Presseartikel
Platz an Förderschulen wird knapp: Eilenburg könnte einen Neubau bekommen
An der Karl-Neumann-Schule in Eilenburg lernen Kinder mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung – doch seit Langem schon wird der Platz knapp. Weil die Nachfrage weiter hoch ist, braucht es Entlastung. Der Kreistag will nun einen Neubau auf den Weg bringen – und denkt dabei auch über ungewöhnliche Finanzierungswege nach.
Eilenburg. Die Eilenburger Karl-Neumann-Schule könnte perspektivisch ein neues Gebäude erhalten. Das zumindest legt eine Beschlussvorlage nahe, über die der Kreistag in seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch entscheiden soll. Konkret haben die Kreisräte dann über einen Grundsatzbeschluss zur Realisierung des Projekts zu entscheiden. Sollte das Gremium mehrheitlich den Daumen heben, würden die konkreten Planungen für das Vorhaben beginnen.
Hintergrund der Vorlage ist die derzeitige Situation an der Schule. An dem Förderzentrum werden derzeit 61 Schülerinnen und Schüler mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung beschult – und es dürften perspektivisch noch mehr werden. Für das kommende Schuljahr 2027/28 wird bereits mit einem Bedarf für 71 Kinder und Jugendliche kalkuliert, geht aus der Beschlussvorlage hervor. Statt wie bisher neun müssten dann künftig zehn Klassen gebildet werden. Allerdings fehlt zunehmend der Raum: Bereits im laufenden Schuljahr musste deshalb eine vollständige Klasse an die Delitzscher Fröbelschule umgelenkt werden.
Im Landkreis fehlen Förderschul-Kapazitäten
Damit verschärft sich ein Problem, das die Schule bereits seit Langem belastet. Bereits 2013 zog die Karl-Neumann-Schule wegen geplanter Sanierungsmaßnahmen in das Gebäude der Schule „Am Bürgergarten“ um – zunächst temporär, so der Plan. Durch einen erheblichen Wasserschaden im ursprünglichen Schulgebäude konnte dieses jedoch im Anschluss nicht mehr genutzt werden, die Übergangslösung wurde zum Dauerzustand. Weil die Anmeldezahlen weiter stiegen, wurde im Lauf der Jahre zudem die Unterstufe der Schule am Bürgergarten ins Haus Rinckart ausgelagert, der Schulbetrieb findet seitdem faktisch an zwei Standorten statt.
Auch im restlichen Landkreis fehlen ausreichende Kapazitäten: Zwar könne der geplante Umbau des Förderzentrums „An der Promenade“ in Torgau dort für räumliche Entlastung sorgen, hält aber offenbar nicht mit der wachsenden Zahl von Schülern mit Förderbedarf Schritt. Der mögliche Neubau in Eilenburg soll deshalb für Entlastung sorgen: Angepeilt wird eine Nutzfläche von fast 5000 Quadratmetern für rund 90 Kinder. Rund 22 Millionen Euro könnte der Neubau verschlingen.
Bau durch Privatinvestor wäre denkbar
Offen ist indes, wie genau ein solches Vorhaben letztlich finanziert werden kann. Angesichts der angespannten Haushaltslage des Landkreises sollten auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten geprüft werden, heißt es. Neben einer kreditfinanzierten Realisierung sei ebenso ein Investorenmodell denkbar.
In diesem Falle würde ein privater Investor sowohl ein geeignetes Grundstück bereitstellen, als auch Planung, Bau und Finanzierung des Neubaus übernehmen – jeweils nach Vorgaben des Landkreises. Als Vorlage für ein solches Vorgehen könnte der Neubau des Delitzscher Förderschulcampus dienen, der ebenfalls von einem Generalunternehmer realisiert wurde. Im Eilenburger Fall könnte der Kreis als Schulträger das Gebäude dann im Anschluss zur Nutzung anmieten.
Vorlage ist erster Schritt auf langem Weg
Wann und in welcher Form ein Neubau letztlich umgesetzt wird, ist angesichts des frühen Planungsstandes derzeit noch offen. Mit dem Grundsatzbeschluss würde der Kreistag einen ersten Schritt in diese Richtung gehen. Als nächstes sollen dann die langfristig nötige Schulkapazität ergründet und die räumlichen und funktionalen Anforderungen an den Neubau festgezurrt werden. Hinzu kommen rechtliche und wirtschaftliche Fragen. Erst wenn all das geklärt ist, könnte ein Vergabeverfahren starten.
Auf dem gesamten weiteren Weg soll der Kreistag weiter im Boot bleiben – und einer etwaigen vertraglichen Verpflichtung, beispielsweise zur Miete eines Gebäudes, zwingend zustimmen müssen.
