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Torgauer Zeitung, 30.11.2020, S.32

Wird ein Corona-Impfzentrum für Nordsachsen reichen?

In dieser Woche entschied sich, welcher Standort für unseren Landkreis ausgewählt wird.

Nordsachsen. Dass Nordsachsen ein Corona- Impfzentrum bekommen wird, steht fest. Offen ist allerdings nach wie vor, wo das sein wird. der Freistaat hat dem DRK- Landesverband Sachsen mit der Koordinierung der Errichtung und des Betriebs der Corona- Impfzentren beauftragt. In Nordsachsen ist der Kreisverband Torgau- Oschatz federführend. Wie überall in Sachsen befindet man sich auch in Nordsachsen in der sogenannten Erkundungsphase, in der die potentiellen Liegenschaften auf ihre Eignung geprüft werden. Dr. Kai Kranich, Pressesprecher des Landesverbands Sachsen, erklärt, welche Bedingungen die künftigen Impfzentren erfüllen müssen.

Zu den Kriterien gehören demnach eine mögliche räumliche Unterteilung für einzelne Stationen- darunter Anmeldung, Wartebereich und ein gesicherter Lagerraum, ausreichend Parkplätze, gute Anbindung an den ÖPNV, ausreichend sanitäre Anlagen und ausreichend Platz auf den Fluren und in Funktions- und Warteräumen zur Wahrung des Infektionsschutzes. Wichtig sei zudem eine gute Internetverbindung. 

Ob süäter zusätzlich Außenstellen der Impfzentren errichtet werden, hängt laut sächsischem Sozialministerium beispielsweise von Entfernungen und zu impfenden Gruppen ab. Das mobile Team- das jedem Impfzentrum zugeordnet wird- soll vor Ort dann bestimmte Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheime oder an kurzzeitig eingerichteten lokalen Impstellen zum Einsatz kommen.

Personalfragen

Beim Aufbau der Impfzentren setzt das DRK ganz stark auf seine Ressourcen im ehrenamtlichen Bereich. "keine Frage", sagt Dr. Kai Kranich, "nicht erst seit der Corona- Pandemie wissen wir, was unsere Ehrenamtler im Stande sind zu leisten. Doch wir bauen auch auf Unterstützung anderer Hilfsorganisationen", zählt er THW, Johaniter oder Caritas als Beispiele auf. Enge Kontakte bestehen auch zum Verbindungskommando der Bundeswehr. für den Betrieb der Zentren werden dann aber wohl hauptamtliche Strukturen geschaffen.

Woher kommen nun aber die Ärzte für die Besetzung des Zentrums?

"Die KV- Sachsenwird bei der Durchführeung der Impfungen mit ärztlichem Personal unterstützen. Wie die Abläufe im Detail aussehen, wird derzeit noch abgestimmt", konnte KV- Pressesprecheerin Katharina Bachmann- Bux am Freitag keine Details mitteilen. Sowohl im Torgauer Ärztenetzwerk als auch im Krankenhaus Torgau, das zuletzt einen Arzt an das Nordsächsische Gesundheitsamt abgestellt hatte, waren bis Ende vergangener Woche keine Fragen auf Unterstützung eingegangen. Alexander Schur, Koordinator des Ärztenetzwerks, rechnete auf TZ- Nachfrage vor, dass in der Region Torgau ohnehin schon elf Hausärzte fehlen. Damit sei man bereits an der Grenze des Leistbaren angelangt. "Da kann man nicht so einfach jemanden herausziehen."

Differenziertes Bild

Ob ein Standort reicht, will der Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag, Rayk Bergner, nicht beurteilen. "Natürlich wäre eins besser als zweiund kurze Wege sind immer wünschenswert." Er verlasse sich aber auf die Experten von Sozialministerium und DRK, die am Besten wüssten, welche Bedingungen die Standorte erfüllen müssten.

"Ein Zentrum  reicht eindeutig nicht aus", sagt der SPD/ Grüne- Fraktionschef Heiko Wittig. Darüber sei man sich auch im Kreistag mit dem Landrat einig gewesen. Der Löbnitzer wünscht sich schnell Klarheit über Standort und Abläufe, "da uns bereits viele Bürgeranfragen erreichen." Er wünscht sich, dass der Landkreis künftig noch besser "vor die Lage kommt".

Der Langenreichenbacher Detlef Bölke feierte am Freitag nicht nur Geburtstag er ist auch Kreisrat der Freien Wähler. Seiner Meinung nach reicht aktuell ein Impfzentrum aus. "Es ist zur Zeit unklar wie der Bedarf aktuell ist und wie er sich entwickelt." Denn nach wie vor gebe es Orte, in denen kaum Fälle verzeichnet sind. Dort sei die NAchfrage nach einer Impfung verhalten. Auch bundesweite Umfragen belegen derzeit noch eine gewisse Zurückhaltung beim Thema Impfen. "Wenn aber die Nachfrage enorm steigt, muss auch bei den Impfzentren nachgebessert werden", so Detlef Bölke.

Der Vorsitzende der LINKEN im Kreistag, Dr. Michael Friedrich, fordert unverzügliche Vorkehrungen für flächendeckende COVID-19- Schutzimpfungen in Nordsachsen. "Die große Frage ist, ob in unserem dünnbesiedelten Flächenlandkreis dafür ein Impfzentrum ausreichen kann, egal ob es nun in Torgau oder in einem anderen Mittelzentrum wie etwa im verkehrsgünstigen  Eilenburg entsteht. Gefühlsmäßig bin ich dafür , alle Mittelzentren mit einem solchen Impfzentrum auszustatten, wofür große Sporthallen in Frage kämen. Darüber hinaus sollte es eine Art Impfbus für die ländlichen Gebiete und die Alten- und Pflegeheime geben. Ob dies jedoch logistisch und finanziell darstellbar ist, mögen die Fachleute entscheiden.", so der erfahrene Landes- und Kommunalpolitiker.

Mit Blick auf den erwartenden logistischen Aufwand hält Dr. Michael Friedrich die vorgesehenen großen Impfzentrenin den Landkreisen für sinnvoll. Schließlich gehe es darum, die Hausärzte zu entlassten, über mindestens ein halbes Jahr hinweg reibungslose Logistikketten für Zehntausende Impfdosen zu sichern, die in teuren Kühlsystemen bei bis zu -70 Grad lagern müssen, ein IT- gestütztes zuverlässiges Bestell- und Dokumentationssystem für mehrere Tausend Impfungen pro Tag aufzubauen, über viele Monate hinweg aureichendes ärztliches und nichtärztliches Personal für die Impfungen ab- und von anderen medizinischen Aufgaben freizustellen undnicht zuletzt für attraktive ÖPNV- Verbindungenund ein großzügiges Parkplatzangebot zu sorgen. Aber der LINKE- Fraktionschef mahnt:" Auch die auskömmliche finanzierung muss geklärt werden, denn es kann nicht sein, dass der Landkreis auf den zu erwartenden Kosten in sicherlich zweistelliger Millionenhöhe sitzen bleibt. Es ist klar, dass diese anspruchsvolle Aufgabenfülle nur mit einem hohen Grad an Zentralisierung zu meistern sein wird." 


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