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LVZ, Delitzsch-Eilenburg

"Wir sind da, wenn wir gebraucht werden"

Wenn Veranstaltungen abgesichert oder große Notfall-Einsätze absolviert werden müssen, dann sind sie immer mit vor Ort – die Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes. Was aber nicht jeder weiß: Die Frauen und Männer machen dies ehrenamtlich. Wir haben einmal zwei von ihnen –

Jan Näther und Michael Bagusat-Sehrt gefragt, was sie zu einem Engagement mit so viel Verantwortung motiviert.

Manchmal ist es vielleicht nur ein Pflaster nach einem kleinen Sturz. Doch ein anderes Mal ist es ein Kreislaufzusammenbruch oder eine Kopfverletzung, die sofort vor Ort so weit behandelt werden müssen, dass der sichere Transport bis ins Krankenhaus gewährleistet ist. Die Sanitäter des DRK-Kreisverbandes Torgau-Oschatz e.V. tragen viel Verantwortung. Doch was viele nicht wissen: Sie machen es freiwillig im Ehrenamt neben ihrem eigentlichen Beruf. Und das bedeutet, dass sie viele Stunden für eine wichtige Aufgabe aufbringen müssen.

Egal ob große Einsätze, Übungen oder die Absicherung von Festveranstaltungen – überall sind Sanitäter anzutreffen. So war auch der Oschatzer Jan Näther, Zugführer des DRK Katastrophenschutzzuges Torgau-Oschatz, beim großen Jubiläum des Wermsdorfer Horstseefischens dabei. Während das Fest auch durch das traumhaft schöne Wetter ein voller Erfolg war, sorgte genau dieser Temperaturumschwung bei einigen Besuchern für Kreislaufschwierigkeiten. So schlimme, dass auch der Weg ins Krankenhaus nicht ausblieb. Genau für diese Fälle sind die Sanitäter im Einsatz. „Wir sind da, wenn wir gebraucht werden. Natürlich ist es auch schön, wenn sich Leute einfach so bei uns für unsere Arbeit bedanken. Und auch mit uns ins Gespräch kommen. Denn viele denken, dass wir dieser Aufgabe beruflich und nicht ehrenamtlich nachgehen.“

Der Oschatzer selbst ist durch einen Zufall im Jahr 2000 zum DRK Ortsverein Dahlen gekommen. Seine Cousine war als Rettungsschwimmerin im Dienst und diese Aufgabe faszinierte ihn. So fing er an, über die Wasserwacht eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer zu machen, und sorgte später für die Sicherheit der Badegäste in der Kiesgrube Luppa. 2006 folgte die Ausbildung zum Sanitäter. Dadurch konnte er für die Absicherung großer Veranstaltungen – wie Reitturniere, Motorcross oder eben Volksfeste wie das Fischerfest in Wermsdorf – eingesetzt werden. Auch der Tag der Sachsen und das Pfingstcamp des Jugendweiheverbandes sind jährliche Veranstaltungen, bei denen die Sanitäter zur Sicherheit vor Ort sind.

2012 wurde Jan Näther schließlich Bereitschaftsleiter des DRK Ortsvereins Dahlen. Mit dieser Funktion übernahm er die Planung von Personal und Material bei Veranstaltungen, er schreibt Angebote und übernimmt seitdem viele weitere Aufgaben. Nach dem Rücktritt des ehemaligen Kreisbereitschaftsleiters des DRK Kreisverbandes Torgau-Oschatz im Jahr 2013, trat Jan Näther in dessen Fußstapfen und hatte somit die Bereitschaftsleiter unter sich. Gleich im selben Jahr wurden seine Fähigkeiten als Führungskraft auf die Probe gestellt. Denn das Hochwasser forderte die Katastrophenschutzeinheit heraus. Die Erfahrungen, die er zu dieser Zeit machen konnte, ermutigten ihn, 2014 offiziell in den Katastrophenschutz einzutreten. Zudem machte er in den folgenden Jahren die Ausbildung zum Gruppen- und Zugführer. „Doch egal was wir für Einsätze haben – wenn die Leute unsere Hilfe brauchen, sind wir da“, so Jan Näther. Und das alles im Ehrenamt.

Es ist noch nicht lange her, da konnte man auch Michael Bagusat-Sehrt im Dienste des DRK sehen. Bei einer Feuerwehrübung in Zwethau erklärte er Kameraden der verschiedenen Feuerwehren, wie das Zusammenspiel zwischen Sanitätsdienst, Technischem Hilfswerk und Feuerwehr im Katastrophenfall funktioniert. „Was bringen wir mit? Was machen wir? Wo sind Schnittstellen? Was können die Feuerwehrkameraden von uns benutzen? Rettungs- und Bergungsmittel gibt es von uns. Und die dringend benötigte Manpower kommt von den Kameraden der Feuerwehr. Im Vergleich zu der Zeit vor sieben Jahren hat es hier erhebliche Veränderungen gegeben. Die Einsatzgröße ist verkleinert, dafür qualitativ hochwertiger.“ Auch die ehrenamtliche, sanitätsdienstliche Schnelle Einsatzgruppen (SEG) wird mit Pieper und Alarmruf kontaktiert und zum Einsatzort gerufen.

Doch wie kam der Torgauer Bagusat-Sehrt dazu, sich für den Sanitätsdienst als ehrenamtliches Mitglied zu melden? „Ich wollte unbedingt ein Auto mit Blaulicht fahren“, sagt er mit einem Lachen. „Ich hatte einen Freund im Katastrophenschutz-Zug. Das hatte mich interessiert und da bin ich hängengeblieben. Das war eigentlich nicht geplant.“ So begann er 2008 mit den Hilfstätigkeiten beim DRK und machte schließlich eine Weiterbildung zum Sanitäter. „Die Menschen fetzen und die Aufgaben fetzen.“

Zu der Grundausbildung zum Sanitäter gehört mehr als die erweiterte Erste Hilfe, er lernte, wie er mit der Sanitätstechnik umgehen kann und wozu eine Infusion da ist. Auf die Probe gestellt wurde er 2013 zur Flut. Hier übernahm er die Führungsaufgaben. „Irgendjemand musste diese Aufgabe übernehmen. Danach machte ich die Ausbildung zum Gruppenführer und wurde später stellvertretender Katastrophenschutzbeauftragter. Schließlich wurde ich zum Gruppenführer der SEG, die im Einsatz aus zwölf Besatzungsmitgliedern mit drei Mehrtragenkrankenwagen und dem Gerätewagen Sanität besteht. Wir müssen eine Sanitätsausbildung haben, denn es ist wichtig, dass die Opfer soweit transportfähig gemacht werden, dass sie lebendig im Krankenhaus ankommen“, erklärt der 44-Jährige.

In Nordsachsen gibt es hiervon vier Einheiten – in Torgau, Eilenburg, Delitzsch und Taucha. Diese rücken bei einem sogenannten MAVV – einem Massenanfall von Verletzten – alle aus. „Zudem steht in Delitzsch ein Abrollcontainer mit doppelter Ausstattung eines Gerätewagens Sanität. Wir haben sechs Zelte und einen Behandlungsplatz für 50 Patienten, die wir innerhalb von einer Stunde behandeln können, um Platz für die nächsten zu schaffen. Wir üben für den Fall, der hoffentlich nie eintritt.“

Michael Bagusat-Sehrt ist froh darüber, einen solchen Fall noch nicht miterlebt haben zu müssen. Jedoch waren sie bei der Völkerschlachtdarstellung vor mehreren Jahren mit dabei und hatten alles aufgebaut. Auch bei der Landesübung in Borna haben sie den Massenanfall von Infektionen geprobt. Doch was gab es in unserer Region für Einsätze? Da gab es den Wohnungsbrand bei einer Großfamilie in Torgau, ein Hausbrand in der Nähe des Kreiskrankenhauses Torgau und den Blitzeinschlag auf dem Festivalgelände von „With Full Force“ in Roitzschjora. „Bei Letzterem waren wir aber nicht vor Ort. Bei uns in Nordsachsen gab es noch die Evakuierung eines Altenheims in Wermsdorf bei einem Brand. Hier haben wir für eine Notunterkunft mit Feldbetten gesorgt. So wurden mitten in der Nacht mal schnell 30 Feldbetten in einer Notunterkunft aufgebaut, damit die Senioren zur Ruhe kommen konnten.“

Doch der härteste Einsatz war ohne Frage die Flut 2013. „In Torgau haben wir die Versorgung von mehreren Tausend Menschen übernommen. Das waren 3942 Portionen pro Frühstück, Mittagessen und Abendbrot und das mit bis zu neun Feldküchen. Eines Nachts kam eine Hundertschaft der Polizei rein. Sie hatten Hunger. So wurden alle mobilisiert und wir schafften es, binnen weniger als einer halben Stunde, die Polizisten mit 120 Portionen warmer Mahlzeit inklusive Getränke zu versorgen. Vier Wochen lang waren wir im Einsatz, ohne nach Hause zu fahren. Es war hart, aber auch ein besonderes Erlebnis.“

Für Michael Bagusat-Sehrt sind die Aufgaben beim DRK eine perfekte Abwechslung vom Arbeitsalltag und eine Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „Man steckt viel Herzblut rein. Und es ist schön, wenn man den Menschen nicht nur helfen kann, sondern auch dabei unterstützt, Leben zu retten.“ Dabei erinnert er sich an den Mann, der beim Tag der Sachsen in Torgau umgekippt ist und noch in letzter Minute mit dem Helikopter ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Einige weitere Beispiele fallen dem Torgauer hier ein. „Ich bleibe beim DRK, solange sie mich hier haben möchten und es arbeitstechnisch, gesundheitlich und familiär machbar ist.“


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