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Peter Streubel

Warum ich am Sonnabend am Gedenkstein auf dem Oschatzer Friedhof war

Der 27. Januar ist der Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes. Stadt- und Kreisrat Peter Streubel nennt Gründe, warum er an der Gedenkveranstaltung auf dem Oschatzer Friedhof teilgenommen hat:

- Vor 85 Jahren, in den Frühjahrsmonaten April bis Mai, 1933 richteten Oschatzer NSDAP und SA vor den „Toren“ unserer Stadt, im Oschatzer Stadtwald, ein eigenes Konzentrationslager ein. Gelände und Gebäude (ein städtisches Kinderheim) wurden von der damaligen Stadtverwaltung den nazistischen Häschern ohne größere Bedenken einfach überlassen. Anfang April 1933 konnten so 120 Personen in Oschatz verhaftet, in der Roten Kaserne (Dresdener Straße) eingesperrt und dann zum Neumarkt „zur Schau“ getrieben werden. Auf dem Weg dorthin, unter den Fenstern des Rathauses wurden die ersten Gefangenen (KPD-Mitglieder, aber auch Sozialdemokraten und Reichsbannerleute!) beleidigt und misshandelt. Nach der „Schau“ trieben auch Oschatzer selbst die Gedemütigten über die Wermsdorfer Straße in Richtung Lager Pappenheim. Die Qualen gingen weiter: Besonders abends und nachts organisierten die teils angesoffenen SA-Schinder (Leiter: ein gewisser Schiemann aus Mügeln) „deutsche Abende“ mit Scheinhinrichtungen (Anlegen einer Halsschlinge oder Grabausheben vor einer möglichen Erschießung).

Am Tag mussten die Gefangenen sinnlose Arbeiten in einen nahen Steinbruch erledigen und schließlich wurden sie in der Dunkelheit per Lastwagen ins KZ Colditz abtransportiert. Das traf alles auch weitere 50 Gefangene, die dann im KZ Sachsenburg landeten. Erst 15 Jahre später (ab 1948) konnten staatsanwaltlich und gerichtlich die Unmenschlichkeiten im Lager Pappenheim bewertet und geahndet werden.

- Vor 80 Jahren, im Spätherbst 1938, mussten sich die letzten jüdischen Bewohner, Oschatzer, zerstreuen und flüchten, um niederträchtigen rassistischen Rachegelüsten und Aktionen zu entgehen.

- Während des Krieges war Oschatz auch ein Standort als Kriegsgefangenenlager (Stalag IVG). Eine sich aktuell im Rathaus befindliche Ausstellung zählt die vielen Nationalitäten und einige bewegende Einzelschicksale auf.

- Und zum Schluss: Oschatz und die Oschatzer selbst! Nach der Stalingrader Schlacht wurden immer mehr Jugendliche in die Kriegsmühle gezogen (über den HJ-Dienst in Flakstellungen, in die letzten Kriegstaumel), galt es „Ausgebombte“ (viele Hunderte), „Umsiedler“ und Flüchtlinge aufzunehmen. 1945 wurden Oschatzer im Gebiet um den Neumarkt selbst hilflose Zeugen der Todesmärsche für todgeweihte KZ-Häftlinge.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

 


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