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LVZ, Delitzsch-Eilenburg, A. Dunte

Zu langes Warten auf die Retter - Maximale Anfahrzeit von zwölf Minuten wird in ganz Sachsen nicht erreicht / Linke sieht Landesregierung in der Pflicht

Quelle: pixabay

Leipzig. Im Notfall zählt jede Sekunde. Doch die Rettungsdienste in Sachsen halten nirgendwo die gesetzlich vorgegebenen Hilfsfristen ein. Besonders krass ist die Situation im Landkreis Leipzig: In 35 Prozent aller Fälle kam der Notdienst im zweiten Halbjahr 2018 zu spät. Auch im Landkreis Nordsachsen und in der Stadt Leipzig kommen die Retter nur in 73 Prozent der Fälle im vorgegebenen Zeitfenster bei den Hilfesuchenden an.

Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Susanne Schaper hervor. Eigentlich soll die Frist von zwölf Minuten in 95 Prozent aller Notfälle eingehalten werden. So schreibt es der Gesetzgeber vor. Diese Quote werde aber in ganz Sachsen unterschritten, kritisiert Schaper. Man könne nur hoffen, dass niemand einen lebensbedrohlichen Notfall erleidet. Am besten steht noch der Rettungszweckverband Südwestsachsen mit einer Pünktlichkeitsquote von 91,36 Prozent da, gefolgt von der Stadt Dresden (90,36) und den Kreisen Mittelsachsen (86,35) und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (83,16). Schaper sieht die schwarz-rote Regierung in der Pflicht: „Statt selbst aktiv zu werden und Initiativen zu ergreifen, schiebt man den schwarzen Peter den Rettungsdiensten zu und tut nichts, um diese zumindest bei der Einhaltung der Hilfsfristen zu unterstützen.“

Der Kreis Nordsachsen verfügt über fünf Rettungswachen mit zehn Außenstellen und sieben Notarztstandorten für den bodengebundenen Rettungsdienst, zählt Claudia Pott, Ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes, auf. Hinzu kommen die beiden ebenfalls im Landkreis stationierten Rettungshubschrauber. Rein planerisch sei die rettungsdienstliche Versorgung im Flächenlandkreis sichergestellt. „Dennoch“, sagt sie, „wird die gesetzliche Hilfsfrist derzeit nicht erreicht.“ Um der Sache auf den Grund zu gehen, habe der Landkreis ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll Optimierungsmöglichkeiten in den Rettungsdienstbereichen eruieren.

Grimmas Bürgermeister Matthias Berger (parteilos) macht die Strukturen für den Missstand verantwortlich. Seit 2016 ist das Rettungswesen zentralisiert. Aus mehreren dezentralen Leitstellen blieb eine große in Leipzig übrig, sagt er. Lange Wege der Rettungskräfte zum Einsatzort seien die Folge. Berger schildert den selbst erlebten Fall eines Notrufs im Grimmaer Ortsteil Höfgen. Bei einer Veranstaltung hatte sich eine Frau, die gestürzt war, verletzt. Nach dem Notruf haben er und die anderen Helfer knapp eine Dreiviertel Stunde gewartet, bis der Notarzt vor Ort war. Die Frau, so Berger weiter, habe zwischenzeitlich fast das Bewusstsein verloren.

Und er nennt weitere Negativ-Beispiele, berichtet von Fällen, wo Rettungskräfte wegen fehlender Ortskenntnis zu lange umhergeirrt seien. Oder wo die Leitstelle Retter von einem Einsatzort zum nächsten beordert hatte. „Entfernung: 40 Kilometer. Voraussichtliche Fahrzeit: 35 Minuten!“

Ihren Ärger über das Rettungssystem haben auch mehrere nordsächsische Notärzte zum Ausdruck gebracht. In einer im Frühjahr veröffentlichen Petition an den Landtag fordern sie wie Berger die Rückabwicklung der Zentralen Leitstellen. Sie verweisen auf andere Bundesländer, wo das bereits geschehen sei.

In der Landeshauptstadt Dresden sollte man den Mut aufbringen, sich Fehler einzugestehen, sagt Grimmas Bürgermeister. „Die Zentralisierung der Rettungsdienste hat keine Verbesserung, sondern Nachteile gebracht. Früher hatten wir keine Mühe, die Hilfsfristen einzuhalten.“


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