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Presseartikel

Stadt-Land-Gefälle: Warum Schenderlein in Nordsachsen weiter großen Förderbedarf sieht

Werner Kopfmüller (LVZ)

Bei ihrem Besuch in Torgau sprach Staatsministerin Christiane Schenderlein über Förderprogramme für Demokratie und Ehrenamt. Dabei wurde deutlich: Gerade in Nordsachsen sehen viele Initiativen weiterhin großen Unterstützungsbedarf – und fürchten Kürzungen.

Torgau/Oschatz. Für Christiane Schenderlein war es gewissermaßen ein Heimspiel. Die in Taucha wohnhafte Staatsministerin für Ehrenamt und Sport (CDU) begab sich am Montag auf Tour durch Nordsachsen und machte dabei unter anderem am Johann-Walter-Gymnasium in Torgau Station.

Grund für den Besuch aus Berlin: Die Staatsministerin ließ sich von regionalen Projekten berichten, die durch die „Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost“ gefördert werden – ein Förderprogramm, das bei der Ostbeauftragten der Bundesregierung angesiedelt ist und sich um die Frage dreht, „wie demokratisches Engagement vor Ort gestärkt und sichtbar gemacht werden kann“.

Diskussion um Fördermöglichkeiten

Indes waren zu der anderthalbstündigen Diskussionsveranstaltung in der Schulaula mehr Vertreter der Fördermittelgeber gekommen als Projektinitiatoren, die Fördermittel empfangen. Unter dem Dach von „Zukunftswege Ost“ sind eine ganze Reihe von Förderpartnern versammelt, worunter die in Halle beheimatete Stiftung „Bürger für Bürger“ sowie die gemeinnützige Zeit-Stiftung zu den prominentesten zählen dürften. Das Fördergeld, das hier zusammenfließt, wird über drei Fördertöpfe ausgeschüttet – unter anderem über die langfristig angelegte „Strukturförderung“, die Kooperationsnetzwerke in sogenannten Fokusregionen mit bis zu 100.000 Euro unterstützt. In Sachsen profitiert davon bisher nur der Landkreis Görlitz.

Stadt-Land-Gefälle bewirkt Förderbedarf

Kleiner sind die Beträge, nämlich bis zu 5000 Euro, die über die „Mikroförderung“ und den „Gen-Ost-JugendFonds“ ausgereicht werden. Letzterer richtet sich an junge Leute und verspricht unbürokratische Hilfe, etwa wenn es ganz konkret darum geht, in ländlichen, überalterten Regionen einen Jugendtreff zu organisieren. Wegen des in Nordsachsen deutlich spürbaren Stadt-Land-Gefälles sieht Schenderlein hier weiterhin Förderbedarf.

Die „Mikroförderung“ hingegen, aus der bis Mai dieses Jahres insgesamt 1,5 Millionen Euro Fördermittel geflossen sind, wirbt mit einer „Stärkung von praktischen und demokratischen Kompetenzen“ sowie von „Selbstwirksamkeit und Zutrauen in eigene Fähigkeiten“. So formuliert, bleibt allerdings vage, welche förderwürdigen Projekte sich dahinter verbergen sollen.

Anschaulich wird es hingegen, als Tilmann Löser und Ali Pirabi vom transkulturellen Musikernetzwerk „Klänge der Hoffnung“ ihre Arbeit vorstellen. 2016 gründete sich das Projekt in Leipzig, beseelt von der Mission, über das gemeinsame Musizieren Begegnungen zwischen Menschen zu schaffen, die Religion und kulturelle Abstammung zunächst zu trennen scheinen.

Transkulturelles Jugendorchester gastierte in Torgau

Auch ein Jugendorchester haben Löser, Pianist und Projektleiter, und Pirabi, der künstlerische Leiter, der in seiner Heimat Iran persische und europäische Musik studiert hat, zusammen ins Leben gerufen. „Shalomaleikum“ heißt es und war im Herbst letzten Jahres zu Gast am Johann-Walter-Gymnasium. Nach einem Workshop, an dem Torgauer Schülerinnen und Schüler der Unter- und Mittelstufe teilnahmen, folgte ein gemeinsam ausgerichtetes Konzert.

Löser ist zutiefst davon überzeugt, dass solche Begegnungen dabei helfen, Vorurteile abzubauen, und Jugendliche in ihrem Selbstbewusstsein stärken, wenn sie sich beispielsweise vor Publikum an der Santur, der iranischen Zither, ausprobieren können. Aktuell wird das Jugendorchester über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge grundfinanziert.

Das Fortbestehen von Workshops in der ländlichen Region sieht er jedoch angesichts drohender Kürzungsrunden auf kommunaler wie Landesebene gefährdet. Auch das gehört zur Wahrheit über die deutsche Förderstruktur im Jahr 2026: Oft erreichen Fördermittel nicht diejenigen, bei denen sie wirksam eingesetzt wären.

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