Presseartikel

Krankenhäuser in Delitzsch, Eilenburg, Torgau und Oschatz vor Umbruch: Kreis prüft Holding-Pläne

Hagen Rösner (LVZ)

Zwischen Sparzwang und Sicherung der Versorgung steht Nordsachsen vor einer heiklen Entscheidung: Eine Krankenhaus-Holding könnte Kliniken bündeln – doch Kritiker warnen. Was die Pläne im Detail vorsehen und welche Folgen sie haben.

Nordsachsen. Zwischen wirtschaftlichem Druck und dem Anspruch auf eine verlässliche medizinische Versorgung steht der Landkreis Nordsachsen vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Sollen die kommunalen Krankenhäuser künftig unter einem gemeinsamen Dach geführt werden?

Kreistag gibt Prüfauftrag: Soll eine Krankenhaus-Holding entstehen?

Um diese Frage zu beantworten, hat der nordsächsische Kreistag nunmehr der Verwaltung den Auftrag gegeben, prüfen zu lassen, ob die Installation einer nordsächsischen Krankenhaus-Holding sinnvoll ist. Dabei handelt es sich um eine Dachgesellschaft, die die einzelnen Krankenhäuser als Tochtergesellschaften unter sich vereint.

„Wir sprechen hier über einen ergebnisoffenen Prüfauftrag der Verwaltung. Dies bedeutet nicht, dass eine Holding tatsächlich kommt“, stellt Landrat Kai Emanuel (parteilos) gegenüber den Kreistagsmitgliedern klar. Bei den betroffenen Kliniken handelt es sich um das Kreiskrankenhaus Delitzsch mit dem Standort in Eilenburg, das Kreiskrankenhaus in Torgau sowie die Collm Klinik in Oschatz.

Landrat Emanuel: Entscheidung gleicht Operation am offenen Herzen

Dem Landrat ist klar, dass der Prüfauftrag einer Operation am offenen Herzen gleichkommt, bei der Sensibilität und Professionalität angesagt sind. Durch die prekäre Haushaltslage des Landkreises hatte Emanuel den Auftrag bekommen, die Zusammenführung der Krankenhäuser unter einem Dach zu prüfen.

Angst vor Kontrollverlust: Kritiker warnen vor Folgen für ländliche Versorgung

Dies zielt auf eine einheitliche und zentrale Steuerung und Verwaltung sowie auf die Erarbeitung und Durchsetzung einheitlicher Strategien der kreiseigenen Krankenhäuser ab. Allerdings wird der Prüfauftrag naturgemäß nicht nur von den Verwaltungen der Krankenhäuser argwöhnisch betrachtet, sondern auch von Kreisräten.

Die fürchten nämlich, dass die Krankenhäuser vor Ort keine eigenständigen strategischen und finanziellen Entscheidungen fällen können. Und sie befürchten letztlich, dass es zu Einschränkungen der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum kommen könnte.

„Kombinatsbildung hat nicht funktioniert“: Deutliche Kritik aus dem Kreistag

„Ich habe mit der Beschlussvorlage einige Bauchschmerzen“, sagt der ehemalige Oschatzer Oberbürgermeister und Kreisrat Andreas Kretschmar. „Ich habe in einem Berufsleben schon ähnliche Fälle einer ‚Kombinatsbildung‘ erlebt. Das hat aber nicht funktioniert, und deshalb stehe ich dem kritisch gegenüber“, so Kretschmar.

Ähnlich äußert sich Torgaus Oberbürgermeister Henrik Simon. Allerdings wollen beide auch einer Prüfung nicht im Weg stehen. Kreisrat Matthias Müller, der Bürgermeister in Wermsdorf ist, bringt es auch auf den Punkt. „Ich denke, dass die Ergebnisse der Prüfung im Kreistag vorgestellt werden und wir dann anhand der Ergebnisse diskutieren können, ob wir diesen Schritt gehen wollen oder nicht“, so Müller.

Das sind die Vorteile: Was sich der Landkreis von der Holding verspricht

Mit der Einrichtung der Holdinggesellschaft werden für den Kreis Nordsachsen mehrere Vorteile angestrebt: Die bislang eigenständig geführten kommunalen Krankenhausgesellschaften sollen unter einer einheitlichen Leitung zusammengeführt werden. Zudem sollen gemeinsame Strategien zur Sicherung und Weiterentwicklung der kommunalen Krankenhäuser entwickelt und konsequent umgesetzt werden. Darüber hinaus ermöglicht die Holding eine zentrale Steuerung wichtiger Bereiche wie Personal, Informationstechnologie und Medizintechnik. Ebenso wird ein Ausgleich von Gewinnen und Verlusten innerhalb der Holdingstruktur geschaffen.

Unsichere Rahmenbedingungen: Neue Krankenhausplanung sorgt für offenen Ausgang

Die Beauftragung der Prüfung erfolgt unter derzeit unsicheren Rahmenbedingungen. „Ende des Jahres wird die neue sächsische Krankenhausplanung herauskommen. Der medizinische Dienst ist derzeit damit beschäftigt, seine Prüfungen durchzuführen. Und wir rechnen damit, dass wir im dritten Quartal an den Krankenhäusern die Schreiben bekommen, in denen uns mitgeteilt wird, welche Leistungsgruppen dort umgesetzt werden können“, so Landrat Emanuel. 

Ergebnis lässt auf sich warten: Entscheidung wohl nicht mehr in diesem Jahr

Wann die Ergebnisse für die mögliche Gründung einer Holding vorliegen, kann er nicht verbindlich zusagen. Er schätzt, dass in diesem Jahr nicht mit einem Ergebnis zu rechnen ist. „Ich habe noch in meiner Eigenschaft als Beigeordneter vor einigen Jahren eine ähnliche Prüfung, allerdings unter dem Dach einer Stiftung, durchgeführt. Hier haben wir anderthalb Jahre benötigt, um verlässliche Ergebnisse zu haben“, so der Landrat.