Presseartikel
Schullandheim Reibitz verkauft – was hat der neue Eigentümer vor?
Das hochdefizitäre Schullandheim Reibitz wird fortgeführt. Nordsachsens Kreistag beschloss den Verkauf für 120.000 Euro an die Schullandheim Reibitz GbR. Wer steckt dahinter und was haben die neuen Besitzer damit vor?
Reibitz. Louise Feder (22), Florian Horn (24) und Heiko Wittig (61) haben viele Pläne im Kopf. Denn sie sind die neuen Eigentümer des Reibitzer Schullandheims. Ab 1. Januar 2027 übernehmen sie die Regie des Objektes und wollen es wirtschaftlich betreiben.
Hintergrund ist, dass der Landkreis seit Jahren jedes Jahr bis zu 400.000 Euro als Zuschuss für das Minusgeschäft des Schullandheims auf den Tisch legen musste und sich das Objekt nicht mehr leisten kann. Der Kaufpreis von 120.000 Euro wird laut Wittig durch Rücklagen, Privatinvestoren und Kredite finanziert.
Kindercamps in diesem Jahr voll ausgelastet
„Wir kennen die Anlage bis ins kleinste Detail. Sie hat Potenzial, das wir nutzen wollen. Seit 2021 führen wir hier in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Verein Arbeit und Leben jedes Jahr im Sommer und Herbst Feriencamps für Kinder durch.
Allein in diesem Jahr haben wir für die bevorstehenden Sommerferien insgesamt fünf Durchgänge mit insgesamt 400 Kindern in der Anmeldung. So viel wie noch nie“, freute sich Wittig.
Betreut werden die Camps von Studenten, die Wittig und Co. organisieren. Betrieben wird die Anlage zukünftig von der Schullandheim Reibitz GmbH, die vergangene Woche gegründet wurde. Diese Gesellschaft soll Erwerb, Eigentum und langfristige Verwaltung der Immobilie übernehmen. Den laufenden Betrieb wiederum soll eine operative Gesellschaft organisieren: die Schullandheim Reibitz gGmbH als hundertprozentige Tochter der GmbH.
Nutzung für die nächsten 15 bis 20 Jahre
Ziel ist es, das Schullandheim mindestens 15 bis 20 Jahre als solches weiter zu betreiben. Das neue Nutzungskonzept knüpft an die bisherigen pädagogischen und sozialen Angebote an. Diese sollen weiterentwickelt werden. Ziel ist eine wirtschaftlich tragfähige Betreibung, damit das Schullandheim auch künftig für Schulklassen, Vereine und weitere Nutzer aus der Region erhalten bleibt.
„Mein Geschäftspartner Florian und seine Lebensgefährtin Louise haben bereits erste Konzepte erstellt, die auf Grundschüler sowie auf Schüler der Klassenstufen fünf und sechs für drei und fünf Tage zugeschnitten sind. Damit wollen wir jetzt verstärkt mit Flyern und in sozialen Medien werben“, sagte Wittig.
Zahlreiche Investitionen geplant
Die neuen Eigentümer planen umfangreiche Investitionen. Im kommenden Jahr sollen rund 230.000 Euro fließen und weitere 130.000 Euro im Jahr 2028. Damit sollen Attraktivität und Wirtschaftlichkeit des Hauses langfristig gestärkt werden.
Wittig ist sicher, dass ein Schullandheim finanziell auf soliden Füßen betrieben werden könne. Andere privat geführte Schullandheime zeigten dies. Vor allem die in die Jahre gekommenen Unterkunftsbungalows sollen schrittweise auf modernen Standard gebracht und auch mit Toiletten ausgestattet werden.
„Die erste Investition wird sein, dass wir einen Bungalow als Betreuerhaus umbauen werden und dort mehrere Einzelzimmer einrichten. Weitere Bungalows sollen im nächsten Jahr modernisiert werden. Auch den Badeteich auf dem Gelände müssen wir dringend anpacken“, kündigte Wittig an.
Personalkosten runterfahren
Die neuen Betreiber werden das Stammpersonal nicht ins kommende Jahr übernehmen. Sie werden innerhalb des Landratsamtes woanders eingesetzt. Wittig will die Anlage ausschließlich mit einem Festangestellten, FSJlern und Aktiv-Rentnern betreiben. „Die Personalkosten waren einer der größten Kostenfresser. Das muss rigoros runtergefahren werden. Deswegen wird es auch zwischen November und Februar eine Schließzeit des Schullandheims geben“, so Wittig weiter.
Ziel ist es, die derzeitige Auslastung von etwa 30 Prozent im ersten Schritt auf mindestens 60 Prozent anzuheben. Auch die Auslastung an den Wochenenden haben die neuen Besitzer im Blick. „Hier sehen wir sehr großes Potenzial, das bisher noch nicht ausgeschöpft ist. Wir wollen Tagesevents wie den Mühlentag organisieren, aber auch Schulungen und Feiern aller Art, die wir als Komplettangebote anbieten wollen.“
Als eine der ersten Maßnahmen kündigte Wittig für das neue Schuljahr an, den Übernachtungspreis von derzeit zehn auf 15 Euro pro Person anzuheben.
Landkreis stößt defizitäres Objekt ab
Der nordsächsische Kreistag stimmte jetzt dem Verkauf des defizitären Schullandheims mehrheitlich zu. Der vereinbarte Kaufpreis ist mit 120.000 Euro deutlich unter dem gutachterlich festgestellten Verkehrswert von 234.000 Euro.
Da nur ein einziges Angebot auf dem Tisch lag, verkaufte der Landkreis das Areal an die Schullandheim Reibitz GbR, die von SPD-Kreisrat Heiko Wittig (61) und seinen Partnern Florian Horn (24) und Louise Feder (22) geführt wird.
