Zum Hauptinhalt springen

LVZ, Delitzsch-Eilenburg

Delitzscher Stadtwerke-Chef: Preisschock ab 2023 zu erwarten

Viele Strom-Kunden werden trotz höherem Grundtarif 2022 entlastet. Doch die Teuerung kommt, sagt Geschäftsführer Greb und fordert, Boykott-Auswirkungen klar zu benennen.

Delitzsch. Normalerweise ist der Grund- und Ersatztarif für Strom nicht der Tarif der Wahl. Es ist der Tarif, der quasi zum Anschluss dazu geliefert wird, weil ja jeder Haushalt grundsätzlich mit Strom versorgt werden muss. Normalerweise hat jeder die Wahl, sich preiswerter zu versorgen. Heißt: Die Wahl, zu anderen Anbietern oder in einen anderen Tarif des Grundversorgers zu wechseln. Doch das trifft seit einigen Monaten nicht mehr zu. Das ist auch im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Delitzsch (SWD) so. 

Zum 1. Juni kündigen die SWD nun an, die Strompreise in der Grund- und Ersatzversorgung zu erhöhen. Geschäftsführer Robert Greb erklärt die Zahlen: SWD-Grundtarife setzen sich aus einem Grundpreis und einem Arbeitspreis zusammen. Der Grundpreis bleibt konstant. Der Arbeitspreis erhöht sich zum 1. Juni von 30,92 auf 35,59 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Großes Aber: Zum 1. Juli wird er wieder auf 31,16 Cent/kWh sinken. Unterm Strich bliebe damit die Mehrbelastung für einen normalen Haushalt mit einem Verbrauch von 1800 kWh aufs Jahr gerechnet gering. Sie beträgt für 2022 circa 8 Euro.

Das Energieunternehmen EnviaM, das in Bad Düben und vielen nordsächsischen Dörfern Haushalte mit Strom versorgt, erhöht ebenso zum 1. Juni die Preise. Pro Kilowattstunde Strom sind dort 3,22 Cent mehr zu zahlen. Die Stadtwerke Eilenburg verzichten auf eine Erhöhung.

Entlastung: EEG-Umlage entfällt

Grund für die Erhöhungen sind die stark gestiegenen Energiepreise als Folge der Corona- und vor allem der Ukraine-Krise. Innerhalb eines Jahres vervierfachten sich die Strompreise, zu denen sich die Stadtwerke Delitzsch an den Energiebörsen den Strom für ihre Kunden kaufen. Der Grund für die Senkung ab 1. Juli ist die Abschaffung der EEG-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die Bundespolitik federt die Preissteigerungen für dieses Jahr ab. Und: Fast 50 Prozent der SWD-Strom-Kunden hat 2022 keine Preiserhöhung erhalten. Denn die SWD beschaffen die Energie langfristig, konnten also noch zu „alten“ Preisen einkaufen. „Für diese Kunden wird es deshalb in 2022 Entlastungen bei den Strompreisen geben“, erläutert der Geschäftsführer.

Einkaufspreise sind vervielfacht

Aber für die Zukunft sehe das anders aus: Denn innerhalb eines Jahres haben sich auch die Gaspreise, zu denen sich die Stadtwerke Delitzsch an den Energiebörsen eindecken, fast verfünffacht. Immerhin würden sich die Strompreise für die Verbraucher nicht vervierfachen, die Gaspreise nicht verfünffachen. „Die Beschaffungspreise im Strom gehen derzeit nur zu circa 50 Prozent, beim Gas allerdings perspektivisch zu 80 Prozent in den Endkundenpreis ein“, so Greb. „Der Rest sind Steuern und Umlagen. Das heißt aber trotzdem, dass der eigentliche Preisschock für die Mehrzahl der Haushaltskunden erst in den Jahren 2023 und den folgenden zu erwarten ist.“

Seine Prognose: „Sollte der Ukrainekrieg länger andauern, werden die Preiserhöhungen sehr stark ausfallen. Noch sehr viel stärker würden diese ausfallen, wenn es zu einem Boykott russischer Gaslieferungen käme, was zu ganz erheblichen Wohlfahrtsverlusten in unserer Gesellschaft führen würde.“ Bei den anstehenden politischen Entscheidungen über mögliche Öl- und Gasboykotte seien die Auswirkungen klar zu kommunizieren. „Und es ist meines Erachtens ein breiter gesellschaftlicher Konsens darüber herbeizuführen, ob wir trotz der Tragik des Krieges bereit sind, diese Lasten auch langfristig zu tragen.“

Grundtarif günstigstes Angebot

Die Stadtwerke Delitzsch versorgen insgesamt mehr als 15 500 Haushalte mit Strom, davon circa 4000 in der Grund- und Ersatzversorgung. Die Zahl der letzteren ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Wegen der gestiegenen Einkaufspreise mussten bereits viele Billig-Anbieter Insolvenz anmelden, oder zumindest die Geschäfte einstellen. Diese Kunden müssen nun von den Stadtwerken ersatzversorgt werden. „Derzeit ist die Grund- und Ersatzversorgung der günstige Tarif, den wir anbieten, und er steht nur Delitzschern zur Verfügung. Der Tarif ist auch günstiger als alle derzeit verfügbaren Angebote von anderen Anbietern“, so Greb.

Wir hoffen, dass Sie das vergangene Jahr gut überstanden haben und mit Zuversicht im Neuen ankommen konnten. Das bleibt eine Herausforderung, der wir uns alle stellen dürfen.

Aber: Es war nicht alles schlecht und es wird nicht alles schlecht. Dafür setzen wir uns als LINKE weiter ein. Wir wünschen uns und Ihnen ein soziales, friedliches, gerechtes und nachhaltiges Miteinander in Nordsachsen.

Unsere überarbeitete Datenschutzerklärung finden Sie hier.