliniken des Landkreises unterstützen die notärztliche Versorgung nach ihren Möglichkeiten. Die Krankenhäuser sind jedoch nicht verpflichtet, klinikinterne Dienstpläne oder Urlaubspläne mit dem Notarztdienstplan abzugleichen. Daher kommt es besonders in den Urlaubszeiten zu Besetzungsproblemen.

Die Motivation für solche 12-Stunden-Dienste war in der Vergangenheit zudem weitaus schlechter. Denn da galten in Sachsen noch die alten Vergütungspauschalen. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg wurden bereits höhere Entschädigungen bezahlt.

Seit diesem Jahr hat auch Nordsachsen und der Freistaat diese Vergütungspauschalen angepasst. Aktuell gibt es in Nordsachsen mit Delitzsch, Eilenburg, Schkeuditz, Taucha, Torgau, Oschatz und Wermsdorf sieben Standorte, wo Rettungswagen samt Notarzt stationiert sind. Zudem stehen in Dölzig zwei Rettungshubschrauber des ADAC mit Notarzt von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang für Einsätze bereit. Diese kommen immer dann zum Einsatz, wenn Notärzte in den ländlichen Regionen nicht verfügbar sind.

Die Besatzung der beiden Rettungshubschrauber können sich über mangelnde Beschäftigungs nicht beschweren. Jeden Tag fliegen die Luftretter fünf bis zehn Einsätze im Umkreis von 70 Kilometern von Borna über Delitzsch bis nach Torgau. „Im sogenannte Blaulichtgesetz ist geregelt, dass binnen zwölf Minuten der Notarzt an der jeweiligen Unfallstelle oder Einsatzort abgesetzt sein muss. Meist sind die Besatzungen der Rettungswagen etwas schneller vor Ort als der Notarzt. Sie beginnen dann bereits mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen“, weiß Stoye.

Die Landkreis will in den nächsten Monaten bei der Arge NÄV weiter auf die Verbesserung der Situation für künftige Notärzte drängen. Deswegen rühren die Verantwortlichen jetzt kräftig die Werbetrommel mit der deutlich verbesserten Vergütung, um junge Ärzte zu animieren, die Zusatzausbildung zum Notarzt zu absolvieren. „Wir sind auch in Gesprächen mit den Krankenkassen, dass die Lehrgangskosten zur Zusatzausbildung zum Notarzt übernommen werden und dass deutlich mehr Lehrgänge angeboten werden. Die sind aktuell noch Mangelware. Deswegen versuchen wir mit den Kassen die Gesamtsituation zur Notarztproblematik zu verbessern“, so Stoye.


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