Zum Hauptinhalt springen
Aktuelle Meldungen

Eilenburg mit beeindruckender Krankenhauslandschaft

Dr. Michael Friedrich

Die Fraktion  startete mit einem tollen Auftakt in das neue Jahr. Am 18. Januar empfingen uns Prof. Dr. med. Bernt Zipprich, medizinischer Direktor und Leitender Chefarzt und Herr Steffen Penndorf, Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer der Kreiskrankenhaus GmbH Delitzsch in der neu erbauten Klinik im Eilenburger Stadtteil Berg. Allein schon der Gang vom großzügigen Eingangsportal über fünf (!) freundlich gestaltete helle Flure zum Tagungsraum erforderte indianischen Orientierungsinn. Wir Kreisräte, aber auch LINKE Stadträte aus Eilenburg und Sachkundige Einwohner staunten nicht schlecht über die beeindruckenden Dimensionen dieses hochmodernen Medizinkomplexes. In den folgenden zwei  Stunden erläuterten uns Prof. Zipprich und Herr Penndorf die medizinischen Schwerpunktsetzungen und die wirtschaftliche Situation der Kreiskrankenhaus GmbH, die sich zu 100 % im Besitz des Landkreises befindet. Erfreulich, dass unser Kreiskrankenhaus mit seinen beiden Kliniken in Delitzsch und in Eilenburg trotz schwierigen gesundheitspolitischen Umfeldes mit so manch einer mittelfristigen Unwägbarkeit seit Jahren schwarze Zahlen schreibt. 

Verwaltungsdirektor Penndorf führte uns mit einer knappen Präsentation in die für Laien kaum mehr nachvollziehbare Dynamik der bundesdeutschen und der sächsischen Krankenhauslandschaft ein. Stark vereinfacht zeichnen sich seit 1990 vier Megatrends ab:

  • deutliches Absinken der Verweildauer der Patienten in stationärer Behandlung bei gleichzeitiger Zunahme der ambulanten Operationen,
  • permanentes Ansteigen der Patientenzahlen bei gleichzeitiger Reduzierung der Bettenzahl und der Anzahl der Krankenhäuser,
  • zunehmende Trägervielfalt; so unterteilen sich die 79 sächsischen Krankenhäuser gegenwärtig in 36 öffentliche, 16 freigemeinnützige und 27 private,
  • Einführung und Fortentwicklung des Systems der Fallpauschalen und der Budgetdeckelung nebst einem hochkomplizierten Abrechnungssystem.

Immer wieder würzte Prof. Zipprich die rege Diskussion mit plastischen und zuweilen auch drastischen Beispielen für den rasanten Fortschritt in der Medizintechnik, dem die Gesundheitspolitik oftmals hoffnungslos hinterher rennt. So gibt es seit einigen Jahren eine verschluckbare endoskopische High-Tech-Kapsel, die wie ein Mini-U-Boot durch den Magen-Darm-Trakt wandert und dabei mittels Sonaraufnahme gestochen scharfe Bilder liefert. Kostenpunkt rund 600 Euro. Auf die besorgte Frage unserer Geschäftsführerin hin, wie oft denn jede Kapsel im Allgemeinen so benutzt würde, kam Entwarnung verbunden mit Heiterkeit:  Vorgesehen nur zur Einmalnutzung! Ein flaues Gefühl in der Magengegend blieb dennoch.

Bedauerlich ist, dass weltfremde Medizin-Bürokraten bis heute keine angemessene Vergütung für diesen zwar gewöhnungsbedürftigen, die Patienten insgesamt aber relativ wenig belastenden Eingriff gefunden haben. Dies gilt übrigens für den gesamten Bereich der ambulanten Operationen, wo die Kliniken mit der vorgeschriebenen Abrechnungsmethode beim besten Willen nicht kostendeckend arbeiten können. In Eilenburg bemüht man sich dennoch, bei entsprechender Indikation mit den endoskopischen Kapseln zu arbeiten oder auch ambulant zu operieren, muss dann aber die Kosten an anderer Stelle wieder herausarbeiten. Die völlig unzeitgemäßen Schranken zwischen stationärem und ambulantem Bereich, die eigentlich mit der Gesundheitsreform fallen  und die nicht zuletzt auch die Krankenkassenbeiträge deutlich entlasten sollten, existieren nach wie vor.

Zur Sprache kam erwartungsgemäß die Stellung der Kreiskrankenhaus GmbH als bedeutender Wirtschaftsfaktor im strukturschwachen Landkreis Nordsachsen. Hier nur einige der eindrucksvollen Zahlen, die besser als viele Worte das wirtschaftliche Gewicht der GmbH skizieren:

  • Seit 1990 wurden in die beiden Kliniken in Delitzsch und in Eilenburg rund 90 Mio. Euro investiert, davon rund 10 Mio. Euro Eigenmittel des Landkreises.
  • In der Kreiskrankenhaus GmbH arbeiten insgesamt rund 420 Menschen, die exakt 300 „Planbetten“ vorhalten. Jeweils  150 davon gibt es in Delitzsch und in Eilenburg. Während sich Delitzsch auf die Innere Medizin, die Chirurgie und die Notfallrettung spezialisiert hat, gibt es in Eilenburg neben diesen Fachrichtungen zusätzlich noch eine gynäkologische Abteilung.
  • Das Bilanzvolumen der Kreiskrankenhaus GmbH lag 2008 bei rund 68 Mio. Euro. Im Geschäftsjahr 2008 wurde ein Jahresüberschuss von rund 1,67 Mio. Euro erwirtschaftet, das war eine Ergebnisverbesserung von rund 1,07 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass der systematische Ausbau der Kreiskrankenhaus GmbH Delitzsch über rund zwei Jahrzehnte hinweg, der immer auch von der LINKEN bzw. der damaligen PDS-Fraktion politisch mit getragen wurde,  eine Erfolgsgeschichte darstellt, die wesentlich zum Profil des Landkreises beiträgt. In der regen Diskussion mit Prof. Zipprich und Herrn Penndorf konnten wir eine ganz wesentliche Übereinstimmung herausarbeiten, die unsere Position zu dem in Kürze vorliegenden Haushaltssicherungskonzept mit prägen wird:

Es wäre eine niemals  wieder gut zu machende Dummheit, sollte aus Gründen der Haushaltssicherung in diesen schwierigen Zeiten auch nur eine Sekunde lang daran gedacht werden, unsere kommunalen Krankenhäuser zu privatisieren. Einmal aus der einfachen Überlegung heraus, dass die fiktiv zu erlösende Kaufsumme der Kreiskrankenhaus GmbH nach allgemeiner Erfahrung bei etwa einem Drittel der Bilanzsumme liegen dürfte. Sie wäre also nicht einmal groß genug, um den aktuellen Fehlbetrag von über 25 Mio. Euro des Kreishaushaltes 2010 zu decken. Die strukturellen Ursachen unserer Haushaltsschwäche  würden dadurch keinesfalls beseitigt. Vielmehr wäre selbst ein vollständiger Krankenhausverkauf nicht mehr als der buchstäbliche Tropfen auf den heißen Stein, der nur an den Symptomen herum doktert und kein einziges Problem wirklich löst.

Ebenso überzeugend aber ist eine andere Überlegung. Die Kliniken in Delitzsch und Eilenburg mit allem Drum und Dran an Medizintechnik wurden mit knapp 100 Mio. Euro an Steuermitteln aufgebaut.  Es widerspräche  jeglichem Gerechtigkeitssinn, wenn die Gewinne aus dieser solidarischen  Aufbauleistung nun auf einmal privatisiert würden und in die Taschen einiger weniger flössen.

Nach diesem Meinungsaustausch mit erfreulich großer kreispolitischer Übereinstimmung boten uns die beiden Klinikchefs noch ein beeindruckendes Besuchsprogramm.  Wer bislang mit  dem Wort Kreißsaal sterile weiße Klinikwände mit Krankenhausbetten assoziierte, musste sich an jenem Abend völlig neu orientieren. Die „Geburtenwelt“ jedenfalls erinnerte mich, der ich als Mann bei der Geburt meiner beiden Töchter in den 70-er Jahren jedesmal ob meiner potentiellen Störfunktion und vielleicht auch wegen einer mir anzumerkenden Ohnmachtsgefahr von den Schwestern erbarmungslos des Platzes verwiesen wurde, sehr viel mehr an den Relax-Bereich eines Wellness-Hotels denn an eine medizinische Einrichtung. Freundliche, warme Pastellfarben, gedämpftes Licht, gemütliches Sitzmobilar, das notwendige medizinische Inventar nicht aufdringlich ausgebreitet sondern dezent im Hintergrund versteckt. Kurzum, eine recht entspannte Wohlfühl-Atmosphäre, die sicher einiges dazu beitragen kann, diese ebenso schwierigen wie  schönen Stunden gut zu überstehen. Ich hoffe, unsere weiblichen Fraktionsmitglieder können diese Einschätzung teilen…

Auch die jungen Muttis mit ihren Babies sind fast hotelmäßig untergebracht. Einer jungen Mutter sagten wir kurz mal Guten Abend, verbunden mit der Bitte, ob unserer doch recht stattlichen Delegation nicht zu erschrecken. Ihr Neugeborenes wurde von der Schwester gerade gewindelt. Es spricht für unsere Fraktion, dass es bei unserem Anblick noch nicht einmal schrie.

Zum Abschluss statten wir noch der Computertomographie (CT), der endoskopischen Abteilung (Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse) und dem digitalen Röntgen kurze Besuche ab. Überall sahen wir Medizintechnik vom Feinsten. So übersteigen die Anschaffungskosten eines modernen  CT-Geräts oder eines endoskopischen High-Tech-Arbeitsplatzes jeweils den Wert von zwei gut ausgestatteten Einfamilienhäusern in unserer Region.

In der Überzeugung, dass wir mit unseren kommunalen Kliniken echte und hoffentlich unveräußerbare Perlen im Kreisbesitz haben und uns dort im Falle eines Falles bei hoch motivierten Ärzten, Schwestern und Pflegern in guten Händen befinden würden, sagten wir unseren Gastgebern vielen Dank für diesen Erkenntnisreichen Abend.  Möge die Kreiskrankenhaus GmbH auch in Zukunft Entscheidendes für eine niveauvolle medizinische Versorgung aller Menschen unabhängig von ihrem Geldbeutel und damit für den sozialen Zusammenhalt in unserem Landkreis beitragen.

Zurück zum Kopf der Seite