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OBM Jung auf Abwegen
Am 13. September 2017 gab OBM Jung der LVZ (Leipzig) ein Interview, in dem er auf die Frage, ob die wachsende Stadt Leipzig weitere Umlandgemeinden schlucken werde, anwortete:
"Das will niemand gern hören, aber perspektivisch ist es zwingend: Alles, was im Dreieck des Autobahnrings liegt, gehört zu Leipzig. ..."
Zu diesen ebenso unfreundlichen wie unproduktiven Sandkastenspielen des Leipziger Oberbürgermeisters sagt Dr. Michael Friedrich, Vorsitzender der LINKEN im Kreistag Nordsachsen:
Nach zwei umfassenden Kreisgebietsreformen und einem sehr großzügigen Stadt-Umland-Gesetz, auf Grund dessen im Jahr 1999 eine ganze Reihe ehemals selbständiger Gemeinden der Stadt Leipzig zugeordnet wurden, sollte das Thema Eingemeindungen nun definitiv vom Tisch sein. Die Stadt Schkeuditz, die Jungs Forderung betreffen würde, ist ein starker Wachstumskern in unserem Landkreis und alles andere als ein Eingemeindungskandidat. Im Übrigen wäre die Einwohnerzahl von Nordsachsen ohne Schkeuditz so deutlich unter der Orientierungsgröße von 200.000, dass dann unser Landkreis konsequenterweise gleich aufgelöst werden müsste.
Leipzig hat genug eigene Wachstumsprobleme und braucht wahrlich keine weiteren Ortsteile, die für die Kernstadt ohnehin nur fünftes Rad am Wagen wären. Deshalb sollte OBM Jung seine Nachbar-Landkreise im Norden wie im Süden nicht mit Gebietsforderungen brüskieren und auch nicht wie den Stadtteil Leipzig-Grünau behandeln. Notwendig ist vielmehr eine partnerschaftliche und verlässliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Leipzig, aber auch Halle und die anliegenden Landkreise und Städte, sollten alles daran setzen, damit kleinliche Eifersüchteleien wie bei diversen Gewerbeansiedlungen der Vergangenheit angehören und die Metropolregion Mitteldeutschland endlich produktiv aus den Startlöchern kommt.
Die Städte Hannover und Nürnberg – größenmäßig in einer Liga mit Leipzig – machen vor, wie es geht. Dort haben sich mit der Region Hannover oder der Metropolregion Nürnberg leistungsstarke Stadt-Umland-Verbände zusammengefunden, die teils seit Jahrzehnten eine Vielzahl kommunaler Aufgaben einvernehmlich gemeinsam lösen. Es ist an der Zeit, unsere Zusammenarbeit mindestens bei der Wirtschaftsförderung, der Wissenschaftskooperation, der Regionalplanung, dem Hochwasserschutz, dem Rettungswesen, dem Öffentlichen Personennahverkehr und den Sparkassen auf ein ähnliches Niveau zu heben. Die Ländergrenzen sollten dabei kein Hindernis sein. Davon profitieren werden wir alle.

