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Fraktionssitzung "unter Polizeischutz"

J. Sodann

Zu unserer ersten Fraktionssitzung in diesem Jahr am 20. Februar durften wir als Gast den Leiter des Polizeireviers Delitzsch, Herrn Klaus-Dieter Kabelitz, begrüßen. In gemütlicher Runde (Grippe und Urlaub – zum Glück nicht in Kombination - dezimierte die Zahl unserer Kreistagsmitglieder) berichtete Herr Kabelitz aus seiner 42jährigen Laufbahn, über vergangene, derzeitige und zu erwartende Schwerpunkte der Polizeiarbeit. Seine spannenden Ausführungen waren gespickt mit persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen.

Seine wechselvolle und erfolgreiche Karriere begann als junger Polizist in Magdeburg, Versetzungen führten ihn nach Leipzig, Torgau, Eilenburg und schließlich nach Delitzsch, wo er im Sommer seine Dienstzeit beenden und in den Ruhestand gehen wird.
Acht Strukturveränderungen, nicht immer positive, Aufbau des Mobilen Einsatzkommandos in Leipzig, Anfangszeit des dortigen Rauschgiftdezernats, Zusammenlegungen von Revieren und Versetzungen, das Hochwasser von 2013, Aufbau und Strukturierung mehrerer Reviere hat Kabelitz mitgemacht. Ein mutiger Mann, der seine Meinung sagt, pragmatisch handelt und Verantwortung nicht scheut.

Insgesamt konstatiert Kabelitz, dass die Zahl der Straftaten in den letzten Jahren annähernd auf gleichem Niveau geblieben sind, allerdings haben sich Verbrechensschwerpunkte geändert. So haben auch in Delitzsch Delikte wie Ladendiebstahl, Drogenmissbrauch und -handel sowie organisierte Kriminalität (Einbrüche in Wohnungen, Häuser, Autos) zugenommen. Die Zahl der Verkehrstoten hat deutlich abgenommen, ein Verdienst immer weiter verbesserte Sicherheitssysteme. Sorgen macht ihm vor allem der durch alle Schichten verbreitete Konsum von Cannabis und Crystal Meth. Künftig sind viele „Drogenbabys“ zu befürchten. Für Prävention von Drogenmissbrauch und im Bereich Verkehrserziehung fehlt Personal. Die von der Staatsregierung versprochenen 1.000 neuen Stellen für Sachsens Polizei seien ein Tropfen auf den heißen Stein.
Bei der Verurteilung von Verbrechen stimmt Kabelitz´ Ansicht nach das Verhältnis von Täterschutz und Opfer-/Zeugenschutz nicht mehr, außerdem sollten Strafen „auf den Fuß“ folgen und nicht teilweise erst Jahre später. Kritik übt der Revierleiter auch an den neuerlichen Überlegungen zu punktuellen Strukturveränderungen. Dabei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der ländliche Raum im polizeilichen Sinne nicht zusätzlich zum ohnehin bestehenden Personalmangel geschwächt wird. Gut wäre seiner Ansicht nach auch eine bessere Verzahnung von Innenministerium z.B. mit dem Kultusministerium. Einheitliche Strukturen würden zu besserem Informationsaustausch, weniger Bürokratie und schnellerer Aufklärung führen.
Auf die Frage, ob er heute jemandem zur Laufbahn bei der Polizei raten würde, kommt Kabelitz ins Stocken. Was in den letzten Jahren verloren gegangen sei, wären vielfach Anerkennung und Respekt vor der Arbeit von Polizisten.
Abschließend ermutigte uns der Revierleiter, uns weiter einzumischen, nachzufragen, nachzuhaken – in den Ortschaftsräten, im Kreistag, im Landtag. Auch nach seiner Amtszeit wird sich Kabelitz einmischen und stellt uns und anderen sein Wissen gern zur Verfügung.
Wir bedanken uns sehr für den informativen und ehrlichen Einblick und die vielen Anregungen und wünschen Herrn Kabelitz alles Gute.
 

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