Presseartikel
Nordsachsen investiert: Millionen für Straßen, Schulen und Sicherheit
Trotz 56-Millionen-Euro-Loch im Haushalt plant der Landkreis 2026 den Ausbau maroder Kreisstraßen und steckt Geld in Schulen, Rettungsdienst und Notfall-Systeme. Die wichtigsten Projekte im Überblick.
Nordsachsen.
Trotz eines Rekorddefizits im Haushaltsentwurf plant Nordsachsen für 2026 Investitionen. Im Fokus stehen dabei vor allem marode Kreisstraßen, die Bildungsinfrastruktur, der Rettungsdienst und weitere sicherheitsrelevante Bereiche. Ein Überblick.
Straßenbau: Sanierungen von Kreisstraßen
Als Straßenbaulastträger der Kreisstraßen nimmt der Landkreis 2026 mehrere grundlegende Straßenausbaumaßnahmen mithilfe von Fördermitteln in Angriff.
■ Ortsdurchfahrt Börln: Die Straße soll umfassend erneuert werden. Sie weist massive Schäden, unzureichende Fußwege und fehlende Oberflächenentwässerung auf. Geplant ist der grundhafte Ausbau auf 830 Metern Länge, inklusive Regenwasserkanal und Baumpflanzungen.
■ Brückenneubau in Taucha/Plösitz: Die stark geschädigte Brücke über die Parthe wird ersetzt. Ein Erhalt sei wirtschaftlich nicht mehr vertretbar, heißt es aus dem Landratsamt. Der Neubau umfasst zudem den Ausbau der angrenzenden Kreisstraße, einschließlich Geh- und Radwegen.
■ Ausbau der Ortsdurchfahrten Sprotta und Dahlen: In Sprotta und in der Wurzener Straße in Dahlen sollen ebenfalls grundlegende Ausbauten erfolgen. Beide Strecken sind in schlechtem Zustand, weisen zu geringe Fahrbahnbreiten, beschädigte Gehwege und fehlende Entwässerungen auf.
Schulen: Platzprobleme, Sicherheit und Sanierung
Im Schulbereich stehen 2026 mehrere Großmaßnahmen an, die sowohl den steigenden Schülerzahlen als auch sicherheitsrelevanten Anforderungen Rechnung tragen.
■ Erweiterungsbau am Ehrenberg-Gymnasium Delitzsch: Die Schülerzahlen steigen seit Jahren, in einzelnen Stufen ist das Gymnasium bereits siebenzügig. Drei Klassen müssen aktuell im Beruflichen Schulzentrum Delitzsch ausgelagert werden. Ein Erweiterungsbau an der Dübener Straße – mit sechs zusätzlichen Unterrichtsräumen – soll den Engpass beheben und perspektivisch sogar den Abriss sanierungsbedürftiger Altgebäude ermöglichen.
■ Neue Fachkabinette am Thomas-Mann-Gymnasium Oschatz: Für Biologie, Physik und Chemie entstehen jeweils zwei neue Fachkabinette. Der Neubau soll zudem einen barrierefreien Zugang sicherstellen. Die Maßnahme erfolgt in Abstimmung mit der Stadt Oschatz als Gebäudeeigentümerin.
■ Förderschulzentrum Torgau: Ersatz für „Containerschule“: Die provisorischen Unterrichtscontainer dürfen nur noch bis Ende 2026 genutzt werden. Eine Machbarkeitsstudie zeigt, dass ein Ausbau des Dachgeschosses im Hauptgebäude an der Promenade 3 möglich ist. Der Umbau soll ohne Unterbrechung des laufenden Schulbetriebs erfolgen. Die bauliche Umsetzung wird sich voraussichtlich bis Ende 2027 erstrecken.
■ Notfall-Systeme: Der Landkreis plant angesichts zunehmender Bedrohungslagen wie Amokereignisse, seine Schulen in den kommenden fünf Jahren mit modernen Notfall-Gefahren-Reaktions-Systemen auszustatten. Das sind technische Lösungen, die Menschen in akuten Gefahrensituationen schnell helfen sollen. Sie ermöglichen das Auslösen von Notrufen, die automatische Erkennung kritischer Zustände sowie die gezielte Weiterleitung von Alarmen an zuständige Stellen wie Sicherheitsdienste, Rettungskräfte oder Leitstellen. Die Kosten liegen bei rund neun Millionen Euro, hinzu kommen ab 2029 weitere 2,3 Millionen Euro für neue Schließsysteme.
Rettungsdienst: Neue Rettungswachen und moderne Technik
Bis 2031 sollen im gesamten Landkreis fünf neue Rettungswachen entstehen. Bereits 2026 beginnen sowohl der Bau von zwei neuen Wachen in Taucha und Wermsdorf als auch der Ausbau der Rettungswache in Oschatz. Für diese Maßnahmen sind insgesamt 5,35 Millionen Euro vorgesehen, die vollständig aus den Einnahmen des Rettungsdienstes finanziert werden.
Darüber hinaus investiert der Landkreis in neue Einsatzfahrzeuge: Für 2026 sind sechs Rettungswagen im Wert von 1,25 Millionen Euro geplant, für 2027 weitere acht Rettungswagen im Umfang von 1,49 Millionen Euro.
Brand- und Katastrophen- schutz: Vorbereitung auf den Ernstfall
Für den Brandschutz werden 2026 die notwendigen Eigenmittel des Landkreises für neue Ausrüstungsgegenstände bereitgestellt – sofern der 75-prozentige Förderanteil gewährt wird. Im Katastrophenschutz investiert der Landkreis unter anderem in die technische Ausstattung des Verwaltungsstabsraums und in die Blackout-Planung.
IT-Infrastruktur: Digitale Modernisierung im Landratsamt
Der Landkreis plant vielfältige Investitionen in Hard- und Software – unter anderem in Backup-Systeme, Firewalls und zusätzliche Endgeräte. Neue Softwarelösungen sollen Verwaltungsprozesse verbessern und Ordnungswidrigkeiten digital verwalten. Auch das Kfz-Zulassungswesen wird in das Rechenzentrum der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung migriert. Ein Unsicherheitsfaktor bleiben nach Angaben des Landratsamtes die schwer kalkulierbaren Lizenzkosten großer Softwareanbieter – insbesondere Microsoft.
Ordnungsamt: Neue Technik gegen Temposünder
Die kreiseigene Geschwindigkeitsmessanlage ESO 3.0 erreicht Ende 2025 das Ende ihrer Eichfrist. Der Landkreis plant 2026 den Kauf einer neuen Anlage samt Fahrzeug. Die bisherige Messeinheit hat bereits über 358.000 Kilometer auf dem Tacho und droht bei einem Ausfall vollständig stillgelegt zu werden.
Instandhaltung: Millionenbedarf an Gebäuden und Infrastruktur
Neben den geplanten Investitionen stehen auch umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen an, für die allein im Jahr 2026 rund drei Millionen Euro veranschlagt sind. Mehrere Einrichtungen weisen dringenden Sanierungsbedarf auf:
Am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Eilenburg „Rote Jahne“ müssen die Trinkwasserversorgung und die Heiztechnik aufgrund von Legionellenproblemen erneuert werden. Im BSZ Torgau beeinträchtigen defekte Sonnenschutzanlagen und verschlissene Fenster die Gebäudesicherheit. Die Turnhalle verfügt über eine veraltete 100-Meter-Laufbahn, die nicht mehr den geltenden Sicherheitsstandards entspricht. Am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Taucha sind dringend Fensterreparaturen notwendig, da teils die Schließmechanik defekt ist. Zudem soll am BSZ Oschatz aus Sicherheitsgründen ein elektronisches Zutrittssystem eingeführt werden.
Am Schloss in Torgau, dem Landkreissitz, wiederum stehen die Sanierung undichter Dachgauben, die Erneuerung der Brandmeldeanlage sowie weitere brandschutztechnische Maßnahmen an.
Fazit: Landkreis setzt auf Projekte für Sicherheit und Funktionalität
Die geplanten Investitionen des Landkreises zeigen ein klares Ziel: Nordsachsen will die Sicherheit, Funktionalität und Zukunftsfähigkeit der Infrastruktur dauerhaft stärken. Es wird aber auch deutlich, dass Investitionen nur begrenzt aus eigenen Mitteln finanziert werden können. Die Abhängigkeit von Fördermitteln und Krediten bleibt hoch. Denn: Der Ergebnishaushalt weist laut aktuellem Entwurf ein Minus von 56,3 Millionen Euro aus. Auch der Finanzhaushalt ist klar negativ: Die laufende Verwaltungstätigkeit verursacht ein Minus von 54,9 Millionen Euro.
Für 2026 sind Kreditaufnahmen von 18,6 Millionen Euro vorgesehen. Zudem benötigt der Landkreis einen außergewöhnlich hohen Kassenkreditrahmen von 220 Millionen Euro, um seine Zahlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
Ursprünglich wollte der Kreistag am 3. Dezember den Haushaltsplan für 2026 verabschieden. Doch Landrat Kai Emanuel (parteilos) nahm diesen Punkt kurzerhand von der Tagesordnung. Der Grund: Nach Redaktionsschluss des Haushaltsplans sind konkrete Zahlen des Freistaats eingetroffen, die etwa 20 Millionen Euro unter den erwarteten Einnahmen bleiben. „Schlüsselzuweisungen und Steuerentwicklungen haben eine andere Dynamik bekommen. Das müssen wir berücksichtigen. Ordnungsmäßigkeit geht vor Schnelligkeit“, sagte der Landrat.
Überhaupt erst ermöglicht wird die Genehmigungsfähigkeit des Haushalts für 2026 durch einen Sondererlass des Freistaates mit haushaltsrechtlichen Erleichterungen. Im zurückliegenden Jahr war der Landkreis Nordsachsen haushaltslos.
Der Kreishaushalt in aktualisierter Form soll im März vom Kreistag beschlossen werden. Auswirkungen auf die geplanten Investitionen dürfte dies kaum haben, lediglich dass sich alles um mehrere Monate nach hinten verschiebt, heißt es auf Nachfrage.
