Pflegekosten: Finanziell und menschlich ein Desaster
Die Eigenanteile in Pflegeheimen sind laut des Verbands der Ersatzkassen erneut kräftig gestiegen, in Sachsen auf nunmehr durchschnittliche 2.854 Euro pro Monat.
Bei den allerwenigsten reicht die Rente dafür annähernd aus und Pflegebedürftige werden nach einem arbeitsreichen Leben immer öfter zum Sozialfall. Das ist auch in Nordsachsen so, wie die Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion zeigt.
So sind die Anträge zur Hilfe zur Pflege und Hilfen zur Gesundheit sowie die Zahl der Leistungsbewilligungen seit 2021 gestiegen. In der stationären Pflege lagen die Hilfen zur Pflege im letzten Jahr pro Person bei rund 7.800 Euro. Das macht etwa acht Prozent des gesamten Budges des Sozialamtes Nordsachsen aus, für die letztlich der Steuerzahler aufkommt.
Nicht nur die Zahl der Antragsteller steigt, auch der bürokratische Aufwand ist immens, was das Landratsamt in seiner Antwort anhand eines beispielhaften Ablehnungsbescheids deutlich macht. Der Eigenanteil jedes Pflegebedürftigen richtet sich nach der individuellen Einkommens- und Vermögenslage und erfordert entsprechende Nachweise und Berechnungen. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit von 50 Tagen überrascht nicht.
„Das ist nicht „nur“ ein finanzielles Desaster, sondern auch ein menschliches, das nicht hinnehmbar ist“, so die Geschäftsführerin der Linksfraktion Nordsachsen, Judith Sodann:
„Wie entwürdigend der Gang zum Amt und die völlige Offenlegung der persönlichen Habe ist, steht auf einem anderen Blatt und hält die Fallzahlen mutmaßlich niedriger, als sie wären. Auch physisch und psychisch herausfordernde - unbezahlte - Pflege durch Angehörige verschiebt sich vielfach ins Häusliche. Das kann keine dauerhafte Lösung sein, ebenso wenig wie mehr private Vorsorge. Die kann sich nur leisten, wer Vermögen hat, beispielsweise durch Mieteinkünfte, Betriebsrenten oder Erbschaft. Oder im Job ein ordentliches Einkommen hatte – bei mehr als 66.150 Euro brutto im Jahr sogar beitragsfrei. Wir Linke wollen eine solidarische Vollversicherung, bei der alle in die gesetzlichen Pflegekassen einzahlen.“
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