Zum Hauptinhalt springen

LVZ, Delitzsch-Eilenburg

„Massive Personalengpässe in der frühkindlichen Bildung“

In nordsächsischen Kindereinrichtungen herrscht teilweise Personalmangel.

Die LVZ hat nachgefragt bei Mandy Renner, Leiterin des Jugendamtes im Landratsamt.

 

Nordsachsen. Für die neuen Grundschüler in Kyhna fehlen Hortplätze, in eine Delitzscher Kita können Kinder für anderthalb Monate nur drei Tage pro Woche kommen. Der Personalmangel ist schuld. Mandy Renner, Leiterin des Jugendamtes des Landkreises Nordsachsen, beantwortet Fragen dazu. Die Zukunft sieht sie nicht rosiger.

Wie steht das Jugendamt des Landratsamtes Nordsachsen zu diesen Fällen?

Dem Jugendamt sind die massiven Personal-Engpässe in der frühkindlichen Bildung bekannt. Mit Einführung des Rechtsanspruches auf einen Kita-Platz für Kinder ab vollendetem dritten Lebensjahr im Jahr 1996 und auf einen Krippenplatz für Kinder ab einem Jahr im Jahr 2013 wurde zwar den Bedarfen junger Familien und den gestiegenen Geburtenraten Rechnung getragen, eine Fachkräfteoffensive und Aufwertung des Erzieherberufes blieb damals aber leider aus. Perspektivisch ist abzusehen, dass sich der Fachkräftemangel mit der geplanten Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung noch weiter verschärfen wird, wenn der Bund, die Länder und Kommunen diesem nicht mit zielgerichteten Maßnahmen entgegentreten.

Kann der Landkreis irgendwelche Unterstützung oder Rat geben?

Das Jugendamt steht den Trägern der Kindertagesstätten mit seinen Kitafachberaterinnen und der Sachbearbeiterin für Kitabedarfsplanung und -Investitionen unterstützend zur Seite. Als zuständiger örtlicher Träger der öffentlichen Jugendhilfe hat der Landkreis den Bedarf an ausreichenden und verlässlichen Betreuungsangeboten für Kinder festzustellen und in jährlich stattfindenden Bedarfsplangesprächen festzuschreiben. Die Personalverantwortung liegt allein in der Hoheit des Trägers. Hier können wir mit Empfehlungen zur Personalgewinnung, Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit lediglich Impulse geben und den gemeinsamen Austausch suchen. Konkret im Fall der Gemeinde Wiedemar wurden gemeinsam mit den Elternvertretern aus den Kitas, des Hortes und der Grundschule bei einer Zusammenkunft am 21. Juni Lösungsoptionen besprochen, die zwei Wochen danach erneut auf den Prüfstand kommen.

Sind im Landkreis Nordsachsen weitere Fälle bekannt, in denen es zu solchen Einschränkungen bei der Betreuung in Kindertagesstätten oder Horten kommt?

Aktuell sind den Fachberaterinnen vier Einrichtungen bekannt, die aufgrund von Personalmangel Maßnahmen ergreifen mussten, um den Betriebsablauf in ihren Kitas zu sichern und eine Gefährdung des Kindeswohls abzuwenden. Hier ist anzumerken, dass die Träger nur gegenüber dem Landesjugendamt in der Pflicht sind, solche Einschränkungen zu melden und die Anzahl der Kindertageseinrichtungen, die Öffnungszeiten einkürzen müssen oder keine Kinder aufnehmen können, weitaus höher sein kann.

Ist es eine Aufsichtspflichtverletzung, wenn Eltern Kinder im Alter von sieben und acht Jahren regelmäßig unbeaufsichtigt zu Hause lassen?

Es gibt keine klare gesetzliche Regelung, ob und wie lange ein Kind allein bleiben kann. Die elterliche Fürsorge- und Aufsichtspflicht muss im Kontext des zunehmenden kindlichen Bedürfnisses nach Freiraum und dem Recht auf eigenständige Entwicklung betrachtet werden.

Somit verletzen Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht, wenn sie ihr Kind zeitlich begrenzt allein zu Hause lassen und dabei vorher mit ihm Regeln vereinbaren. Hierbei sollten die Eltern jedoch stets auch die Persönlichkeit, die Reife und den Charakter ihres Kindes im Blick haben und abschätzen, ob sie ihr Kind für einige Stunden ohne Aufsicht lassen können. Aus unserer Sicht ist es natürlich ratsamer, älteren als den jüngsten Grundschulkindern dieses Recht auf selbstständiges und verantwortungsbewusstes Handeln einzuräumen. 

Wir hoffen, dass Sie das vergangene Jahr gut überstanden haben und mit Zuversicht im Neuen ankommen konnten. Das bleibt eine Herausforderung, der wir uns alle stellen dürfen.

Aber: Es war nicht alles schlecht und es wird nicht alles schlecht. Dafür setzen wir uns als LINKE weiter ein. Wir wünschen uns und Ihnen ein soziales, friedliches, gerechtes und nachhaltiges Miteinander in Nordsachsen.

Unsere überarbeitete Datenschutzerklärung finden Sie hier.