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Kein Tod auf Raten für die Orchester

Dr. Michael Friedrich

Rede des Fraktionsvorsitzenden der Fraktion DIE LINKE. im Kreistag Nordsachsen Dr. Michael Friedrich zu den Kulturpolitischen Schwerpunktsetzungen des Landkreises Nordsachsen im Zweckverband Kulturraum Leipziger Raum

                                                                                                               Torgau, 22.04.15

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Redemanuskript

zu den Kulturpolitischen Schwerpunktsetzungen des Landkreises Nordsachsen im Zweckverband Kulturraum Leipziger Raum in DS 2-109/15 am 22. 04. 2015

 

//Anrede//,

natürlich will auch DIE LINKE keinen Kulturkannibalismus. Es darf nicht sein, dass die Großen, die Orchester, bei der Finanzierung die Kleinen, also die Stadtmuseen, die Musikschulen und die Soziokultur zur Seite drücken oder gar ins Aus schieben.

Ich aber frage sie, was soll man von einer Beschlussvorlage zur Orchesterfinanzierung halten, die jegliches kulturpolitisches Bekenntnis, ja selbst auch nur den geringsten positiven Bezug zur Fortexistenz der Bläserakademie und des Leipziger Symphonieorchesters vermeidet?

Was ist von einem Papier zu halten, das in drei äußerst restriktiven Punkten zwar peinlich genau auflistet, welche Anstrengungen wir unterlassen sollen um den Orchestern zu helfen, das jedoch keinerlei Ideen enthält, wie wir das Finanzierungsproblem konstruktiv angehen können? Aber auch, was wir in Nordsachsen von diesen Klangkörpern an legitimen eigenen Anstrengungen erwarten dürfen und verlangen müssen?

Ich sage es klar heraus, ein solcher Beschlussvorschlag ist kulturlos. Er ist würdelos. Denn er bedeutet einen Tod auf Raten, und zwar für beide Orchester.

Die LINKE bekennt sich zur Bläserakademie und zum Leipziger Symphonieorchester. Wir werden uns an der schwierigen Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten in der jüngst gegründeten AG Kulturraum Leipzig beteiligen. Diese will übrigens mehrheitlich die Orchester nicht schleifen und hat deshalb ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben. Leider spiegelt sich dieser jetzt eingeschlagene konstruktive Weg in der Vorlage überhaupt nicht wider, denn wenn wir jetzt diese vier Punkte so beschließen, würden wir die Ergebnisse dieses hochkarätigen, ziemlich teuren und vor allem nicht nur rein betriebswirtschaftlichen Gutachtens, welches im Herbst vorliegen soll,  glatt ignorieren.

Nicht zuletzt müssen wir auch das Land in die Pflicht zu nehmen. Es kann doch nicht sein, dass in einer Zeit, in der die Steuern sprudeln wie nie zuvor und die Rücklagen übervoll sind, die Kulturraumfinanzierung seit Jahren auf einem niedrigen Niveau stagniert und wir deshalb Orchester sterben lassen. Warum verzichtet die Vorlage auf jegliche legitime Forderung an das Land? Warum verzichtet sie auf das Aufzeigen des nunmehr offenkundigen Missstandes, dass das einst so hochgelobte Kulturraumgesetz längst massiv unterfinanziert ist?

Gründe genug also, die Rücküberweisung dieser Beschlussvorlage in die Ausschüsse zwecks Überarbeitung zu beantragen!

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