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Torgauer Zeitung

Zu spät im Notfall: Retter verfehlen bei jedem vierten Einsatz die Hilfsfrist

Ordnungsamtschefin berichtet im Kreistag: nur in 72,1 Prozent der Fälle wird 12-Minuten-Zeitfenster eingehalten. //

 

Nordsachsen. Noch immer sind Nordsachsens Retter bei Notfalleinsätzen nicht schnell genug: 12 Minuten sollen zwischen dem Ende des Notrufgesprächs und dem Eintreffen des ersten "Rettungsmittels" - also entweder des Rettungswagens, des Notarztwagens oder des Rettungshubschraubers - vor Ort vergehen, so sieht es eine sachsenweit gültige Verordnung vor. Im Landkreis Nordsachsen werden diese Fristen jedoch weiterhin bei etwa jedem vierten Einsatz nicht eingehalten - obwohl im Notfall jede Minute zählt.

Bei den Kreisräten kamen die Zahlen gar nicht gut an. "Es ist schockierend, dass wir es nicht geschafft haben, die Zahlen über 80 Prozent zu kriegen", erklärte Heiko Wittig (SPD), Vorsitzender der Fraktion SPD/FDP/Grüne, mit Blick auf eine Kreistagssitzung im Juni, als die Hilfsfristen schon einmal Thema waren. Eine vom Landkreis für 2019 beabsichtigte Prüfung der bestehenden Planungen durch eine externe Fachfirma komme viel zu spät. "Da ist kein Tag zu verlieren, geschweige denn eine Woche." Die Beauftragung müsse schnellstmöglich erfolgen, forderte Wittig, der auch an die "alten Zeiten" erinnerte, als Nordsachsen schon einmal bei einer Quote von über 90 Prozent war.

Diese alten Zeiten sind jene Jahre, in denen die Rettungsleitstelle noch im Kreis selbst ansässig war. Inzwischen gibt es die Integrierte Rettungsleitstelle in Leipzig, die auch die Retter in Nordsachsen zum Einsatz schickt. Seither sank die Quote deutlich. So war es kein Wunder, dass nicht nur Wittig sein Unverständnis äußerte, auch Linken-Fraktionschef Michael Friedrich sprach noch einmal von einer "unsinnigen Zentralisierung".

Maßnahmen sind in der Planung

"Die jetzigen Zahlen sind nicht unser Anspruch", betonte auch Patricia Groth. Im Rahmen einer Analyse durch den Landkreis sein unter anderem festgestellt worden, dass die Übertragungszeit der Alarmierung oft zu lange dauert und dass Statusmeldungen von Rettungsdienstmitarbeitern nicht immer ordnungsgemäß bestätigt werden. Außerdem tauchen in der Statistik Verlegungs- und Fehlfahrten sowie Fahrten ohne Sonderrechte auf, was beispielsweise in der September-Statistik 3,6 Prozentpunkte ausmache, so Groth. Angeführt wurden auch längere Fahrtwege in die Kliniken mit Maximalversorgung (also beispielsweise in Leipzig oder Halle) und längere Übergabezeiten in Notaufnahmen - mit Auswirkung auf die Verfügbarkeit von Rettungsfahrzeugen für Folgeeinsätze. Als Maßnahme sei unter anderem geplant, die Handlungsrichtlinie für die Disponenten in Leipzig zu überarbeiten, erklärte Groth den Kreisräten. Zudem wolle der Kreis durch bessere Technik Zeitverzögerungen bei der Übertragung der Alarmierung vermeiden und gebietsübergreifende Einsätze von Rettungsfahrzeugen aus Nordsachsen im Kreis Leipzig oder in der Stadt Leipzig reduzieren. Zudem verspricht sich die Kreisverwaltung viel von besagter Prüfung durch eine Fachfirma. Diese solle, so die Behörde wörtlich, "die bedarfsgerechte Vorhaltung von Rettungsmitteln an den einzelnen Rettungswachenstandorten, abhängig von den derzeit vorhandenen Einflussgrößen wie Einsatzfrequenz und Einsatzdauer aber auch in Abhängigkeit des demografischen Wandels, untersuchen."
Als erfüllt gilt eine Hilfsfrist übrigens, wenn bei 95 Prozent der Notfalleinsätze im Jahr die vorgegebene Zeit eingehalten wird. Zudem variieren die Vorgaben von Bundesland zu Bundesland, erläuterte Patricia Groth - zwischen 17 Minuten in ländlichen Regionen in Thüringen und acht Minuten im Stadtstaat Hamburg.


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