Bürgerbeteiligung, Zeitplan, Nutzen - Entwicklung von Rechenzentrum beginnt
Das Projekt soll Rackwitz Millionen bringen. Belastungen für Mensch und Umwelt werden geprüft. Zukunftsweisendes Lokales vom 07. 11. 2025.
Rackwitz.
Es könnte die größte wirtschaftliche Ansiedlung in Rackwitz und ein Vorzeigeprojekt für die ganze Region werden: Ein neues Rechenzentrum soll bei Zschortau entwickelt und gebaut werden. Die Rede ist von Baukosten im Bereich von vier bis sechs Milliarden Euro. Die Planungen zum Projekt könnten noch in diesem Jahr beginnen, wie bei einer Infoveranstaltung für Bürger erklärt wurde. Doch wozu wird so ein Rechenzentrum benötigt und was bedeutet das für die Region und die Menschen vor Ort?
Wo liegt das Gewerbegebiet?
Das Areal, auf dem das Rechenzentrum entstehen soll, ist schon seit 1992 als Gewerbegebiet vorgesehen. Es liegt auf einem Acker im Süden von Zschortau und östlich von Lemsel, direkt an der B184, die nach Leipzig und Bitterfeld führt. Entlang dieser erstreckt es sich etwa einen Kilometer. Die nächstgelegene Wohnbebauung ist etwa 200 Meter Luftlinie von der Fläche entfernt. Dazwischen liegen Baum- und Gebüschreihen. Auch Lemsel ist durch einen Wald vom Gebiet getrennt.
Welche Dimensionen soll das Rechenzentrum annehmen?
Die Gewerbefläche ist rund 44 Hektar groß. Das entspricht im Vergleich etwa einem Fünftel der Fläche des benachbarten Schladitzer Sees. Entwickelt werden soll ein Campus mit mehreren Gebäuden, die neben den Servern zur Datenverarbeitung auch Büros beherbergen. Die Bauten werden über 20 Meter hoch. Das Zentrum soll eine Anschlussleistung von 500 Megawatt bekommen. Zum Vergleich: Das Kohlekraftwerk Lippendorf hat eine Leistung von 1750 Megawatt. Die Energieversorgung erfolgt über unterirdische Kabel.
Wofür wird das Zentrum benötigt?
Der Bedarf an Rechenleistung wächst kontinuierlich. Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren sind darauf angewiesen. Deshalb werden weitere Kapazitäten benötigt. Dabei ist es grundsätzlich egal, wo ein Rechenzentrum entsteht, solange der Standort geeignet ist.
Welche Nutzer kommen an den Standort?
Entwickelt wird das Gebiet von der AM:PM Grund, die sich auf die Entwicklung von Rechenzentren spezialisiert hat. Die Projektkoordination zwischen Gemeinde und Entwickler übernimmt der regionale Spezialist Andre Jaschke. Die AM:PM wird dann wiederum an Betreiberfirmen verkaufen. In Kontakt zu diesen tritt der Projektentwickler aber erst, wenn die Planungen vorangeschritten sind. Genutzt werden können die Server später von großen Firmen, wie zum Beispiel Google oder Oracle. Eine Verbindung zum Großforschungszentrum Delitzsch besteht bisher nicht.
Was kommt auf Anwohner und Pendler zu?
Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos) spricht von einer immisionsarmen Nutzung. Geräusche entstehen vor allem durch die Kühlung, zu deren Zweck auf den Dächern der Anlage Lüftungen errichtet werden. Abgase werden im normalen Betrieb nicht ausgestoßen. Für die Notstromversorgung werden jedoch Dieselgeneratoren vorhanden sein, die einmal im Monat tagsüber für einen Testlauf in Betrieb genommen werden. Außerdem muss die Anlage, bei der es sich um eine Hochsicherheitseinrichtung handelt, nachts durchgängig beleuchtet sein.
Da kein Lieferverkehr zu erwarten ist und vor allem die Beschäftigten zum Rechenzentrum fahren, ist mit wenig zusätzlichem Verkehr zu rechnen. Angebunden wird das Areal über die B184. Ob dafür etwa eine Ampel notwendig ist und wo genau die zwei benötigten Zufahrten entstehen, soll im Rahmen der weiteren Planung geklärt werden. Erste Gutachten gehen davon aus, dass täglich etwa 250 Kfz-Bewegungen hinzukommen.
Wie sollen Mensch und Umwelt geschützt werden?
Noch liegen keine konkreten Gutachten zur Tier- und Pflanzenwelt auf dem Areal vor. Welche Besonderheiten es gibt, wird im weiteren Planungsverlauf geprüft. Für Regenwasser, das sich auf der versiegelten Fläche sammelt, gibt es mehrere Optionen, die ebenfalls noch geprüft werden: Versickerung und Verdunstung auf dem Gelände sowie die Einleitung in Lober und Schladitzer See. Außerdem könnte ein Wall zwischen der B184 und der Ortslage Zschortau teilweise als Sicht- und Lärmschutz dienen. Ob der sich realisieren lässt, steht aber noch nicht fest. AM:PM Geschäftsführer Andreas Schmidt hat zudem angekündigt, bei weiteren Ausgleichsmaßnahmen Wünsche der Bevölkerung berücksichtigen zu wollen.
Was bringt das Rechenzentrum Rackwitz und der Region?
Allein der Verkauf des Grundstücks könnte Rackwitz auf einen Schlag schuldenfrei machen. Zudem hofft die Gemeinde auf Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe. Auch um die 150 Arbeitsplätze sollen entstehen, von der Reinigungskraft bis zur IT-Spezialistin.
Wie können Bürger sich bei den Planungen beteiligen?
Im ehemaligen Zschortauer Rathaus in der Lindenstraße wird ein Projektbüro eingerichtet. Dort können Bürgerinnen und Bürger immer mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr Fragen stellen und Anregungen vorbringen. Im Sommer 2026 soll es eine zweite Infoveranstaltung geben, bei der unter anderem die Ergebnisse der Gutachten vorgestellt werden. Im weiteren Lauf des B-Plan-Verfahrens wird es zudem die Möglichkeit geben, mit Stellungnahmen und Einwendungen auf das Projekt einzuwirken.
Wie geht es jetzt weiter?
Noch in diesem Jahr soll der Gemeinderat mit einem Aufstellungsbeschluss den neuen B-Plan anstoßen. Geht das Verfahren reibungslos voran, könnte die Planung 2027 abgeschlossen werden. Eine Inbetriebnahme würde dann etwa 2030 möglich sein.
