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Presseartikel

Geheime Halle, Milliarden-Investoren: die riskante Wette hinter Leipzigs Rüstungswerk

Florian Reinke & Lucas Grothe (beide LVZ)

Tech-Milliardär Peter Thiel, Trump-nahe Geldgeber, eine frühere Pentagon-Vize: Das Rüstungs-Startup Covenant kommt nach Leipzig. Wer hinter dem Unternehmen aus den USA steht – und was das für den Standort Leipzig bedeutet.

Leipzig. Für Michael Kaufman gibt es auf die Bedrohung durch Russland und China nur eine Antwort: schiere Masse. „Wir können nicht mit exquisiten, teuren Waffen abschrecken, die nur zu Dutzenden gebaut werden“, schreibt der Gründer und Chef des US-Rüstungsunternehmens Covenant in einem aktuellen Beitrag. „Wir brauchen größere Reichweite, schwerere Nutzlasten und gewaltige Masse.“ Seit gut einer Woche ist bekannt: Diese Masse soll zu einem großen Teil aus Leipzig kommen.

In einer Halle, deren genauer Standort geheim ist, will Covenant ab dem ersten Quartal 2027 Marschflugkörper vom Typ „Anthem“ bauen – unbemannte Flugkörper mit eigenem Antrieb, die Ziele weit hinter der Front treffen sollen. Im ersten Jahr plant Covenant 1000 Stück, danach bis zu 5000, kündigte Firmenpräsidentin Abby Denburg im Gespräch an.

Seine Ziele verfolgt das Unternehmen nicht allein. Der genaue Blick auf Covenant, seine Investoren und nahestehende Personen zeigt: Hinter dem jungen Unternehmen steht geballtes Silicon-Valley- und Rüstungskapital. Was also haben die Investoren und Manager mit der Fertigung in Leipzig vor?

Leipzigs Werk ist Teil einer Milliardenwette

Mehr als 250 Millionen Dollar Kapital hat Covenant in drei Finanzierungsrunden eingesammelt. Mit entsprechendem Risikokapital steigen sie in junge Firmen mit großem Wachstumspotenzial ein. Verdient wird erst beim Ausstieg, wenn sie ihre Anteile verkaufen oder die Firma an die Börse bringen. Scheitert die Firma, ist das Geld weg.

Bisher hat Covenant noch keinen Marschflugkörper ausgeliefert. Ein Vertreter der verschwiegenen Risikokapitalszene spricht im Hintergrund von einer „Wette, die erst aufgehen muss – und das Leipziger Werk spielt eine Schlüsselrolle bei der Frage, ob der Durchbruch in Europa gelingt“.

Die Geldgeber haben das Modell schon einmal groß gemacht

Fest steht: Die Investoren haben Covenant einen großen Vertrauensvorschuss gewährt. Dem Unternehmen zufolge haben die Finanzierungsrunden sechs Geldgeber angeführt. Darunter ist zunächst Andreessen Horowitz – einer der bekanntesten Risikokapitalgeber der USA.

Mitgründer Marc Andreessen unterstützte Donald Trump. Andreessen Horowitz unterhält mit „American Dynamism“ eine eigene Sparte für Firmen, die Amerikas Sicherheit dienen sollen.

David Ulevitch, General Partner bei Andreessen Horowitz, betont: „Covenant verfügt über die technische Kompetenz und die Entschlossenheit, die diese Aufgabe erfordert, und das Unternehmen hat dies bereits in der Praxis unter Beweis gestellt – nicht nur auf dem Papier.“

„Founders Fund“ von Peter Thiel gehört zu Geldgebern

Ebenfalls an Bord ist der „Founders Fund“ des Tech-Milliardärs Peter Thiel. Thiel hat die Datenanalysefirma Palantir mitgegründet, aber auch den Bezahldienst PayPal. Er gilt als einer der wichtigsten Unterstützer von Donald Trump.

Ein weiteres Schwergewicht unter den Covenant-Geldgebern ist Lightspeed aus dem Silicon Valley. Die Risikokapitalfirma, bekannt als einer der ersten Geldgeber des sozialen Netzwerks Snapchat, verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 40 Milliarden Dollar – rund 160-mal so viel, wie Covenant bislang eingesammelt hat. Gemeinsam mit Andreessen Horowitz finanziert Lightspeed auch Castelion, ein kalifornisches Start-up, das Hyperschallraketen günstig in Serie bauen will – und inzwischen 13 Milliarden Dollar wert ist.

Zu den Covenant-Geldgebern zählen außerdem Lux Capital aus New York, 8VC von Palantir-Mitgründer Joe Lonsdale und Aleph aus Israel, wo auch Covenant ein Werk betreibt.

Für Leipzig heißt das zweierlei: Hinter dem Werk steht Kapital, das ähnliche Firmen bereits groß gemacht hat. Und: Die Eigentümer von heute sind nicht zwingend die von morgen. Denn wenn die Investoren eine für sie ausreichende Rendite erzielt haben, ist es gut möglich, dass sie aussteigen.

Das Netzwerk reicht von Washington bis Berlin

Mit technischem Know-how kann Mitgründer Ofir Dayan dienen: Er arbeitete laut der „Financial Times“ an Systemen wie dem israelischen Raketenschirm Iron Dome. Politisches Gewicht bringen die Berater in die Firma ein: Kathleen Hicks war unter Präsident Joe Biden die Nummer zwei im Pentagon. Ihre Initiative „Replicator“ setzte auf kleine, günstige Waffensysteme in großer Zahl – „Anthem“ folge direkt diesen Prinzipien, sagt Hicks. Aus dem anderen Lager berät Mike Garcia, Ex-Marinepilot und bis 2025 republikanischer Abgeordneter.

In Deutschland berät Generalleutnant a. D. Andreas Marlow, bis 2025 stellvertretender Inspekteur des Heeres. Seit Mai 2026 steht die deutsche Tochter im Lobbyregister des Bundestags – Schwerpunkt ist die Rüstungsbeschaffung. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte dieser Zeitung laufende Gespräche mit Covenant. Die Kontakte reichen damit in beide politische Lager Washingtons – und bis zu einem möglichen Kunden in Deutschland.

150 Millionen Dollar an Aufträgen

Ob die Nato oder die Bundeswehr die Waffe „Anthem“ tatsächlich beschaffen, ist bisher aber nicht bekannt. Die Auftragsbücher bei Covenant sind jedenfalls auch so gut gefüllt. Rund 150 Millionen Dollar an Aufträgen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben gebucht, auch in Europa.

Bekannt ist zudem ein Vertrag über rund 70 Millionen Dollar mit einer Entwicklungseinheit der US‑Marine. Covenant soll „Anthem“ für den Einsatz auf See umbauen.

Zunächst steht aber der Marschflugkörper „Anthem“ im Fokus. Co-Gründer Michael Kaufmann gibt sich realistisch: „Die schwierigste Arbeit – die Produktion in großem Maßstab, die zuverlässige Lieferung und die Betreuung unserer Kunden – liegt noch vor uns.“

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