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LVZ, T. Lieb

SOS in der Rettungsleitstelle Leipzig: Zu wenig Personal, viele falsche Notrufe

Bis Jahresende bis zu 4000 Überstunden angehäuft / Gewerkschaft: Mitarbeiter an der Belastungsgrenze.

Leipzig. Knapper Personalbestand, zu viele falsche Notrufe wegen Bagatellfällen und Streit um die Finanzierung: Die Integrierte Rettungsleitstelle Leipzig (IRLS) arbeitet offenbar an der Belastungsgrenze. So geht die Landesgruppe Sachsen der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) davon aus, dass sich in der IRLS Leipzig bis zum Jahresende 4000 Überstunden anhäufen werden.

„Wir kennen Stundenkonten von Mitarbeitern, die 120 bis 160 Mehrarbeitsstunden erwarten lassen“, bestätigt Thomas Schuppe, der Gewerkschafts-Vizechef in Sachsen. Neueinstellungen von Disponenten würden lediglich altersbedingte Abgänge kompensieren. Schuppe funkt in Sachen Leitstelle SOS: „Die Personalstärke in Leipzig – Sachsens zweitgrößter Großleitstelle – ist zu gering. Im sensiblen Bereich der Gefahrenabwehr werden Höchstarbeitsgrenzen regelmäßig überschritten. Das sehen wir arbeitsrechtlich sehr kritisch.“ Und: Die Probleme haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt.

Seit der Inbetriebnahme der IRLS Leipzig im Januar 2016 – Delitzsch wurde 2017, Grimma 2018 aufgeschaltet – hält die Kritik an ihrer Betriebsfähigkeit an. Vor allem nach Fällen nicht eingehaltener Hilfsfristen oder nicht angenommener Notrufe wird die Zentralisierung der regionalen Leitstellen infrage gestellt. So hatte zuletzt ein Fall aus Wurzen für Empörung gesorgt, als ein Notruf minutenlang in der Warteschleife hängen blieb. Ein 15 Monate altes Kleinkind hatte einen schweren Fieberkrampf erlitten – die Eltern versuchten vergeblich, in der Rettungsleitstelle durchzukommen und fuhren schließlich selbst in die Notaufnahme der Wurzener Klinik.

Leipzigs Branddirektor Axel Schuh kennt die Kritik, hält aber dagegen: „Wir haben seit Inbetriebnahme der Integrierten Rettungsleitstelle die Leistungsfähigkeit verbessert. Wir sind aktuell bei einer Erfolgsquote von knapp über 90 Prozent bei der Verarbeitung von Notrufen. Und stehen damit vergleichsweise gut da.“

Personalengpässe räumt aber auch die Branddirektion Leipzig ein. Insbesondere wegen entstehender Lücken durch einen hohen Ausbildungsbedarf sowie bei Vertretungen im Krankheits- oder Urlaubsfall. „Wir haben uns nie gegen mehr Personal gewehrt“, so Schuh. So wurde der Personalbedarf erst 2018 anhand aktueller Entwicklungen neu berechnet (steigende Einsatzzahlen, demografischer Wandel, längere Einsatzzeiten). Ergebnis: Es sind mehr Stellen notwendig. „Der aufgezeigte Stellenmehrbedarf ist derzeit noch im Genehmigungsverfahren“, sagt IRLS-Abteilungsleiter Sebastian Misch.

Zudem gibt es Streit um die Finanzierung. Neben der Stadt Leipzig und den Krankenkassen sind hier auch die beiden Landkreise mit im Boot. Gerade denen wirft die Feuerwehr-Gewerkschaft eine zu rigide Sparpolitik vor. Thomas Schuppe: „Sicherheit gibt es nicht zum Spartarif. Die Gebietskörperschaften müssen bei der Bemessung und Bezahlung der Disponenten die Kostenbremse lösen.“

Henry Graichen, CDU-Landrat des Landkreises Leipzig, sieht das anders: „Seit dem Start der IRLS wurde der Personalbestand mehr als verdoppelt, im Vergleich zu den einzelnen Leitstellen zuvor.“ Damit dürfte es eigentlich keine Engpässe geben. Kritisch sehe man dagegen die Arbeitsorganisation der IRLS: Neues Schichtsystem und die geänderte Aufgabenverteilung (Call-Dispatcher) würden zusätzliches Personal binden.

Für eine weitere Belastung der IRLS-Mitarbeiter sorgt das drastisch veränderte Notrufverhalten der Bevölkerung. So würde immer häufiger bei Bagatellfällen der Notruf gewählt. In dieser Zeit sei dann die Leitung für wirklich kritische Fälle blockiert, so Branddirektor Schuh.


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