Presseartikel

Schulden der Kommunen – bis zu 6322 Euro pro Einwohner

Gunnar Saft, LVZ

Den 418 Städten und Gemeinden in Sachsen fehlt das Geld. Bei der Pro-Kopf-Verschuldung liegt Bad Elster an der Spitze. Leipzig folgt kurz danach. In Dresden und Chemnitz fällt der Wert weniger hoch aus.

Dresden

Die letzte Reißleine zugunsten der finanzklammen sächsischen Städte, Gemeinden und Landkreise ist längst gezogen. Im Juli dieses Jahres erlaubte ihnen das zuständige Innenministerium per Sondererlass, ab sofort deutlich höhere Kassenkredite aufzunehmen als bislang erlaubt.

Ziel dieser Notmaßnahme: neue Schulden zu ermöglichen, um so die Zahlungsunfähigkeit vieler längst hochdefizitärer Kommunen zu verhindern. Hier kommt eine Übersicht über das aktuelle Ausmaß der kommunalen Finanznot in Sachsen.

In diesen sächsischen Orten ist das Defizit am höchsten

Bei der Pro-Kopf-Verschuldung – dem ehrlichsten Direktvergleich zwischen allen 418 sächsischen Gemeinden und Städten sowie den zehn Landkreisen im Freistaat – war zum Jahresanfang Bad Elster negativer Spitzenreiter mit 6322 Euro Gesamtschulden pro Einwohner. Danach folgten die Städte Altenberg (5773 Euro) und Heidenau (5771 Euro), die Metropole Leipzig (5644 Euro) und Pausa-Mühltroff im Vogtland (4692 Euro). Ebenfalls zu den zehn am höchsten verschuldeten Kommunen gehörten mit Werten von 4607 bis 4031 Euro Pro-Kopf-Verschuldung die Orte Spreetal, Schneeberg, Raschau-Markersbach, Chemnitz und Rathen.

Einberechnet sind bei diesem Ranking neben den Schulden des eigentlichen Kernhaushalts sowie von Extrahaushalten auch noch – wo vorhanden – die Schulden der jeweiligen übergeordneten Landkreise und Verbandsgemeinden. Diese lasten schließlich ebenfalls auf den Bürgern, werden aber häufig nicht mitberechnet.

In kurzer Zeit Schuldenplus von über 20 Prozent

Die Gesamtverschuldung aller Kommunen in Sachsen lag Anfang 2025 bei 11,56 Milliarden Euro. Zieht man noch weitere kommunale Bereiche hinzu, waren es insgesamt sogar schon 12,74 Milliarden Euro. Seit 2021 sind die Schulden der sächsischen Kommunen damit um 20,4 Prozent gestiegen.

Schwacher Trost angesichts des angehäuften Milliardendefizits: Mit einer nunmehr erreichten Verschuldung von 3148 Euro pro Einwohner verzeichnen Sachsens Kommunen vor Brandenburg bundesweit den zweitniedrigsten Wert. In 14 von 16 Bundesländern sind Städte, Gemeinden und Landkreise dagegen höher belastet. Negativer Spitzenreiter sind die hessischen Kommunen mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von mittlerweile bereits 6291 Euro.

Große Unterschiede zwischen den drei Sachsen-Metropolen

Beim Schulden-Vergleich zwischen den drei größten sächsischen Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz fällt die sehr unterschiedliche finanzielle Belastung auf. Während Leipzig zum Jahresanfang auf eine absolute Schuldensumme von 3,44 Milliarden Euro kommt, sind es in der ähnlich großen Landeshauptstadt Dresden „nur“ 1,8 Milliarden Euro und im deutlich kleineren Chemnitz schließlich 1,01 Milliarden Euro.

Gerade das Dresdner Minus ist allerdings umso brisanter, da die Stadt nach dem Verkauf ihres städtischen Wohnungsunternehmens 2006 praktisch schon einmal schuldenfrei war und die Stadtkasse heute dennoch wieder ein Milliardenminus aufweist. Chemnitz liegt als kleinste Metropole mit 4121 Euro pro Einwohner wiederum bei der Pro-Kopf-Verschuldung vor dem deutlich größeren Dresden, wo dieser Wert bei 3198 Euro liegt.

Trotz Finanznot: Nicht alle Orte sind gleich stark belastet

Wichtig bei der allgemeinen kommunalen Finanzmisere in Sachsen ist auch der Umstand, dass die riesigen Defizite nicht gleichmäßig übers Land verteilt sind. Vor allem bei den kleineren Gemeinden verfügt etwa die Hälfte noch über eine vergleichsweise geringe Verschuldungsquote. Und obwohl die sächsischen Landkreise zuletzt durch explodierende, aber gesetzlich vorgeschriebene Sozialausgaben enorm belastet wurden, ist ihre Verschuldung im Vergleich zu den Großstädten weiter deutlich geringer. So kamen die Landkreise Leipzig und Meißen mit 158 beziehungsweise 244 Euro Schulden pro Einwohner zuletzt auf die geringsten Defizite.

Am höchsten lagen die Anfang 2025 mit 1043 Euro pro Einwohner im Landkreis Nordsachsen und mit 664 Euro pro Einwohner im Landkreis Görlitz. Dennoch gelten die beiden letztgenannten Landkreise bereits als finanziell schwer angeschlagen. Der Landkreis Nordsachsen musste seinen Verfügungsrahmen für in diesem Jahr absehbar notwendige Kassenkredite auf bis zu 165 Millionen Euro erhöhen. Dem Landkreis Görlitz wurde im vorigen Jahr per Gutachten bescheinigt, dass er künftig selbst dann mit einem jährlichen Haushaltsminus von 60 Millionen Euro rechnen muss, wenn er nahezu alle Ausgaben für freiwillige Leistungen streichen würde.

Problematisch sind in puncto Kommunalfinanzierung zudem weitere Punkte. Auch in Sachsen werfen die Kommunen der Bundesregierung sowie dem eigenen Freistaat vor, dass diese sie zwar mit immer neuen Pflichtaufgaben belegen, die dadurch entstehenden Zusatzkosten aber nicht ausreichend kompensiert werden.

Kassendefizit wächst: Kommunen droht Minusrekord

Im Ranking der Finanzzuweisungen der neuen Bundesländer haben die sächsischen Kommunen 2024 laut dem Gemeindefinanzbericht tatsächlich erstmals die „rote Laterne“ übernommen. Die Folge: Viele von ihnen bleiben auf hohen Rechnungen sitzen. Das Minus in ihren Kassen wächst.

So lag das Kassendefizit in ihren Kernhaushalten zum 30. Juni dieses Jahres bei 871 Millionen Euro. Das höchste Defizit entstand zu dem Zeitpunkt bei den kreisfreien Städten mit einem Minus von 421 Millionen Euro. Es folgen die Landkreise mit 193 Millionen Euro sowie die kreisangehörigen Städte und Gemeinden mit 186 Millionen Euro. Noch einmal 71 Millionen Euro fehlten beim Kommunalen Versorgungsverband. Unterm Strich ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024: Damals betrug das Kassen-Minus zum gleichen Zeitpunkt 638 Millionen Euro. Somit droht Sachsens Kommunen auch hierbei ein neuer Minusrekord.