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LVZ Delitzsch-Eilenburg

Zwei von drei Sachsen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Gefühl der Zurücksetzung in allen Altersklassen verbreitet – besonders unter jungen Leuten

Dresden/Leipzig. Fast drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall fühlt sich die Mehrheit der Sachsen noch immer benachteiligt. Zwei von drei Sachsen stimmen der Aussage zu: „Als Ostdeutscher bist du auch heute noch Bürger zweiter Klasse.“

Von den AfD-Wählern waren sogar 86 Prozent dieser Ansicht, wie aus einer repräsentativen Befragung von 1000 Sachsen hervorgeht, die das Leipziger Meinungsforschungsinstitut IM Field im Auftrag der in Dresden erscheinenden „Sächsischen Zeitung“ durchgeführt hat. Auch drei von vier Linke-Wählern (76 Prozent) stimmten dieser Aussage zu. Am wenigsten waren CDU-Wähler (58 Prozent) dieser Ansicht.

Das Gefühl der Zurücksetzung macht sich demnach in allen Bildungsschichten und Altersklassen breit. Besonders ausgeprägt ist es bei den über 65-Jährigen (73 Prozent). Während die Zustimmung im mittleren Alter sinkt und bei den 30- bis 45-Jährigen noch 62 Prozent Nachteile empfinden, nimmt dieses Gefühl bei jüngeren Menschen zwischen 18 und 29 Jahren wieder deutlich zu.

Nach Ansicht des Soziologen Gert Pickel von der Universität Leipzig hat dieses ausgeprägte Anerkennungsdefizit weniger mit DDR-Nostalgie zu tun. Rund jeder Fünfte sieht sich als Verlierer der Wiedervereinigung. Die massenhaft empfundene Zurücksetzung bezieht sich „auf die Anerkennung der Lebensleistung in Beruf und Arbeit. Immerhin ein Viertel der Sachsen klagt hier über Defizite“, erklärt der Forscher.

Warum sich gut 70 Prozent eben jener Generation, die die DDR nicht mehr aus eigenem Erleben kennt, besonders benachteiligt fühlt, müsse noch genauer untersucht werden, betont der Leipziger Wissenschaftler. Auf LVZ-Nachfrage nennt er die Weitergabe negativer Erfahrungen im Familien- und Bekanntenkreis als möglichen Grund. Die wachsende Ausprägung dieses Lebensgefühls unter jungen Menschen könnte „einerseits auf eigenen Erfahrungen beruhen, die sich aus Mobilität in den Westen und der dort immer noch schnellen Einschätzung als ,Ossi’ ergeben.“ Andererseits könne sich das „aus neuen Identitätsdebatten ergeben, die nicht zuletzt durch die Migration angeregt wurden“, so Pickel. Wichtig sei in jedem Falle, „dass man sich selbst zumeist nicht als Verlierer fühlt, aber eben als Zugehöriger des Kollektivs ,der Ostdeutschen’“.

Die Umfrage belege erneut, „dass das Thema Gerechtigkeit die Sachsen enorm beschäftigt“, sagte SPD-Landtagsfraktionsvize Henning Homann. Ein Drittel der Aufbaugeneration von 1990 gehe bald in Rente und drohe „als direkte Folge der geringen Löhne und Verwerfungen der Deutschen Einheit in der Grundsicherung zu landen. Und das, obwohl diese Sächsinnen und Sachsen ihr Leben lang gearbeitet haben.“

Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt sagte, „die soziale Spaltung ist der Unsicherheitsfaktor Nummer eins in der sächsischen Gesellschaft“ und forderte die SPD auf, bei der Beseitigung der Nachteile für Ostdeutsche mit der Linken „gemeinsame Sache“ zu machen.


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