Presseartikel

Neuer Haushalt beschlossen: Warum Nordsachsen weiter tief im Defizit steckt

Hagen Rösner (LVZ)

Nach einem Jahr ohne genehmigten Etat hat der Landkreis Nordsachsen seinen Haushalt für 2026 beschlossen. Doch trotz gesicherter Investitionen etwa in Schulen bleibt die Lage angespannt: Ein Defizit von 68 Millionen Euro zeigt, wie tief der Kreis weiter in den roten Zahlen steckt.

Nordsachsen. Im Laufe des Jahres 2025 verfügte der Landkreis Nordsachsen über keinen genehmigten Haushalt – das ist nun vorbei. In ihrer jüngsten Sitzung haben die Kreisräte den Haushalt für 2026 verabschiedet. Damit endet die haushaltslose Phase aus dem Jahr 2025, die mit verschiedenen finanziellen Einschränkungen verbunden war. An der grundsätzlichen finanziellen Lage des Landkreises ändert sich durch den neuen Haushalt für 2026 jedoch nichts.

68 Millionen Euro Defizit im Ergebnishaushalt

„Seit 2011 bekommen wir keine Genehmigungen mehr, ohne die Inanspruchnahme von haushaltsrechtlichen Erleichterungen“, so der Beigeordnete Jens Kabisch. Im Ergebnishaushalt rechnet der Landkreis in diesem Jahr mit einem Defizit von 68 Millionen Euro. Dieses Defizit wird vor allem von den Sozialleistungen und Tarifentwicklungen getrieben. Im Finanzhaushalt liegt das Defizit bei 77 Millionen Euro. Damit setzt der Landkreis die Kontinuität der roten Zahlen seit seiner Gründung fort.

Sinkende Einnahmen belasten Landkreis Nordsachsen

Allerdings ist auch die Einnahmenseite beklagenswert. Es gibt Verschlechterungen bei den Schlüsselzuweisungen und der Ertragskraft des Landkreises. Das hat natürlich Auswirkungen auf alle anderen Bereiche der Behörde, insbesondere auf die Investitionstätigkeit.

Schulbau dank Bundes-Sondervermögen gesichert

„Trotzdem haben wir uns da einige kleinere Spielräume erarbeitet, beispielsweise über das Sondervermögen des Bundes, dass wir in den Schulbau investieren können“, so Kabisch. Etwas Erleichterung gibt es bei den Bürgermeistern des Landkreises: Sie müssen zumindest für dieses Jahr keine Erhöhung der Kreisumlage fürchten.

Kreisumlage stabil: 106 Millionen Euro von Kommunen

Die Zahlung der Kreisumlage der Städte und Kommunen ist eine wichtige Finanzierungssäule des Kreises. 106 Millionen Euro will der Landkreis 2026 über die Umlage aus den Städten und Gemeinden ziehen. Dabei gibt es die unverbindliche Zusicherung, dass die Umlage bis 2029 gleichbleiben soll und nicht erhöht wird. Im Vergleich zu den anderen sächsischen Landkreisen zeigt sich, dass Nordsachsen zu den Kreisen mit dem niedrigsten Hebesatz gehört.

Doppelhaushalt 2027/28 schon in Planung

Der beschlossene Haushalt bezieht sich lediglich auf das Jahr 2026. Bereits im kommenden Herbst plant die Kämmerei des Landkreises, einen Doppelhaushalt für die Jahre 2027 und 2028 vorzulegen. Ob dieser jedoch noch im Dezember verabschiedet werden kann, ist derzeit ungewiss.